Die TSG 1899 Hoffenheim untermauert ihre Ambitionen auf die Champions League. Was steckt hinter dem Erfolg des Fußball-Bundesligisten?
Sinsheim/Stuttgart - Dass das Fußballgeschäft ein ziemlich verrücktes ist, gehört nicht gerade zu den neuesten Erkenntnissen. Doch das Beispiel TSG 1899 Hoffenheim unterstreicht mal wieder, welch wunderbare Kapriolen die Branche innerhalb kurzer Zeit schlägt. Nach dem 3:1 (2:1) gegen den FC Augsburg und dem Sprung auf Platz drei lautet die Frage der Woche im „Kicker“: „Führt Sebastian Hoeneß Hoffenheim in die Champions League?“ Noch vor neun Monaten wollte ein regionales Portal in Heidelberg von seinen Lesern wissen: „Ist Sebastian Hoeneß noch der richtige Trainer für Hoffenheim?“ Der Tenor der Antworten in den Foren war damals eindeutig: „Der Mann ist mit der Truppe überfordert.“
Die Lage war kritisch, doch keiner bei der TSG hat die Nerven verloren. Vor allem nicht Hoeneß’ direkter Vorgesetzter Alexander Rosen (42). „Er lässt sich nicht von Stimmungen leiten, haut aber intern auf den Tisch, wenn es die Lage erfordert, und äußert klar seine Meinung“, sagt Rainer Widmayer. Der ehemalige Co-Trainer kennt den Direktor Profifußball aus gemeinsamen Hoffenheimer Zeiten. „Zwischen Alex und seine Trainer passt kein Millimeter Papier, er geht mit ihnen durch dick und dünn, er schützt und unterstützt sie, gerade wenn die Öffentlichkeit oder auch die Spieler etwas anderes erwarten.“
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In der vergangenen Saison kam Hoffenheim nach der kniffligen Phase noch auf Platz elf ins Ziel, mit satten zehn Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz. „Sebastian Hoeneß hat das Tief gemeistert und ist daran gewachsen“, ist sich Widmayer sicher. Und noch eines glaubt der derzeit vereinslose 54-Jährige zu wissen: „Sebastian als moderner Coach profitiert garantiert auch vom Erfahrungsaustausch mit alten Hasen wie seinem Vater Dieter oder Onkel Uli.“
Wo das alles enden wird? Nach dem gelungenen Start in die Bundesliga-Rückrunde und zuletzt sieben ungeschlagenen Spielen in Serie ist die zweite Teilnahme an der Königsklasse im Kraichgau nach 2018 absolut in Reichweite. Aber es entspräche nicht dem Naturell des 39-Jährigen ehemaligen VfB-Jugendspielers, jetzt mit schlagzeilenträchtigen Sprüchen auf den Putz zu hauen. „Das Gefühl ist gut, das nehmen wir mit. Aber es ist immer noch ein Moment“, erklärte Hoeneß, „die Platzierung bestätigt ein Stück weit, dass wir auf einem guten Weg sind – daraus mache ich keinen Hehl. Trotzdem können wir uns für den dritten Platz am 18. Spieltag nichts kaufen.“
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Die Hoffenheimer Profis tun mit ihrem mutigen Offensivfußball jedenfalls alles dafür, damit das große Ziel am Ende erreicht wird. Allen voran Tore-Doppelpacker Ihlas Bebou (38./44.) befindet sich in Galaform. Der Togolese, der sich mit seinem Nationalteam zum Glück für die TSG nicht für den Afrika-Cup qualifizieren konnte, erzielte seine Saisontreffer sechs und sieben.
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Dabei fällt es für Hoffenheim nicht einmal ins Gewicht, dass ihr Star seit Monaten nicht mehr in den Statistiken auftaucht. Andrej Kramaric hat sein bisher letztes Tor Ende Oktober geschossen und seine bisher letzte Vorlage Ende November gegeben. Auch gegen den FCA agierte der Vizeweltmeister, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, eher unglücklich. Tatsächlich spricht die durchwachsene Form des Kroaten aber sogar eher für die Hoffenheimer. Denn sollte bei dem 30-Jährigen der Knoten in den kommenden Wochen platzen, wäre die TSG noch schwerer zu schlagen. Hoeneß und Rosen werden ihm dabei helfen. Beide haben schließlich schon bewiesen, dass sie schwierige Situationen meistern können – in diesem verrückten Fußballgeschäft.