Die TV-Rechte für die Bundesliga werden bald neu vergeben. Foto: dapd/Michael Probst

Seit Montag können sich die Interessenten an den Medienrechten des deutschen Profifußballs bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) registrieren. Bis zum Mai soll eine Entscheidung fallen und dann ist auch klar, was das für die Fans bedeutet.

Stuttgart - Es ist wieder soweit: Der große Vergabe-Poker um die TV-Rechte der Bundesliga hat begonnen. Zumindest formal. Seit diesem Montag dürfen Unternehmen, die sich für finanziell potent genug halten, ihren Hut in den Ring werfen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat die „Ausschreibung zur Vergabe“ an den deutschsprachigen Rechten (Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg und Südtirol) für die vier Spielzeiten von 2021/22 bis 2024/25 angekündigt. Von nun an können sich interessierte Unternehmen registrieren.

• Für die Pakete kommen ungewöhnlich viele Anbieter in Frage. Clubs rechnen deswegen mit einer weiteren Einnahmensteigerung.

• Wie viele und welche Abos der Fußball-Fan zukünftig braucht, ist unklar.

• Branche sieht Sky nach Verlust der Champions-League-Rechte unter Druck.

• Diverse Rechte-Pakete für die Bundesliga sind möglich. Wer welche Rechte bekommt, entscheiden auch die Vorgaben des Kartellamts.

So werden die Bundesliga-Rechte vergeben

„Die Ausschreibung erfolgt in einem offenen, transparenten und diskriminierungsfreien Verfahren“, ließ die DFL an diesem Montag wissen. Zum Start der jeweiligen Ausschreibung wird die DFL im nächsten Schritt den registrierten Unternehmen frühestens am 27. Februar einen so genannten „Procedure Letter“ übersenden. Dieser „enthält den Zeitplan sowie die Verfahrensregeln für die Durchführung der Ausschreibung, insbesondere die Fristen und Kriterien für die Zulassung zu der Ausschreibung, das Verfahren für die Abgabe von Angeboten und die Kriterien und das Verfahren für die Vergabe der ausgeschriebenen Rechtepakete“.

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Trotz der angekündigten Ausschreibung zu den Übertragungsrechten der Bundesliga befindet sich das Bundeskartellamt laut der DFL „noch in der finalen Überprüfung der Details der Vergabemodalitäten“. Nachdem das Amt seine Prüfung des Vermarktungsmodells abgeschlossen hat, wird die DFL allen zugelassenen Unternehmen die Ausschreibungsunterlagen voraussichtlich im März übersenden. Mitte Mai soll dann die finale Entscheidung über die Rechtevergabe fallen.

TV-Rechte der Bundesliga: Die aktuelle Lage

Derzeit kassiert der Profifußball 1,2 Milliarden Euro pro Saison aus den nationalen TV-Rechten (inklusive Zusammenfassungen im Free-TV), dazu kommen ein paar hundert Millionen aus der ganzen Welt. Die Bundesliga-Rechte für Live-Übertragungen liegen bei den Pay-TV-Anbietern Sky und Dazn, das Audiopaket hat sich Amazon gesichert. Highlight-Berichte gibt es bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Experten erwarten bei der jetzigen Ausschreibung keinen so großen Sprung wie bei der letzten (von 2,51 auf 4,64 Milliarden). Doch weil es so viele mögliche Bewerber wie noch nie gibt, rechnet beispielsweise Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge dennoch mit einem „Schritt nach oben“.

Da Sky bei der Vergabe der Champions-League-Rechte zuletzt leer ausging, sehen Experten den Anbieter unter Druck – und zeitgleich die Bundesliga nun in guter Verhandlungsposition. „Bei der Champions-League-Ausschreibung ist etwas passiert, womit keiner gerechnet hat, dass Sky völlig leer ausgeht“, sagte Rummenigge kürzlich beim Kongress Spobis und fügte an: „Jetzt stehen sie nackt da.“ Rechte-Experte Kay Dammholz, früher selbst bei der DFL beschäftigt, pflichtet bei: „Sky muss jetzt handeln.“

Wer ist interessiert an den TV-Rechten der Bundesliga?

Als mögliche Interessenten gelten zuallererst die bisherigen Rechteinhaber, der Pay-TV Sender Sky und der Streamingdienst Dazn. Dazu könnte Amazon, das vor nicht allzu langer Zeit für einige überraschend Teile der Champions-League-Rechte ab 2021/22 erworben hat, in den Poker einsteigen. Denkbar scheint bei Insidern auch ein Mitbieten der Telekom, die sich die Rechte für die Europameisterschaft in Deutschland 2024 gesichert hat. Dazu kommen weitere Konzerne wie Vodafone, Apple, Netflix, Disney oder Google.

Diese Pakete soll es geben

Laut DFL-Boss Christian Seifert wird es bei den Live-Übertragungen der Bundesliga vier Rechtepakete geben. Dazu kommen zwei Pakete für die 2. Liga, ein Paket mit neun Live-Partien für das Free-TV und sieben Pakete für die Höhepunkt-Spielberichte. Mit Blick auf die Bundesliga hatte zuletzt bereits die „FAZ“ die vier Live-Pakete benannt: 1. Alle Spiele in der Konferenz. 2. Die Einzelspiele am Samstagnachmittag. 3. Die Partie am Samstagabend. 4. Die einzelnen Begegnungen am Freitagabend und am Sonntag.

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Wer welche Bundesliga-Rechte bekommt, entscheiden auch die Vorgaben des Kartellamts. Es muss mindestens eines der vier Pakete an einen Pay-TV-Sender mit Satelliten- und Kabelnetzzugang gegeben werden, sollten Streamingdienste die höchsten Gebote abgeben. Umgekehrt sollen zwei Pakete für Streamingdienste zugänglich sein, falls ein „klassischer“ TV-Sender alle vier Pakete erwerben wird. Auch ein Unternehmen kann alle Rechte kaufen. In diesem Fall muss „nur“ dafür gesorgt sein, dass ein weiterer Anbieter gleichzeitig zumindest einen Teil der Spiele übertragen kann.

Das sind die wichtigsten Fragen zu den TV-Rechten der Bundesliga

Wie viele Milliarden bringt das Ganze für die Liga und die Clubs ein? Welche Pay-TV-Sender und welche Streamingdienste strahlen zukünftig welche Begegnungen live aus? Wie viele verschiedene Abos braucht der Fan, um künftig alle Spiele seines Vereins oder sämtliche Spiele der Liga sehen zu können? Seifert betonte kürzlich, er wolle gern ein Abo-Chaos vermeiden. „Wenn man drei Abos benötigt, um die Bundesliga komplett zu konsumieren, würde das die Schwelle des Erträglichen aus unserer Sicht stark strapazieren“, meinte Seifert, fügte allerdings noch hinzu: „Aber das entscheiden wir nicht allein.“ Da das Bundeskartellamt die Auktion beaufsichtige, müsse man sich an deren Vorgaben halten.

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