Kapitän und entscheidender Mann bei seiner Abschiedsvorstellung im deutschen Amateurfußball: Calcios Pero Mamic, hier in der Luft gegen zwei Hofherrnweiler-Spieler. Foto: Günter E. Bergmann - Photography

Der Offensivallrounder erzielt in seinem letzten Spiel für Calcio Leinfelden-Echterdingen den späten 1:0-Siegtreffer gegen die TSG Hofherrnweiler-Unterrombach in der Verbandsliga.

Es ist mal wieder eine dieser Geschichten, die in Hollywood wohl keine Chance hätten, weil: zu kitschig. Eine dieser Geschichten eben, wie sie nur der Fußball schreibt. Ausgerechnet Pero Mamic hat am Sonntag das Heimspiel von Calcio Leinfelden-Echterdingen gegen die TSG Hofherrnweiler-Unterrombach entschieden. Ebenjener Mamic, der in den kommenden Tagen zurück in seine Heimat Kroatien zieht – und somit am 19. Spieltag der Verbandsliga seine Abschiedsvorstellung nach zehn Jahren im deutschen Amateurfußball gab. Sein Treffer zum 1:0 in der 82. Minute bedeutete im zudem letzten Spiel vor der Winterpause auch den Endstand.

 

„Diesen perfekten Abschluss hätte sich niemand vorstellen können“, sagte der Matchwinner. „So kann ich nach Kroatien.“ Begonnen hatten die Feierlichkeiten schon unmittelbar vor dem Anpfiff. Beim Einlaufen ertönte im Sportpark Goldäcker die Hymne des kroatischen Erstligisten Hajduk Split – Mamics Lieblingsklub. Überdies führte der Angriffsallrounder sein Team anstelle von Dan Constantinescu mit der Binde aufs Feld. In den vergangenen Wochen hatte Letzterer den verletzten eigentlichen Kapitän Jovan Djermanovic vertreten.

Calcio deutlich verbessert

In der Anfangsphase entwickelte sich eine umkämpfte Partie, in der beide Teams eine harte Gangart an den Tag legten. Das Resultat: drei gelbe Karten in den ersten 15 Minuten. Mit zunehmender Spieldauer wurde Calcio stärker. Die beste Gelegenheit in der ersten Hälfte hatte der quirlige Casian-Matei Ulici, einer von drei Echterdinger Startelf-Neuen im Vergleich zur Vorwoche. Sein abgefälschter Volleyschuss nach Vorarbeit von Gustavo Vieira streifte die Latte. Bitter für den bis dato auffälligen Ulici, dass er nur wenig später mit einer Schulterverletzung ausgewechselt werden musste.

Insgesamt präsentierte sich die Heimmannschaft klar besser als bei der vorangegangenen 0:4-Klatsche in Oberensingen. „Das war heute eine sehr erwachsene Leistung“, lobte der Trainer Francesco Di Frisco. Defensiv hatte seine Mannschaft den Gegner über weite Strecken gut im Griff. Eine Ausnahme: ein Kopfball von Gäste-Kapitän Nicola Zahner, den der Calcio-Keeper Ali Bozatziolou glänzend parierte (64.).

Mamic staubt ab zur Führung

Gut eine Viertelstunde später folgte dann der große Auftritt des 1,98-Meter-Manns Mamic. Zunächst setzte sich der ohnehin starke Außenverteidiger Vieira links im Eins-gegen-Eins durch. Seine Flanke landete beim eingewechselten Emilio Amenta, der noch an der Latte scheiterte, bevor Mamic den Ball über die Linie drückte.

In der 89. Minute ausgewechselt, musste der Routinier zum Schluss von der Bank aus um sein Happy End zittern. Tief in der Nachspielzeit forderte Hofherrnweiler-Unterrombach nach einem Zweikampf im gegnerischen Sechzehner einen Strafstoß. „Das war ein glasklarer Elfmeter“, echauffierte sich der Gäste-Trainer Patrick Faber. Calcio konnte in dieser Szene von Glück sprechen, dass der Schiedsrichter Valentino Parys nicht auf den Punkt zeigte.

Toller Abschluss für Calcio – und für Mamic

Verdient war der Sieg aufgrund eines Chancenübergewichts für die Gastgeber dennoch. „Das war ein toller Abschluss vor der Winterpause“, sagte Di Frisco. Der Coach zeigt sich überhaupt „sehr zufrieden“ mit der bisherigen Saisonleistung seines jungen Teams nach dem personellen Umbruch im Sommer. Calcio überwintert nun auf Rang acht, allerdings mit nur knappem Abstand zur Gefahrenzone. Nach jetzigem Stand gäbe es in der Staffel die Rekordzahl von sechs oder sogar sieben Direktabsteigern. „Wir müssen noch mindestens 15 Punkte holen, um den Klassenerhalt sicher zu haben“, blickte Di Frisco voraus.

Zunächst galt es am Sonntag nach Abpfiff aber, Mamic gebührend hochleben zu lassen. Seine Mitspieler warfen den Hünen in die Luft – bei dessen Körpergröße keine leichte Aufgabe. Zum perfekten Ende für Mamics fußballerische Zeit in Deutschland fiel auch seinem Trainer nicht viel mehr ein außer: „Fußball ist einfach verrückt.“

Calcio-„Spieler des Spiels“

Gustavo Vieira (Nominierungen: 2). Ließ defensiv auf seiner linken Abwehrseite kaum etwas zu zu und setzte nach vorne immer wieder gefährliche Akzente. Tolles Dribbling und präzise Flanke vor dem Siegtreffer.

Calcio Leinfelden-Echterdingen: Bozatziolou – Andrei-Lucian Ulici, Olteanu, Zweigle, Vieira – Constantinescu, Zekaj – Casian-Matei Ulici (34. Eltyeb, 90. Kaligiannidis), Mamic (89. Djermanovic), Aziz (65. Philipp Seemann) – Vittorio (65. Amenta).

TSG Hofherrnweiler-Unterrombach: Barth – Schimmele (83. Arslan), Wagemann, Bucan, Ziemer – Köhnlein, Freitag – Ruth, Zahner, Sigloch (60. Seidler) – Sanyang (78. Scherer).

Besondere Vorkommnisse: rote Karte für Hofherrnweilers Arslan (90.+5, Schiedsrichterbeleidigung).