Jubel bei Frankfurt, hängende Köpfe bei Hertha Foto: dpa/Soeren Stache

Wie schon im Juni überrascht Eintracht Frankfurt die Hertha im eigenen Stadion. Erst nach der Pause fanden die Berliner ins Spiel - die Rückkehr ins Olympiastadion wird für 4000 Fans eine Enttäuschung.

Berlin - Eine mutige und effektive Eintracht hat den perfekten Saisonstart der aufstrebenden Hertha verhindert. Die Frankfurter siegten zum Auftakt des 2. Spieltages in der Fußball-Bundesliga in Berlin mit 3:1 (2:0) und überholten in der Tabelle mit vier Punkten den Hauptstadtclub, der drei Zähler hat. André Silva mit einem verwandelten Foulelfmeter (30. Minute), über den sich die 4000 zurückgekehrten Zuschauer mächtig erregten, Angriffskollege Bas Dost (36.) und Sebastian Rode (71.) sorgten am Freitag für den Sieg der Hessen. Hertha konnte erst nach dem Rückstand und drei Halbzeit-Wechseln für kurze Zeit an die Leistung beim 4:1-Erfolg zum Liga-Start in Bremen anknüpfen - mehr als der Anschluss durch ein Eigentor von Martin Hinteregger aber kam nicht mehr heraus (76.).

Die 4000 Hertha-Fans im eigentlich über 74 000 Besucher fassenden Olympiastadion, die vor dem Anpfiff von ihrem Team begrüßt wurden, sahen gleich eine aktive Eintracht. Die Gäste attackierten früh, mussten aber schon in der Anfangsphase einen heftigen Ausfall wegstecken. Der gefährliche Offensivspieler Filip Kostic, vor dem Hertha-Coach Bruno Labbadia noch besonders gewarnt hatte, rannte mit Berlins Innenverteidiger Jordan Torunarigha zusammen (9.), wurde lange am rechten Knie behandelt und musste schließlich doch raus.

In allen Bereichen zu wenig

Die Frankfurter, bei denen Almamy Touré und Stefan Ilsanker im Vergleich zum 1:1 beim Saisonauftakt gegen Neuling Arminia Bielefeld neu in die erste Elf gerückt waren, ließ sich nicht beeindrucken. Dost näherte sich mit einem Kopfball dem Berliner Tor (20.), Silva besaß die erste gute Chance (25.). Nach einem Zweikampf des Portugiesen mit dem neuen Hertha-Kapitän Dedryck Boyata entschied Schiedsrichter Bastian Dankert auf Elfmeter - eine strittige Angelegenheit, die vom Video-Assistenten nicht als grob falsch gesehen wurde.

Silva selbst verwandelte vom Punkt sicher. Bei Hertha fehlte ein konstruktiver Spielaufbau praktisch total, vieles blieb Stückwerk. Auch Matheus Cunha, der vor dem Anpfiff von seiner erstmaligen Nominierung in die brasilianische A-Nationalmannschaft erfuhr, konnte seine Kreativiät nicht einbringen. So kamen die Gastgeber bis zur Halbzeit nur zu einer einzigen Chance, als Dodi Lukebakio am stark reagierenden Eintracht-Keeper Kevin Trapp scheiterte (32.).

Dost machte es auf der Gegenseite besser. Der 31 Jahre alte Niederländer köpfte nach einer Freistoß-Eingabe von Daichi Kamada wuchtig ein. Boyata und Torunarigha konnten ihn nicht entscheidend stören. Damit war Herthas Traum von einem perfekten Saisonstart praktisch schon beerdigt. 25-Millionen-Mann Lucas Tousart blieb blass wie viele seiner Nebenleute. „In allen Bereichen ist es viel zu wenig“, bemerkte Herthas Sportdirektor Arne Friedrich zur Pause.

Enttäuschung für 4000 Hertha-Fans

Neuzugang Jhon Cordoba, zunächst nur auf der Bank, durfte dann zu Beginn der zweiten Hälfte den wirkungslosen Angreifer Krzysztof Piatek ersetzen. Labbadia hatte von einer „Gefühlssache“ gesprochen bei der Entscheidung zunächst für den Polen - und lag damit falsch.

Auch Arne Maier und Neuzugang Deyovaisio Zeefuik kamen - und nun kam Schwung und Leidenschaft in die Hertha-Aktionen. Frankfurt verteidigte mit Leidenschaft und Glück. Lukebakio scheiterte knapp (58.), alles andere entschärfte der starke Trapp.

Mit einem Schuss aus 16 Metern ins lange Eck erstickte dann Rode Herthas Hoffnung auf eine Wende. Hinteregger traf zwar nach einer Torunarigha-Eingabe ins eigene Tor. Am Ende wurde das erste Stadion-Liveerlebnis nach 202 Tagen für die 4000 Hertha-Fans zur großen Enttäuschung. Schon im Juni hatte die Eintracht beim Geisterspiel mit 4:1 im Olympiastadion gewonnen.

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