Colin Schmidts (r.) Fußballerkarriere beim TV 89 Zuffenhausen wurde zwangsweise beendet. Der Abwehrspieler muss aus beruflichen Gründen nach Jena umziehen. Foto: Yavuz Dural

Verstärkung aus den eigenen Reihen: Etliche Bezirksligaclubs können am zweiten Spieltag wieder auf Leistungsträger bauen, die aus dem Urlaub zurück sind. Zudem sichert sich der TSV Weilimdorf für einige Monate die Dienste eines weit gereisten Spielers.

Stuttgarter Norden - Für den einen oder anderen Club mag sie schön anzusehen sein, die aktuelle Tabelle der Fußball-Bezirksliga. Aber nach lediglich einem Spieltag ist sie weitgehend ein Muster ohne Wert. Möglicherweise wird das Klassement schon am Sonntagabend etwas mehr Kontur gewonnen haben – so wie die Kader der Nord-Stuttgarter Clubs. Denn inzwischen sind einige Leistungsträger, die am vergangenen Wochenende noch ihren Urlaub genossen haben, wieder ins Training eingestiegen. So können sich unter anderem die Sportvg Feuerbach, der FC Stuttgart-Cannstatt, N.A.F.I. Stuttgart und die Sportvg Feuerbach wieder auf Spieler freuen, die in der ersten Partie der Saison noch schmerzlich vermisst worden waren. Auch der TSV Weilimdorf wartet mit zwei Ferien-Rückkehrern auf – und kann zudem noch einen Königstransfer auf Zeit vermelden.

Hector Ivan Robinson Lara – so heißt der Mann, der bis zum Ende des Jahres für den TSV Weilimdorf kicken wird und eventuell schon in der Partie gegen Croatia Stuttgart zum Einsatz kommen könnte. Und der 23-jährige Panamese hat nicht nur einen schönen Namen, sondern auch einige sportliche Referenzen. Denn der Mittelfeldspieler hat schon einige Stationen hinter sich: Angefangen von den Stuttgarter Kickers über den in Panamas erster Liga beheimateten Club Sporting 89 San Miguelito bis hin zu dem weißrussischen Erstligisten Neman Grodno, dem SGV Freiberg und zuletzt bei Waldhof Mannheim. „Er kehrt Ende des Jahres nach Panama zurück und wollte einfach noch ein bisschen kicken“, sagt TSV-Trainer Marco Scheel. Den Kontakt zu Lara hatte Weilimdorfs Innenverteidiger Güney Cömert hergestellt, der nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre ebenso wieder zur Verfügung steht wie die aus dem Urlaub zurückgekehrten Gökhan Kücükcolak und Mahdenhager Woldezion. Allerdings werden zwei Weilimdorfer wohl mit besonderem Eifer in die Startformation drängen: Andreas Simic und Hasan Isbert, die beide in der vergangenen Spielzeit noch bei Croatia kickten. Und die Kroaten? Die sind inzwischen eine unbekannte Größe, da sie kein Vorbereitungsspiel bestritten haben und auch ihre Auftaktbegegnung verlegen ließen.

Dass der Tabellenzweite N.A.F.I. Stuttgart die erste Partie in der Saison 2015/2016 in unterdurchschnittlicher Besetzung spielen musste, lässt sich wahrlich nicht sagen. Im Gegenteil – der Liga-Neuling nahm den ebenfalls stark eingeschätzten Mitaufsteiger SV Ümmet mit 5:1 auseinander. Und im Spiel gegen die Spvgg Möhringen hat Trainer Damir Bosnjak zudem zwei Alternativen mehr: Filip Anic und Kaan Tosun sind aus dem Urlaub zurück, wobei der Abwehrmann Tosun durchaus eine Chance hat, in die Anfangsformation zu rücken. Für Bosnjak ist das trotzdem kein Grund, sein Team als Favorit zu sehen: „Eigentlich sollten wir gewinnen. Aber Fußball kann manchmal seltsam sein.“

