Eine Szene, zweierlei Emotionen: Während der Feuerbacher Enes Karakoca (links) hadert, freut sich der SSV-Akteur Pavlos Karypidis über den Ausgleichstreffer. Foto: Günter E. Bergmann

Das Team von Trainer Marco Scheel profitiert von einem weiteren Ausrutscher von N.A.F.I. Stuttgart.

Stuttgarter Norden - Selten hat der Begriff „Stagnation“ so gut zu einem Bezirksligaspieltag gepasst wie zu dem 26. der Saison 2015/2016. Von den acht Begegnungen endeten sieben unentschieden. Von den 16 Teams im Klassement blieben 14 genau auf dem Tabellenrang kleben, auf dem sie auch vor Wochenfrist waren. Die einzigen, die sich nicht an angestammter Stelle wiederfinden, sind die beiden Titelanwärter. Denn während der bis dahin amtierende Spitzenreiter N.A.F.I. sich erneut einen Ausrutscher leistete und nicht über ein 1:1 beim VfB Obertürkheim hinaus kam, zog der bis dahin punktgleiche Verfolger TSV Weilimdorf durch einen 4:1-Erfolg über den abstiegsgefährdeten SV Vaihingen vorbei und grüßt nun von der Spitze.

Doch Marco Scheel, Trainer des TSV Weilimdorf, will von vorzeitiger Euphorie nicht viel wissen. „Das einzige, wozu man uns beglückwünschen kann, ist: wir haben den zweiten Platz sicher“, sagt er nach dem 4:1 über die Vaihinger. Zumal sich seine Mannschaft bei diesem Sieg gegen den Abstiegskandidaten nicht gerade in überzeugender Form präsentiert hat. „Wir haben es selbst richtig spannend gemacht“, sagt Scheel. Obwohl der TSV durch ein von Samir Almalla erzwungenes Eigentor recht früh in Front ging, verpassten es die Platzherren, nachzulegen. Dafür legte Bojan Nikolic in der Nachspielzeit von Hälfte eins einen Gegner. Das zog einen Strafstoß nach sich, der den Gästen den 1:1-Ausgleich brachte. Nach dem Seitenwechsel witterten die Vaihinger ihre Chance. „Es war ein ziemlicher Kraftakt, das Spiel wieder in den Griff zu bekommen“, sagt der TSV-Trainer. Doch es gelang: In der 66. Minute verwandelte Almalla nach einem Foul an Marin Kurtin den fälligen Strafstoß zum 2:1 für die Nord-Stuttgarter. Durch die Tore von Tugrul Yalman und Josip Casic machten die Weilimdorfer den 20. Saisonsieg und damit den Sprung auf Platz eins perfekt.

Der gelang allerdings nur, weil sich der Titelanwärter N.A.F.I. Stuttgart beim VfB Obertürkheim das zweite Unentschieden in der laufenden Runde einhandelte. 1:1 stand es nach dem Schlusspfiff. Wobei es an Möglichkeiten, die Partie zu Gunsten von N.A.F.I. zu entscheiden, nicht gemangelt hatte. Aber: „Uns hat das Glück gefehlt, denn der Ball wollte einfach nicht ins Tor“, sagt N.A.F.I.-Coach Damir Bosnjak. Auch dem VfB gelang es zunächst nicht, das Runde im Eckigen unterzubringen. Bis zur 71. Minute, als ein zu kurz abgewehrter Ball zur Vorlage von Daniel Kaufmann geriet. Der Obertürkheimer versenkte das Spielgerät per Direktabnahme zum 1:0. Ein Rückstand, der aber zwei Minuten später schon Makulatur war. Ugur Capar wurde im Strafraum der Platzherren von den Beinen geholt. Die Folge: Elfmeter für N.A.F.I., den Ali Parhizi zum Ausgleich verwandelte. Weitere Torerfolge waren dem Meisterschaftskandidaten allerdings nicht vergönnt.

Dass sowohl die Weilimdorfer als auch N.A.F.I. in der Endabrechnung zumindest den zur Aufstiegsrelegation berechtigenden zweiten Tabellenplatz innehaben werden, verdanken sie dem MTV Stuttgart. Besser gesagt: dem Umstand, dass die Mannschaft von Trainer Francesco Mazzella di Bosco gegen den SV Sillenbuch nicht über ein 2:2 hinauskam. Zweimal hatte der MTV durch Tore von Raphael Hahn geführt, zweimal hatten die Sillenbucher ausgleichen können, obwohl die Platzherren das dominierende Team gewesen waren. „Ich kann meiner Mannschaft nur den Vorwurf machen, dass sie den Sack nicht zugemacht hat“, sagt Mazzella di Bosco. Denn nach den Führungstoren hatten Joel Graham, und Tom Kursawe die Möglichkeiten, um zu erhöhen, vergaben aber.

