Hoffenheim (hi.) jubelt, Frankfurts Chandler ist nach er 0:2-Niederlage enttäuscht Foto: dpa

Neben Hannover 96 zittern noch weitere acht Teams um den Klassenverbleib in der Fußball-Bundesliga. Nach den Schlüsselspielen vom Wochenende geht in Frankfurt und Bremen die Angst um. Immerhin: Werder-Coach darf bleiben.

Stuttgart - Eng, enger, der Kampf gegen den Abstieg aus der Fußball-Bundesliga. Fünf Spieltage vor Saisonende zittern neben dem abgeschlagenen Team aus Hannover noch acht weitere Clubs vor dem Absturz in Liga zwei. Am Wochenende gab es gleich drei direkte Duelle – mit Folgen.

SV Werder Bremen – FC Augsburg: Am Samstagabend noch hatte Thomas Eichin ein klares Bekenntnis zu Viktor Skripnik vermieden. Im Gegenteil: „Wir sind die Verlierer des Spieltags. Jetzt gilt es, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen“, sagte der Werder-Sportchef nach dem bitteren 1:2 gegen den FC Augsburg – und sein Coach war reichlich genervt von den folgenden Spekulationen um seine mögliche Ablösung kurz vor dem Saisonfinale: „Ich kämpfe in der Bundesliga gegen 17 Fußballmannschaften und gegen eine Medienmannschaft. Immer wird darüber spekuliert, dass ich auf einem heißen oder wackeligen Stuhl sitze.“ Am Sonntagmorgen stand sein Stuhl dann wieder sicher auf norddeutschem Grund.

„Wir wollen das Ding zusammen meistern“, sagte da Thomas Eichin, der am Samstagabend noch zu einer Krisensitzung mit Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Mannschaftskapitän Clemens Fritz gebeten hatte. Dort hatte er erfahren, dass es keinen „Keil zwischen Mannschaft und Trainer gebe“, entsprechend gab er am Sonntag das Motto für den Saison-Endspurt aus: „Wir müssen die Ruhe bewahren.“ Was angesichts des Abrutschens auf den Relegationsplatz gar nicht so einfach war. Denn die Bremer hatten zugleich auch noch einen direkten Konkurrenten aufgebaut.

Der FC Augsburg hatte die Führung der Bremer durch Florian Grillitsch erst ausgeglichen (Alfred Finnbogasson), dann den psychologischen Vorteil auf seiner Seite (Trainer Markus Weinzierl: „Danach war die Angst vor der Niederlage nicht mehr bei uns, sondern beim Gegner“) und am Ende das glückliche Ende für sich: Der eingewechselte Jeon-Ho Hong traf zum 2:1, durch das der FCA (15.) am SV Werder (16.) vorbeizog. Zwei Punkte trennen die Tabellennachbarn nun, „die Abstiegsgefahr ist real“, klagte Bremens Kapitän Clemens Fritz stellvertretend für beide Teams.

Eintracht Frankfurt – 1899 Hoffenheim: „Wir geben so lange Gas, wie es geht“, sagte Mittelfeldspieler Stefan Aigner trotzig – und nicht wenige im Umfeld von Eintracht Frankfurt fragten sich, warum die Mannschaft so spät damit angefangen hat. Der Trainerwechsel von Armin Veh zu Niko Kovac hat sich mit Blick auf die Ergebnisse (vier Spiele, drei Niederlagen) zwar noch nicht ausgezahlt, das Engagement der Truppe hat sich aber gesteigert. Allein diese Basis reicht jedoch nicht für eine Verbesserung der tabellarischen Lage. Mehr noch: Ausgerechnet im Duell gegen 1899 Hoffenheim verlor die Eintracht weiter an Boden und hat als Vorletzter nun drei Punkte Rückstand auf den rettenden Platz 15. „Es ist noch nichts verloren“, sagte Niko Kovac, nachdem seine Spieler wütenden Fans hatten Rede und Antwort stehen müssen. „Wir müssen die Mannschaft wieder aufrichten und dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken“, ergänzte er und analysierte: „Die Mannschaft bemüht sich, sie verbessert sich, sie ist auch im Kopf klar. Das Einzige, was ich ihr vorwerfen muss: Ihr fehlt der letzte Wille und die Übersicht, um das Tor zu machen.“ Im Gegensatz zu Nadiem Amiri.

Der 19-jährige Hoffenheimer war gerade eingewechselt worden, luchste Marc Stendera in der eigenen Hälfte den Ball ab und startete einen Sprint, der erst mit einem überlegten Torabschluss endete. „Ich muss ein großes Lob aussprechen an die, die reingekommen sind. Es ist bemerkenswert, wie sie sich reingehängt haben“, sagte später Torhüter Oliver Baumann. Der ebenfalls eingewechselte Mark Uth machte in der Schlussminute alles klar für die Kraichgauer, die sich als nun 14. mit 31 Punkten ein klein wenig Luft verschafft haben im Kampf gegen den Abstieg. „Es ist noch lange nicht vorbei, aber wir haben einen Riesenschritt gemacht“, sagte Kapitän Sebastian Rudy, „solche Spiele muss man gewinnen, um da unten rauszukommen.“ Trainer Julian Nagelsmann warnte allerdings auch vor verfrühter Euphorie: „Das war noch keine Vorentscheidung. Wir haben drei Punkte geholt – nicht mehr, nicht weniger.“ Hamburger SV – Darmstadt 98: Dirk Schuster war voll des Lobes nach dem 2:1-Sieg des SV Darmstadt 98 beim Hamburger SV: „Alle haben einen tollen Job gemacht.“ Einer machte einen besonders guten – und das nicht zum ersten Mal. Aytac Sulu, der Abwehrchef der Lilien, spielt erst seit dieser Saison in der Bundesliga – obwohl er bereits 30 Jahre alt ist. Und doch hat er keinerlei Anpassungsschwierigkeiten – ganz im Gegenteil: In Hamburg brachte er seine Mannschaft zum sechsten Mal in Führung, insgesamt hat er schon sieben Treffer erzielt, sechs davon per Kopf. „Standards gehören ein Stück weit zu unserem Erfolgsrezept“, sagte der Kapitän lapidar. Trainer Schuster war da durchaus euphorischer: „Er ist einer der besten Innenverteidiger der Bundesliga.“ Und die Chancen sind gestiegen, dass er das auch bleiben kann. Mit 32 Punkten haben die Darmstädter als 13. derzeit vier Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz, Entwarnung im Kampf gegen den Abstieg gibt allerdings noch niemand. „Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, mehr auch nicht“, sagte Jerome Gondorf. Der ehemalige Profi der Stuttgarter Kickers erzielte in Hamburg sein erstes Bundesligator – und hatte großen Anteil daran, dass Bruno Labbadia mächtig sauer war.

„Die Spieler sind zu schnell unzufrieden geworden, weil vieles nicht gelungen ist, das hat mich genervt“, sagte der HSV-Trainer und ergänzte: „Wir hatten zu viele Spieler, die nicht an die 100 Prozent gekommen sind.“ Deshalb muss auch der HSV als Zehnter (34 Punkte) weiter zittern. Lewis Holtby wurde deutlich: „Wir haben versagt.“

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