So etwas Ähnliches hatte sich auch Sven Peuckert, Trainer des TV 89 Zuffenhausen, nach dem Spiel beim SV Bonlanden II gedacht: „Wir haben viele Dinge richtig gemacht“, sagt Peuckert, dessen Team sich aber am Ende mit einem 3:3 begnügen musste. „Wir haben ja nicht in Top-Besetzung gespielt“, begründet der TVZ-Coach. Doch vor dem ersten Heimspiel gegen die TSVgg Münster hat sich die personelle Lage etwas entspannt: Leonard Ebinger, Florian Hofmann und Keeper Andreas Aubermann sind aus dem Urlaub zurück. Nicht mehr für die Zuffenhäuser Auflaufen wird Colin Schmid, den es aus beruflichen Gründen nach Jena verschlagen hat. Dafür kann der TV 89 mit einem Neuzugang aufwarten, der allerdings noch nicht spielberechtigt ist. Tomislav Dunder hat über das Internet zu dem Zuffenhäuser Club gefunden und war zuvor in der Jugend des bosnischen Drittligisten NK Zepce aktiv.

Mit Urlaubsrückkehrern kann der SSV Zuffenhausen, der beim MTV Stuttgart gastiert, zwar nicht aufwarten. Dafür mit einem Urlauber: Coach Ingo Ramljak hat sich in die Ferien verabschiedet und die Verantwortung an seinen Co-Trainer Barjalei Khostwal übertragen. Und der geht die ihm übertragene Aufgabe zuversichtlich an: „Unsere Mannschaft hat Potenzial“, sagt Khostwal. „Wenn wir das abrufen, dann können wir es jedem Gegner schwer machen.“ Davon kann der MTV ein Liedchen singen, denn schon in der vergangenen Saison tat sich die Elf vom Kräherwald in den beiden Partien gegen den SV schwerer als gedacht. Zwar gelang im Hinspiel ein hart erkämpfter 3:1-Erfolg. Doch im Rückspiel reichte es nur zu einem 2:2-Remis, obwohl die Zuffenhäuser geraume Zeit in Unterzahl waren. „Wir müssen auf einiges gefasst sein“, mahnt MTV-Trainer Francesco Mazzella di Bosco – und hofft, dass sein Team im Vergleich zur Vorsaison dazugelernt hat.

Einen schnellen Lernprozess wünscht sich auch Gökhan Dogan, Coach der Sportvg Feuerbach. Die Nord-Stuttgarter, die vor Wochenfrist mit 0:3 in Plattenhardt unterlagen, empfangen den SV Bonlanden II. „Ich schätze die beiden Mannschaften etwa gleich stark ein“, sagt Dogan. „Es liegt jetzt an uns, gegen Bonlanden die Fehler zu vermeiden, die wir beim Spiel in Plattenhardt gemacht haben.“ Ein gehöriges Plus an Erfahrung wird Dogan jedenfalls wieder im Kader haben. In Brian Hofmann, Mahran Hussein und Halit Özcelik haben drei Akteure das Training aufgenommen, die in absehbarer Zeit zu Stammkräften werden können. Das Trio weilte – richtig geraten – vergangene Woche noch in Urlaub.

Die 1:8-Klatsche, die der FC Stuttgart-Cannstatt zum Auftakt erlitten hat, war schnell aufgearbeitet. „Ich habe die Spieler unmittelbar nach dem Abpfiff wieder aufgebaut“, sagt FC-Trainer Samir Avdic. Damit kann er gleichzeitig auf einen personellen und moralischen Schub bei seinen Kickern bauen. „Die Mannschaft ist durch die Niederlage noch enger zusammengerückt“, sagt Avdic vor der Partie gegen den Aufsteiger VfB Obertürkheim. Und auch er kann wieder auf drei Spieler bauen, die ihre Ferien beendet haben: Behar Hasanaj, Mustafa Parmak und Harun Halilovic. Aber Avdic ist noch vorsichtig: „Erst mal sehen, wie fit die drei sind.“

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