Rüchan Pehlivan, hier im Trikot des FV Neuhausen, spielt nun beim SV Vaihingen und trifft am Sonntag auf seinen Ex-Verein SV Bonlanden, für den er 189 Spiele bestritten hat. Foto: Herbert Rudel

Rüchan Pehlivan trifft am Sonntag in der Bezirksliga mit dem SV Vaihingen auf seinen Ex-Verein SV Bonlanden und verspürt Druck von seiner Frau.

Es wird Rüchan Pehlivan wie eine verkehrte (Fußball-) Welt vorkommen, wenn er am Sonntag um 15 Uhr den Sportplatz am Schwarzbach betritt. Er streift sich dabei nämlich das Trikot des Gastgebers SV Vaihingen über – und nicht jenes des Gegners SV Bonlanden, für den er insgesamt acht Spielzeiten am Ball war. Von der Saison 2015/16 an absolvierte der Stürmer für die Truppe von der Humboldtstraße 189 Spiele – davon 168 in der Landesliga. Seine Ausbeute: 59 Tore. Dann folgte der Abschied in der vergangenen Runde zum Landesligisten FV Neuhausen, mit wenig Glück vor dem Tor: In 24 Partien ging Pehlivan leer aus. So lagen zwischen seinem bislang letzten Pflichtspieltreffer und dem Doppelpack des vergangenen Wochenendes beim 3:3 gegen den VfL Oberjettingen mehr als 15 Monate. Vor der Durststrecke hatte er letztmals am 26. Mai 2024 eingenetzt, kurioserweise im Duell des SV Bonlanden mit seinem aktuellen Verein, dem SV Vaihingen.

 

Nun also das Wiedersehen mit dem Ex-Club. Was Besonderes? „Auf jeden Fall“, sagt der 32-Jährige, der bei Mahle in Bad Cannstatt als Marktanalyst arbeitet. „Ich freue mich sehr auf die Partie, auf einige alte Weggefährten und auf Freunde und die Familie, die sich die Begegnung nicht entgehen lassen wollen.“ Rund zehn Akteure aus seiner Bonlandener Zeit stehen noch im aktuellen Aufgebot von Trainer Carmine Napolitano. Mit diesen ist er noch in gutem Kontakt. Er habe sie alle vor einem Jahr zu seiner Hochzeit eingeladen. Unter anderen auch den Torhüter Luca Wiedmann, mit dem er von Beginn an in Bonlanden zusammengespielt hatte.

Derweil gibt es vor dem Spiel nicht die üblichen Sticheleien. „Wir drücken uns keine dummen Sprüche rein“, sagt Pehlivan. Auch nicht in diesen Tagen, als er gemeinsam mit dem Bonlandener Abwehrrecken Tobias Scharnreithner im Fitnessstudio geschwitzt hat. Klar sei über die Partie gesprochen worden und zudem schade, dass Scharnreithner rotgesperrt sei.

Indes haben sich die Schwarzbach-Kicker über die Verpflichtung des Routiniers gefreut. „Ein Traumtransfer für uns“, sagt der Vaihinger Coach Tim Schumann, „sowohl menschlich als auch sportlich.“ Pehlivan gibt die Blumen zurück, schwärmt ebenfalls von der Rückkehr zu seinem Jugendverein. Fünf Jahre hat er bei den Junioren und zwei bei den Aktiven seinerzeit in Vaihingen verbracht. Entscheidend für den Wechsel sei eben der neue Trainer Schumann gewesen. Er habe ihm sein Konzept leidenschaftlich, ausgiebig und transparent erklärt, wie er die Mannschaft weiterentwickeln wolle und welche Rolle er, Pehlivan, dabei spielen soll. Das habe ihn „begeistert und überzeugt. Und tatsächlich, der Coach setzt das jetzt auch genauso um“. Pehlivan selbst gilt als wichtige, erfahrene Stütze. „Er macht klare und hilfreiche Ansagen an die vielen jungen Spieler, hilft ihnen weiter“ so Trainer Schumann.

Dabei sieht sich Pehlivan nicht als Ersatz für den 38-Tore-Abgang Fabijan Krpan (TSV Plattenhardt). Davon sei zu keiner Zeit die Rede gewesen. „Ich spüre absolut keinen Druck, vielmehr eine ganz große Wertschätzung von vielen Seiten, sodass es mir hier riesigen Spaß macht“, sagt er. Der Druck kommt eher von einer anderen Seite, nämlich von seiner Frau Aysegül. Diese schaut mit ihm regelmäßig die Zusammenschnitte der Spiele an. Und, wie lautete ihr Fazit nach dem Doppelpack ihres Ehemanns vom vergangenen Sonntag? Ihre Antwort: „Es hätten auch drei Tore sein können“, sagt Pehlivan lachend.

Stellt sich noch die Frage nach den Zielen des Stürmers für die Partie gegen den Ex-Verein. „Ich will immer drei Punkte“, sagt er. Mit eigenem Tor? „Das wäre top, doch vorrangig zählt ein Sieg, egal wie.“

Nach der Begegnung wird es Pehlivan erneut vorkommen wie in einer verkehrten Welt. Er hat nämlich den gleichen Nachhauseweg wie der sonntägliche Gegner – er wohnt in Bonlanden.