In den Kreis derer, die mit der Chancenverwertung so ihre Probleme hatten, können sich auch der FC Stuttgart-Cannstatt und der TV 89 Zuffenhausen einreihen. Jeweils ein Mal verhinderte auf jeder Seite die Latte einen Treffer, wobei der FC im Vergeben von Torgelegenheiten noch einen draufzulegen wusste. In der 70. Minute hielt TVZ-Keeper Andreas Aubermann einen Elfmeter von Mert Bucan und parierte anschließend auch noch den Nachschuss von Mohamed Maghrebi. Letzter zeichnete übrigens auch für den Lattentreffer der Platzherren verantwortlich. Doch der erste, der über ein Tor jubeln durfte, war Kai Prechter. Der Zuffenhäuser hatte in der 55. Minute zum 1:0 vollendet – bevor er 20 Minuten später am Aluminium scheiterte. Sogar Maghrebi bekam noch Grund zur Freude. Er erzielte in der 86. Minute den Ausgleich. Mit einigen dieser Situationen hatte allerdings der Zuffenhäuser Coach Sven Peuckert ein Problem. „Der Elfmeter gegen uns war völlig unberechtigt, weil es erstens kein Foul war und zweitens außerhalb des Strafraums“, behauptet Peuckert. Nicht das einzige, das der TV-Trainer zu kritisieren hatte: „Beim Ausgleich des FC Stuttgart-Cannstatt stand der Schütze drei Meter im Abseits.“ Doch nun hat Peuckert die Aufgabe, sein Team möglichst schnell wieder aufzurichten. Denn bereits am Donnerstag um 19 Uhr empfängt der abstiegsgefährdete TV 89 die Mannschaft des Tabellenschlusslichts Croatia Stuttgart.

Auch bei Croatia Stuttgart herrschte wahrlich keine überschäumende Freude. Denn das Team von Trainer Tomislav Babic musste sich im Duell gegen den SV Bonlanden II mit einem 0:0 begnügen. Und dies, obwohl die Kroaten das Spiel bestimmt und sich eine Vielzahl von Tormöglichkeiten erarbeitet hatten. Dagegen verbuchten die Bonlandener nicht eine einzige klare Chance. Allerdings half der Überschuss an guten bis sehr guten Einschussgelegenheiten den Platzherren auch nicht weiter. Denn der SV-Schlussmann Luca Wiedmann hatte einen sehr guten Tag erwischt. „Das war unglaublich, was der rausgeholt hat“, lobt selbst Babic. Dass es letztendlich beim torlosen Remis blieb, lag allerdings nicht nur am Bonlandener Torwart, sondern auch an Anton Zovko. Der trat in der 85. Minute zum Elfmeter an, nachdem es vor einem Eckstoß für Croatia zwischen Yannic Buchwald und Pero Mamic zu einem Gerangel gekommen war, das dem Bonlandener die rote Karte und den Gastgebern einen Strafstoß einbrachte. Doch Zovko verfehlte das Tor. Damit ist die Ausgangslage klar: „Wenn wir am Donnerstag gegen den TV 89 Zuffenhausen nicht gewinnen, dann ist der Abstieg besiegelt“, sagt Babic.

Der SSV Zuffenhausen darf sich da etwas bessere Hoffnungen auf den Klassenverbleib machen, die Sportvg Feuerbach inzwischen sehr gute. Denn auch das Nord-Stuttgarter Derby endete mit einem 1:1. „Damit können wir besser leben als der SSV“, sagt Sportvg-Trainer Gökhan Dogan. In einer von beiden Seiten hart geführten Partie verbuchten zwar beide Seiten ihre Möglichkeiten, doch die qualitativ besseren hatte das Team von SSV-Coach Manfred Porubek. Doch bei einem Schuss von Lucian Antonesei war der Feuerbacher Keeper und Ex-Zuffenhäuser Daniel Weyershäuser auf dem Posten, beim Antoneseis zweiter Großchance verhinderte die Latte einen Treffer. Bei den Feuerbachern scheiterte Erdinc Bozoglu an SSV-Schlussmann Jan Ertl, während Amir Limani sein Ziel knapp verfehlte. Dafür traf Aycut Can, der in der 36. Minute das 1:0 erzielte. Diese Führung hatte allerdings nur bis zur 55. Minute bestand. Nachdem Reijhan Murati per Freistoß den Pfosten getroffen hatte, verwertete Pavlos Karypidis den Abpraller zum Ausgleich.

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