Der SV Vaihingen hat vergeblich gehofft – er verliert seinen begehrtesten Spieler erneut. Wohin es jenen zieht, die Hintergründe und warum sein Noch-Chef anderes empfohlen hätte.
Vor wenigen Wochen hatte der sportliche Leiter Benjamin Schiffner noch große Zuversicht demonstriert. Der Junge sei bodenständig und im Verein fest verwurzelt. Warum also, frei nach Goethe, in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Möglich, dass das schon damals nur Zweckoptimismus war. Inzwischen jedenfalls ist klar: Die Hoffnungen des SV Vaihingen bleiben unerfüllt. Der Schwarzbachclub hat den Wettstreit um den aktuell wohl begehrtesten Spieler der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen verloren: Fabijan Krpan geht. Der Toptorjäger hat sich für einen Wechsel zum bisherigen Staffelrivalen und designierten Landesliga-Aufsteiger TSV Plattenhardt entschieden.
Am Ende waren also alle Vaihinger Bemühungen umsonst. „Er ist halt einfach zu gut für die Bezirksliga“, sagt Schiffner machtlos mit Blick auf seinen bereits 37-fachen Torschützen dieser Saison, auf dessen Schreibtisch sich dem Vernehmen nach die Angebote der Konkurrenz gestapelt hatten. Vor allem auch der sichere Verbandsliga-Absteiger TV Echterdingen soll um Krpans Dienste gebuhlt haben. Überzeugt ist Schiffner: „Würden wir selber fortan Landesliga spielen, hätten die anderen höchstens 0,1 Prozent Chancen gehabt.“ Doch in dieser Hinsicht hatten die Mitbewerber eben mehr zu bieten – und auch finanziell. Hinzu kommt im Plattenharder Fall eine weitere Komponente: Der dortige Trainer Slobodan Markovic und Krpan kennen sich bereits. Schon in Vaihingen arbeiteten sie eine Saison lang gedeihlich zusammen. 2021/2022 war Markovic beim derzeitigen Tabellenvierten als A-Jugendcoach engagiert.
Für Krpan wird es somit nun der zweite Versuch außerhalb der heimischen Umgebung – ungeachtet Schiffners Einwurf, „dass ich ihm, wenn schon Wechsel, dann einen anderen Verein empfohlen hätte“. Nämlich nicht nur einen wahrscheinlichen Neu-Landesligisten, sondern mehr. Duplizität der Ereignisse: Vor einem Jahr hatte Krpan schon einmal seinen Ausstieg erklärt, auch damals zum aktuellen Tabellenführer und späteren Meister, seinerzeit der TSV Bernhausen. Dort wurde es für den inzwischen 21-Jährigen dann jedoch nur ein Kurzgastspiel weniger Wochen. Noch vor dem Ligastart kehrte der Angreifer bedröppelt nach Vaihingen zurück. Er habe sich an seiner neuen Adresse nicht wohl gefühlt.
Wird es beim nächsten Filderstädter Club besser laufen? Zumindest in Plattenhardt hat man keine Zweifel. „Das wird mit unseren anderen jungen Spielern des Kaders prima matchen“, schätzt der dortige Fußballchef Sascha Krammer. Für ihn und die Seinen soll der Krpan-Transfercoup der Aufgalopp zu einer überhaupt tollen Woche sein. An diesem Sonntag (15 Uhr) kann der Spitzenreiter im Heimspiel gegen den TSV Musberg den erwähnten Sprung in die Landesliga vorzeitig perfekt machen. Insgesamt hat er an den drei verbleibenden Spieltagen drei Matchbälle.
In Krpan sowie ihren aktuellen Topscorern Aristidis Perhanidis und Ekrem Servi werden die Plattenhardter fortan gleich drei Knipser in ihren Reihen haben, um die sie manch ein anderer beneiden dürfte. Zusammengerechnet hat das Trio in der laufenden Runde 87 Tore erzielt. Krpans persönliche Gesamtbilanz in Vaihingen lautet seit seinem dortigen Übergang zu den Aktiven: 62 Treffer in 64 Punktspielen.
Wie er alle drei in einer Elf unterbringen will oder auch nicht, das wir dann die knifflige Aufgabe des Trainers Markovic sein. Krammer ist sich in zwei Dingen sicher: „Die drei können zusammen in einer Mannschaft spielen.“ Zum Beispiel in einem zum 3-4-3 modifizierten Spielsystem. Und: „Wir werden an Fabijan viel Freude haben – vielleicht ja sogar für zwei, drei Jahre.“ Mehr, da gibt er sich keinen Illusionen hin, könnte schwierig werden. Denn: „Macht er so weiter wie bisher, wird Plattenhardt nicht seine Endstation sein.“ Dann könne es für den Youngster gut und gerne auch bis in die Oberliga gehen. Das entsprechende Potenzial sei da.
Immerhin in dieser Einschätzung gehen Krammer und sein geschlagener Vaihinger Kollege Schiffner konform.