Das Führungstrio um den SV Bonlanden baut seinen Vorsprung aus. Derweil steht beim SV Vaihingen ein Torjäger-Zugang fest und beklagt der Abstiegskandidat ABV/TSV 07 Stuttgart einen verhängnisvollen Last-Minute-Elfmeterfehlschuss.
Vorne ein Dreikampf um den Aufstieg, hinten ein Sechskampf gegen den Abstieg und dazwischen ein gemeinsames Trainer-Frustbier der wohl endgültig abgehängten Verfolger. Neun Spieltage vor dem Saisonende kommt die Stuttgarter Fußball-Bezirksliga vollends als Drei-Klassen-Gesellschaft daher. An der Spitze hat das Trio SV Bonlanden, TSV Plattenhardt und TSV Bernhausen am Sonntag mit Siegen seinen ohnehin schon guten Vorsprung weiter ausgebaut – was aber nichts daran ändert, dass es beim Tabellenführer ein Trainer-Fragezeichen gibt. Wird für den erst vor wenigen Wochen zum Chefcoach beförderten Timo Stehle schon im Juni wieder Feierabend sein?
Sportvg Feuerbach – SV Bonlanden
Ergebnistechnisch läuft es für den SV Bonlanden gerade wie am Schnürchen. Vier Rückrundenspiele, vier Siege, dazu vor Wochenfrist der Sprung auf Platz eins. Mit einem 3:0 hat die Mannschaft auch die hohe Hürde bei der Sportvg Feuerbach genommen, womit Stehle weiterhin auf eine makellose persönliche Bilanz blicken kann. Und dennoch: Um seine Zukunft ranken sich Fragezeichen. Nicht, weil von Vereinsseite Zweifel vorhanden wären. Jene sind mittlerweile auch beim Abteilungsleiter Guido Arnold ausgeräumt, nachdem jener in der Winterpause noch anders geplant hätte, ehe ihn die revoltierende Mannschaft quasi zur Beförderung ihres Wunschkandidaten Stehle nötigte. Von Arnold steht inzwischen das Angebot zur Vertragsverlängerung. Allein, derjenige, der nun noch zögert, ist Stehle selbst.
Der Grund: die berufliche Situation des 34-Jährigen. „Das Vertrauen ehrt mich“, sagt er, „aber ich muss erst klären, inwieweit das weiter möglich sein wird.“ Tätig ist er als Personalvermittler in der IT-Branche, wo er sich vor sechs Jahren mit Partnern selbstständig gemacht hat. In Kürze soll das eigene Unternehmen expandieren, mit einem zusätzlichen Standort in Wien. Nicht auszuschließen, dass es für Stehle von Sommer an also vermehrt heißen wird: Österreich statt Filderstadt. In diesem Fall wäre er an der Humboldtstraße wohl als Spielertrainer raus. Der Verein müsste auf Nachfolgersuche gehen.
Eine Entscheidung soll bis spätestens Ende dieses Monats fallen. Einstweilen versprühten die Bonlandener zwar keinen fußballerischen Glanz, überzeugten aber mit einer spitzenreiterwürdigen Effizienz. Auf einem laut Stehle „unfassbar holprigen Rasen“ sowie gegen einen kompakt verteidigenden Gegner taten der Coach und die Seinen sich lange schwer – und schlugen dann in Hälfte zwei abgezockt zu. Drei Torschüsse, dreimal drin. Kevin Pein mit einem beherzten 20-Meter-Schuss, Danijel Zugac sowie Nils Große Scharmann netzten ein. Zugac stand dabei zwar meterweit im Abseits, profitierte jedoch davon, dass der Feuerbacher Eric Gursch den Ball unglücklich direkt vor seine Füße verlängerte.
