Kevin Gullman gelingt lupenreiner Hattrick beim 6:0-Sieg der Spvgg Cannstatt. Bei der SG Untertürkheim muss selbst Trainer Theo Fringelis die Kickstiefel schnüren. Der TB Untertürkheim verpasst Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz.
Überraschungen blieben am vergangenen Spieltag aus. Vorne streitet sich das Dreigestirn TSV Bernhausen, Spvgg Cannstatt und Croatia Stuttgart mit gleichbleibendem Abstand weiter um den Titel. Derweil ist die Sache im Abstiegskampf noch enger zusammengerückt.
„Feuerwerk“ nach Aussprache
Spvgg Cannstatt – TSV Musberg 6:0
Die Spvgg spielt eine tolle Saison, ist Zweiter mit guten Chancen auf den Titel. Dennoch ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen an der Hofener Straße, gibt es Dinge, die den Trainer stören und solche, die der Mannschaft – auch untereinander – nicht gefallen. „Deshalb hatten wir eine konstruktive Aussprache während der Woche und die Mannschaft hat die passende Antwort gegeben“, sagt Trainer Carmine Napolitano und fügt hinzu: „Von Beginn an hat der Rasenplatz gebrannt.“ Und besonders angefacht war Kevin Gullman. Der Flügelflitzer machte in Hälfte eins einen lupenreinen Hattrick (6./15./45) perfekt. Bei einem Treffer war der mehrfache türkische Erstliga-Spieler Kagan Söylemezgiller Vorbote, ebenso wie beim 4:0 (62.) von Michael Ziegler. Kurz danach war das erfolgreiche Debüt Söylemezgillers beendet und mit Levent Yildirim betrat ein weiterer „Spvgg-Frischling“ den Platz. Das Toreschießen war aber noch nicht beendet, Behar Hasanaj schraubte das Resultat – darunter auch ein an ihm selbst verursachter Foulelfmeter – bis auf 6:0 (80./87.) in die Höhe.
Aushilfscoach dieses Mal erfolglos
TB Untertürkheim – Beograd 1:3
Abteilungsleiter Alexander Rieß vertrat am Sonntag den im Urlaub weilenden Chefcoach Matthias Summer. Eigentlich kein Nachteil, schließlich gab auch Rieß den Aushilfscoach, als der TBU beim damaligen Spitzenreiter Cannstatt den ersten Saisonsieg einfuhr. Gegen Beograd blieb der erhoffte Dreier indes aus, schafften die Kicker vom Gehrenwald es nicht, Beograd in der Tabelle zu überholen und auf den Nichtabstiegsplatz zu springen. Die Voraussetzungen dieses Mal seien aber weitaus schlechter als vor dem Überraschungscoup gewesen. „Ich selbst war bis Freitag in Quarantäne. Konnte nicht wie damals die Woche über mit der Mannschaft trainieren, was ein Nachteil war“, weiß Rieß. Nachteil Nummer zwei hätte eigentlich ein Vorteil sein sollen: Der TBU ging mit Beograd auf den großen Rasenplatz, hoffte, dadurch die Gäste müde zu spielen. Falsch gedacht. „Man hat gemerkt, dass auch wir ob der langen Abstinenz auf unserem umfangreichen Platz Probleme hatten.“ Darüber hinaus habe der Schiedsrichter laut Rieß „die robuste, teilweise ruppige Gangart der Gäste nicht konsequent unterbunden“. Besonders kurz vor dem 2:0 in der 66. Minute von Werner Hottmann per herrlichem 25-Meter-Schuss direkt in den Winkel. Rick Hachenbruch sei alleine aufs Tor zugelaufen und ganz, ganz rüde von hinten umgetreten worden. Überraschenderweise habe der Unparteiische nur Gelb anstatt Rot gegeben. „Wer weiß, vielleicht wäre die Partie dann anders gelaufen.“ Die Live-Einschätzung Rieß’ bestätigte denn auch der „Videobeweis“. „Wir haben die Partie mitgefilmt. Es war eine klare Fehlentscheidung.“ Den Platzverweis gab es dann auf der anderen Seite in der 81. Minute. Heimkehrer Daniel Höschele sah bei seinem verspäteten Debüt – er saß noch eine Rotsperre aus Musberger Zeiten ab – wegen Meckerns erst Gelb und wegen Foulspiels dann Gelb-Rot. Dennoch gelang dem TBU durch den eingewechselten Amadou Camara in der 83. Minute das 1:2. Danach machte der TBU auf und kassierte in der 93. Minute durch Nikola Rengelov noch das 1:3. Den Führungstreffer für die Gäste, die „auch nicht viele Chancen hatten“, so Rieß, besorgte Milan Milic kurz vor der Pause.
