Im Hause Peric schlagen zwei Fußball-Herzen: Mario (rechts) und Vater Vinko Foto: Privat

Mario Peric, der Landesliga-Torwart des TV Oeffingen, drückt Deutschland und Kroatien die Daumen.

Oeffingen - Schön, wenn man in zwei Kulturkreisen zu Hause ist: Man kommt meist in den Genuss der Küche beider Länder, erlernt womöglich eine weitere Sprache – und hat idealerweise in diesen Tagen gleich zwei Topteams, denen man bei der Europameisterschaft in Frankreich die Daumen drücken kann. Mario Peric ist einer dieser Glücklichen. „Mein Papa ist Kroate, meine Mama ist deutsch“, sagt der Torsteher des Landesligisten TV Oeffingen. „Das ist schon eine coole Sache.“

Der 27-Jährige verfolgt sowohl die deutsche als auch die kroatische Fußball-Nationalmannschaft bei der Endrunde und ist bisher zufrieden. „Klar, Deutschland gehört immer zu den Favoriten“, sagt Mario Peric. „Bei den Kroaten hingegen ist es während großer Turniere mal so, mal so. Aber ich muss sagen, im ersten EM-Spiel gegen die Türkei haben sie mich überzeugt.“ Nach einem Traumtor von Superstar Luka Modric gewann die Auswahl mit den berühmten Karo-Trikots am vergangenen Sonntag mit 1:0 gegen die Türkei. „Es hätte eigentlich viel höher ausgehen müssen“, sagt Mario Peric.

Mario Peric fiebert schon lange mit

Das Spiel hat sich der Fußballer, der seit 2011 beim TVOe zwischen den Pfosten steht, nicht zu Hause angeschaut: „Ich war mit meinem Papa Vinko in einem kroatischen Club in Wernau“, sagt Mario Peric, der bis vor zwei Monaten noch in Schmiden wohnte. „Wir hatten echt sehr viel Spaß.“

Nicht zum ersten Mal bei Titelkämpfen. „Die Fußball-WM 1998 in Frankreich war das erste große Turnier, an das ich mich bewusst erinnern kann, da war ich zehn Jahre alt“, sagt Mario Peric. „Ich weiß noch, wie es bei uns im Wohnzimmer abgegangen ist – erst recht beim Viertelfinale, als das deutsche Team mit 0:3 gegen die Kroaten verlor.“

Damals wurde Kroatien WM-Dritter – der bis dato größte Erfolg in der Geschichte des mit etwa vier Millionen Einwohnern eher kleinen Fußballlandes. Den Helden von 1998 eiferte Mario Peric als kleiner Junge natürlich nach. „Früher war der Stürmer Davor Suker mein großes Idol“, schwärmt Mario Peric vom damaligen WM-Torschützenkönig. „Seine Tore habe ich als Kind immer auf dem Bolzplatz nachgeahmt.“ Aus dem aktuellen EM-Kader der Kroaten, die ihr nächstes Spiel an diesem Freitag gegen Tschechien bestreiten, hebt der 27-Jährige zwei Spieler besonders hervor: „Natürlich gefällt mir Luka Modric aufgrund seiner Technik und Übersicht“, analysiert Mario Peric, der vor seiner Zeit beim TV Oeffingen für den TSV Schmiden aktiv war. „Aber ich mag auch Mario Mandzukic, weil er sich in jedem Spiel zu 100 Prozent reinhaut – ihn hat man definitiv lieber in seiner eigenen Mannschaft als in der gegnerischen.“

Schnippische Kommentare innerhalb des Oeffinger Teams

Gegner hat Mario Peric in diesen Tagen bisweilen auch unter seinen Vereinsgefährten vom TV Oeffingen – aber natürlich nur im spaßigen Sinne. Da die Landesliga-Saison kurz vor dem Turnierstart beendet war, sehen sich die Spieler momentan zwar nur selten, „aber in unserer WhatsApp-Gruppe gibt es schon den einen oder anderen schnippischen Kommentar zur Europameisterschaft“, sagt der Torwart mit einem Augenzwinkern. „Diese kleinen Sticheleien werden dann eben auf elektronischem Wege ausgetragen – vielleicht ist das aber auch besser so.“ Einer tut sich dabei immer wieder hervor. „Unser Co-Trainer Giuseppe Stanzu ist da besonders aktiv“, sagt Mario Peric und lacht. „Nach dem Sieg seiner Squadra Azzurra gegen Belgien ließ er verlauten: ‚Schreibt mir ja die Italiener nicht ab!‘“

Mario Peric hat andere Favoriten: Auf ein EM-Endspiel Deutschland gegen Kroatien hofft der Oeffinger Schlussmann allerdings nicht wirklich. „Für mich wäre das kein Traumfinale, weil ich mich dann nicht so recht entscheiden könnte“, sagt Mario Peric, der die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. „Natürlich wäre es klasse, wenn beide Teams so weit kämen, aber ich könnte ein solches Finale dann nicht wirklich genießen. Mama wäre für Deutschland, Papa für Kroatien – dann steht man dazwischen.“ Die wohl einzige Schattenseite, wenn man in zwei Kulturkreisen zu Hause ist.

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