Für die Gastgeber ihrerseits stand schließlich das Ende einer tollen Serie. Erstmals seit gut einem Jahr verloren sie in der Staffel wieder ein Heimspiel. Zuletzt war dies im März 2023 mit einem 0:2 gegen den TSV Plattenhardt II passiert. Freilich, Vorwürfe wollte der Stehle-Gegenüber Rocco Cesarano keine machen. Auch nicht seinem Pechvogel Samet Ceviker, der per Foulelfmeter die Großchance zur eigenen Führung vergab. „Für die gegebenen Umstände“, sagt Cesarano, „haben wir es 60 Minuten lang hervorragend hingekriegt“, inklusive eines Greenhorns im Tor. Zwischen den Pfosten musste der A-Jugendkeeper Eyyup Bekler ran, nachdem der Platzhirsch Raphael Kugel (Gast auf einer Taufe) abgesagt hatte. Darüber hinaus fehlte dem Tabellenfünften eine Reihe weiterer Stammspieler.
Spvgg Cannstatt – TSV Bernhausen
Klar ist mit der dritten Niederlage in Serie, dass der zwischenzeitliche Feuerbacher Überraschungskurs gen Spitzenplätze beendet ist. Wobei in dieser Hinsicht immerhin gelten darf: geteiltes Leid gleich halbes Leid. Am Abend hockten Cesarano und sein Best-Trainerkumpel Carmine Napolitano zum Frustbier zusammen. Letzterem erging es mit seinem Team der Spvgg Cannstatt nicht besser. Auch die Neckarstädter sind nach ihrer 1:2-Heimniederlage gegen den TSV Bernhausen aus der Aufstiegsverlosung wohl endgültig raus. „Traurig. Wir hatten schon gehofft, mit einem Sieg vielleicht vorne noch einmal ein Wörtchen mitreden zu können“, sagt Napolitano. Nun sind es acht statt nur noch zwei Punkten Rückstand selbst zu Rang drei.
Als Cannstatter Trost bleibt allein, der seit Wochen formstärksten Mannschaft der Liga ein ebenbürtiger Gegner gewesen zu sein. Nein, Napolitanos Kicker legten sich nicht wie die vorige Konkurrenz unter die Räder eines heranrauschenden Bernhausener Titelanwärter-Expresses. Sie gingen durch ein Wursteltor ihres Topscorers Behar Hasanaj aus spitzem Winkel sogar in Führung. Am Ende, hadert Napolitano, „hat nur ein kleines Bisschen gefehlt“. Das Bisschen, das dann halt den Unterschied ausmacht zwischen einem Beinahe-Spitzenteam und einem Tatsächlich-Spitzenteam. Während Denis Bubalo in der Endphase die Topchance zum erneuten Gastgeber-Vorsprung vergab, drehten die Gäste mit Treffern von Lukas Walz und Werner Hottmann die Partie.
„Es war nicht einfach. Cannstatt hat uns alles abverlangt“, sagt der Bernhausener Trainer Roko Agatic. Anders als beim vorangegangenen 6:1-Spektakel gegen den TSV Plattenhardt habe seiner Elf die Spritzigkeit gefehlt. Doch wer wollte ernsthaft meckern in Anbetracht von inzwischen bereits neun Ligasiegen am Stück. Groß ist der Tatendurst nun auch im Hinblick auf die nächste Aufgabe: Am Donnerstag (19.30 Uhr) spielen die Fleinsbachkicker beim Kreisliga-A-Tabellenführer Croatia Stuttgart um den Einzug ins Bezirkspokal-Finale.
TSV Plattenhardt – TSV Musberg
Unterdessen zeigte sich der wie erwähnt zuletzt im Filderstadt-Derby geschredderte Ex-Tabellenführer TSV Plattenhardt gut erholt. Vier Tage Trainingspause über Ostern hatten den internen Ärger bereits ein Stück weit verrauchen lassen. „Nun war die Vorgabe, wieder zu uns zu finden und bei den Zuschauern zu entschuldigen“, sagt der Trainer Sascha Blessing. Gesagt, getan. Beim 5:0 gegen den TSV Musberg machten sich auch einige Umstellungen bezahlt. Die neu in die Elf gerückten Nikolaos Tsiolakidis auf der für ihn ungewohnten Sechserposition sowie Julian Hofacker und Mark Hörz nutzten ihre Chance. Vor allem Hörz. „Er bringt frischen Wind, egal, auf welcher Position man ihn spielen lässt“, lobt Blessing. Der 22-Jährige eröffnete denn auch den Torreigen, gefolgt von jeweiligen Doppelpacks der beiden bisherigen Plattenhardter Schützen vom Dienst, Aristidis Perhanidis und Fatih Özkahraman.
