Was liegt für den Trainer Dominik Lenhardt auf seiner Abschiedstour in Büsnau drin? Foto: Günter Bergmann

Teil acht unserer Rückrundenvorschau. Warum der Aufsteiger gerade selbst erschrickt – und wie er zu einem möglichen Thema „Landesliga“ steht.

Tja, so kann es einem in diesem unberechenbaren Fußballgeschäft ergehen. Da hatte Ralf Lenhardt auf eine ruhige Saison gehofft. Als Klassenneuling möglichst wenig Abstiegsstress, vielleicht ja frühzeitig ein Plätzchen im sicheren Tabellenmittelfeld. Das traute der Spiel- und Abteilungsleiter seiner Mannschaft durchaus zu. Und was passiert? Dieses Team stellt alles einfach mal auf den Kopf.

 

Tabellenplatz zwei, der TSV Jahn Büsnau auf großer Favoritenschrecktour. Wer das in der Stuttgart/Böblinger Bezirksliga vor Rundenbeginn prophezeit hätte, wäre ausgelacht worden. Mittlerweile lacht bei diesem Thema zumindest aufseiten der Konkurrenz keiner mehr. Zumal: Die Anzeichen mehren sich, dass das bisherige Abschneiden der Jahn-Kicker mehr als eine Momentaufnahme ist. Siehe aktuelle Rückrunden-Vorbereitung, nach welcher Lenhardt nicht so recht weiß, ob ihm ein breites Grinsen im Gesicht stehen soll – oder ob ihm „ein bisschen angst und bange werden muss“. Als „fast schon erschreckend gut“ bezeichnet er die Testergebnisse. Unter anderem heizten die Seinen den Landesligisten TSV Bernhausen (4:2) und TV Echterdingen (3:3) ein.

Rockt der anfangs krasse Außenseiter nun also vollends seine Liga? Selbst Lenhardt mag nichts mehr ausschließen. Und mit Tiefstapel-Faseleien vom bloßen Klassenverbleib hält er sich denn auch erst gar nicht länger auf. „Die Jungs haben brutal Bock darauf, zu beweisen, dass sie nicht zu Unrecht da vorne stehen“, sagt er – wohin auch immer das dann sportlich führen mag. „Das Wort Aufstieg“, betont Lenhardt, „nehmen wir bestimmt nicht in den Mund“, um im selben Atemzug anzufügen: „So lange wie möglich darum mitspielen, das wollen wir schon.“ Gleichwohl damit abseits des Rasens Grenzen der Machbarkeit drohen könnten. Ein Verein mit gerade mal rund 400 Mitgliedern und einem E-Jugendteam als einzigem Unterbau auf Landesliga-Kurs? Lenhardt sagt: „Wenn man ehrlich ist: Eigentlich sind die Strukturen dafür nicht da.“ Eigentlich. Verzichten würden die Büsnauer im Fall der Fälle laut ihm „natürlich nicht“.

Rein fußballerisch macht dagegen gerade kaum etwas Sorgen. Auch nicht die Tatsache, dass der Erfolgstrainer, der Lenhardt-Filius Dominik, wie berichtet nach der Saison zum Staffelrivalen Spvgg Holzgerlingen wechseln wird. Klar, jubiliert hat über diese Entscheidung am Adolf-Engster-Weg keiner. Doch scheint die Mannschaft verschworen und gefestigt genug, damit umzugehen. Auch will der Verein voraussichtlich schon nächste Woche einen Nachfolger bekannt geben. Auf dass danach die ganze Konzentration dem Spieltagsgeschehen gelten kann.

Für den Kader haben die Büsnauer noch zugelegt. Der zurückgekehrte Torjäger Cedric Hornung (vom Landesligisten Böblingen) und der Youngster Aziz Issah (vom GSV Maichingen II) plagen sich zwar beide mit Kniebeschwerden, könnten aber auf weitere Sicht zu zusätzlichen Trümpfen avancieren. Hornung war vor seinem Ausstieg im vergangenen Sommer zweimal Kreisliga-A-Torschützenkönig für die Männer in gelb. Hinzu kommt, dass der Abwehrrecke Fermin Wences aus den USA zurück ist und bis auf Weiteres auch der argentinische Leistungsträger Nahuel Cascia Rica weiter zur Verfügung steht. Dessen Träume von einer Profikarriere im Ausland haben sich fürs Erste zerschlagen.

Ob sich stattdessen andere Träume erfüllen? Jene mit seinem aktuellen Club? Sicher ist vor dem Auftakt an diesem Sonntag (15 Uhr) zuhause gegen den TSV Musberg: Ein Meister Büsnau, das wäre einer der größten Überraschungen in der Stuttgarter Bezirksliga-Geschichte. Für wen dann mehr erschreckend, ob für Lenhardt senior oder die Gegner, das bliebe dabei noch zu klären.

Personalien

Zugänge
Cedric Hornung (28, Angriff, SV Böblingen), Aziz Issah (20, Mittelfeld, GSV Maichingen II).

Abgänge
Tom Prokein (TSV Kuppingen).