Gute Moral trotz enormer Personalnot
TSV Bernhausen – SG Untertürkheim 3:1
„Hut ab vor dem Team, es hat gekämpft bis zum Umfallen“, lobt SGU-Coach Theo Fringelis. Das Team, das war nämlich mächtig angekratzt. Aufgrund von Coronafällen, anderen Krankheiten und Verletzungen standen in der Startelf mit Filipe Jesus Ferreira und Emre Güven schon zwei Fachkräfte aus der zweiten Mannschaft. Während des Spiels wurde die Lage noch gravierender. So gravierend, dass selbst der 39-jährige Coach Theo Fringelis ab der 60. Minute sein Pflichtspiel- Debüt im SGU-Dress geben und gleich mehrere Positionen begleiten musste. „Ständig mussten wir umstellen. Als Stürmer hab’ ich begonnen, dann auf der Sechs und letztlich auf der Außenverteidigerposition gespielt.“
Der Spitzenreiter habe von Beginn an mächtig Druck gemacht, sein Team jedoch gekämpft und versucht, so lange wie möglich die Null zu halten. Nach 14 Minuten verpasste Glenn Agyemang sogar die Gästeführung. Nach 20 Minuten lag der Ball dann doch im SGU-Tor – Winterneuzugang Ivan Matanovic staubte ab. Die Gastgeber ließen nicht nach und Mahir Ege traf vor der Pause zum 2:0 (38.). Auch wenn die Kräfte von Minute zu Minute bei den Gästen schwanden, gab man nicht klein bei. Im Gegenteil: Ein schöner Freistoß von Yannick-Marc Munk – übrigens herausgeholt von Coach Fringelis – brachte nach 67 Minuten sogar den Anschlusstreffer. Ausgerechnet Munk, der sich laut Fringelis zusammen mit Omar Aboulazm Bestnoten verdiente – beging im Strafraum ein Foul. Den berechtigten Strafstoß verwandelte Alperen Albayrak zum 3:1-Endstand (74.).
Aufwärtstrend setzt sich fort
SV Sillenbuch – Türkspor Stuttgart 1:4
Nach dem Sieg in Sillenbuch hat das neuformierte Team von Türkspor sieben Punkte aus drei Partien ergattert. Zwar zeigt die Tabelle das Team vom Neckarpark immer noch auf dem vorletzten Platz. Doch der Rückstand zur Relegation beträgt nur noch drei, zum direkten Klassenerhalt vier Punkte. Vor drei Wochen endete das erste Aufeinander der Teams 1:1 und in Spielerzahlen ausgedrückt mit 9:11 gegen Türkspor. „Ich bin froh, dass wir dieses Mal die Partie mit elf Akteuren zu Ende gebracht haben“, sagt Türkspor-Coach Tarkan Bucak. „Mit ein Grund, warum wir dieses Mal gewonnen haben.“
Zunächst hatten die Gäste ihr Visier aber alles andere als gut eingestellt, vergaben „vier Hochkaräter“, so Bucak, ehe Hasan Isbert nach 40 Minuten zum 1:0 traf. Doch kaum ausgejubelt, wurde auf der anderen Seite gefeiert. Nach einem Aufbaufehler war Jerry Nkamanyi zur Stelle und glich aus (43.). Valon Selimi sorgte vor dem Pausenpfiff aber dafür, dass die Gäste eine Führung mit in die Kabine nahmen. Diese stand nach schläfrigem Beginn prompt auf der Kippe. Doch Sezer Özerdem, der den im Urlaub weilenden Stammfänger Fatih Aydin vertrat, „hat klasse reagiert“. Die Gastgeber machten in der Folge zwar Druck, ohne jedoch wirklich für Gefahr zu sorgen. Die Gäste wiederum lauerten auf Konter und nutzten zwei davon durch Marcel Weishäupl (58.) und erneut Isbert (77.) zum 4:1-Endstand.