Freilich: Zugute kam ihnen dabei auch, dass der Gegner, vorsichtig ausgedrückt, seinerseits eher nicht den besten Tag erwischte. „Nach dem ersten Gegentreffer hatten wir nicht mehr viel entgegenzusetzen“, räumt der Musberger Trainer Denis Kühnle ein. Selbst gerade aus dem Frankreich-Skiurlaub zurück, brachte er nur ein Notaufgebot auf den Platz. Gut die halbe eigentliche Stammelf fehlte, darunter die Eckpfeiler Wolfgang Simon (Rotsperre) und Lukas Zug (Urlaub).
SV Vaihingen – SV Sillenbuch
Knapp vor den Musbergern hält sich im Klassement der SV Vaihingen – gleichwohl es auch für jenen ein enttäuschender Nachmittag wurde. Beim 3:3 gegen den Abstiegskandidaten SV Sillenbuch wendeten die Schwarzbachkicker nur mit Mühe eine Heimniederlage ab. Der eingewechselte Vincent Moser rettete mit seinem Ausgleichstreffer immerhin einen Punkt.
Die für die Vaihinger erfreulichere Nachricht kommt von hinter den Kulissen: Dort steht ein erster Zugang für die nächste Saison fest. In David Hug wird der vormalige Toptorjäger des Vereins zurückkehren. Nach seinem USA-Studium befindet sich der 24-Jährige derzeit noch auf Weltreise. „Er hatte Angebote bis zum Geht-nicht-mehr“, sagt der sportliche Leiter Benjamin Schiffner, „schön, dass er sich erneut für uns entschieden hat.“ Derweil gilt es beim Goalgetter des aktuellen Kaders noch abzuwarten. Auch der Youngster Fabijan Krpan hat zahlreiche Interessenten auf den Plan gerufen. Vor allem die Landesligisten SKV Rutesheim und SV Böblingen scheinen als Mitbewerber im Rennen zu liegen. Pikant im Böblinger Fall, steht dort doch im Trainer Thomas Siegmund ein Ex-Vaihinger in der Verantwortung.
Aufatmen demgegenüber in Sillenbuch. Nach drei deftigen Schlappen bedeutet das aktuelle Resultat trotz eines nach 2:0- und 3:2-Führung verpassten Siegs das erste Erfolgserlebnis der Rückrunde. Insbesondere einem stark verbesserten Einsatzwillen sei Dank. Was als Problem bleibt: „Wir kriegen einfach zu viele Gegentore“, weiß der Spielleiter Hans-Georg Spies. Insgesamt satte 18-mal hat es in den vier Spielen seit der Winterpause im eigenen Kasten eingeschlagen.
SG Untertürkheim – TSV Münster
Gut für die Sillenbucher: Auch von der Konkurrenz im Tabellenkeller tat kaum einer größere Schritte. Die einzige Ausnahme: der TSV Münster. Der Aufsteiger entschied das direkte Duell zweier Wackelkandidaten bei der SG Untertürkheim klar mit 3:0 für sich. Nach einer ereignisarmen ersten Hälfte schlug die Mannschaft des Trainers Stefan Schuon nach der Pause umso gnadenloser zu. Carmine Pescione traf im vierten Spiel für seinen neuen Verein zum vierten Mal.
Die Gastgeber trennen hiernach bereits sechs Punkte vom sicher rettenden zehnten Tabellenplatz. Ihr Trainer Alexander Erne hatte notgedrungen eine Elf mit A-Jugend-Aushilfen, einem Durchschnittsalter von unter 20 Jahren und dem Torhüter Nummer vier am Start, namentlich Dani Ribeiro Guimaraes, eigentlich Trainer der zweiten Untertürkheimer Mannschaft. „Die anderen drei waren nicht krank, nicht verletzt und auch nicht gesperrt, aber sie hatten am Sonntag andere Dinge vor“, sagt Erne.
SC Stammheim – SGM ABV/TSV 07 Stuttgart
Ebenfalls leer ging die SGM ABV/07 Stuttgart aus. Deren Vormarsch der vergangenen Wochen endete beim SC Stammheim auf bittere Weise: In der 90. Spielminute scheiterte der Torjäger der Degerlocher, Blessing Omoregie, mit einem Foulelfmeter am Gastgeber-Keeper Steffen Scheck und damit am möglichen Ausgleich. Endstand stattdessen aus ABV-Sicht: ein 2:3. „Wir haben ein gutes Spiel gemacht und hätten auf jeden Fall etwas mitnehmen können“, sagt der Co-Trainer Alexander Schreck, der erneut den Chefcoach Milos Pojic ersetzte. Jener war zwar am Morgen aus dem Urlaub zurückgekehrt und verfolgte das Spiel als Zuschauer, die Verantwortung überließ er aber Schreck.
In Stammheimer Reihen freut sich derweil der ebenfalls in der Winterpause neu eingestiegene Marc Wegner über die Fortsetzung eines Laufs. Sechstes Pflichtspiel unter ihm, sechster Sieg. „Wir hätten durchaus zur Pause schon 1:3 im Rückstand liegen können, haben dann aber deutlich mehr investiert und letztendlich verdient gewonnen“, sagt Wegner, dessen Team nun im Bezirkspokalwettbewerb gefordert ist. Der nächste Termin: Halbfinale am Donnerstag (19.30 Uhr) beim Außenseiter SG Weilimdorf.
TSV Rohr – Türkspor Stuttgart
Bleibt vom Sonntag noch das Kellerduell – nach welchem es die eine Seite mit Galgenhumor nimmt. Wie sagt Holger Schroeder, der Abteilungsleiter des TSV Rohr? „Wer bei uns ein Heimspiel besucht, der bekommt garantiert Landesliga-Niveau geboten.“ Zusatz: „Das gilt aber nur für die Qualität des Rasens und des Imbissstands.“ Sportlich droht zunehmend der Absturz in die Kreisliga A. Das 3:3 gegen den Tabellenletzten Türkspor Stuttgart, bei dem Schroeders Mannen dreimal einen Vorsprung verspielten, hilft jedenfalls keinem der beiden Gegner im Kampf um den Klassenverbleib wirklich weiter. „Wir haben Ende April zwei Schlüsselspiele gegen Musberg und in Sillenbuch. Wenn wir die nicht beide gewinnen, sehe ich schwarz für uns“, sagt Schroeder.
Deutlich positiver fällt die Einschätzung bei Türkspor aus. Schroeders Pendant Tarkan Bucak sagt: „Wenn wir so auftreten wie an diesem Spieltag, sehe ich für uns durchaus noch Möglichkeiten, da unten rauszukommen.“ Die Gäste zeigten Moral und durften sich zudem über das Tor des Tages durch einen Hoffnung bringenden Rückkehrer freuen: Denis Skarlatidis, ehemaliger Oberligakicker der Stuttgarter Kickers II, traf aus 25 Metern sehenswert in den Winkel. Nach fast eineinhalbjähriger Verletzungspause war es der zweite Einsatz des 28-Jährigen.
Die Statistik zum Spieltag
Spvgg Cannstatt – TSV Bernhausen 1:2. Tore: 1:0 Hasanaj (43,), 1:1 Walz (46.), 1:2 Hottmann (81.). Besonderes: –
TSV Rohr – Türkspor Stuttgart 3:3. Tore: 1:0 Ramic (6.), 1:1 Skarlatidis (39.), 2:1 Koriesh (52.), 2:2 Macrovassilis (68.), 3:2 Kamm (74.), 3:3 Skarlatidis (80.). Besonderes: –
SG Untertürkheim – TSV Münster 0:3. Tore: 0:1 Olenschuk (57.), 0:2 Pescione (72.), 0:3 Coskun (90.+1). Besonderes: –
Sportvg Feuerbach – SV Bonlanden 0:3. Tore: 0:1 Pein (52.), 0:2 Zugac (66.), 0:3 Große Scharmann (90.). Besonderes: Wiedmann (Bonlanden) wehrt Foulelfmeter von Ceviker ab (17.)
SC Stammheim – SGM ABV/TSV 07 Stuttgart 3:2. Tore: 0:1 Roth (24.), 1:1 Hachenbruch (36.), 1:2 Kauderer (40.), 2:2 Bechthold (48.), 3:2 Surasi Hamld (81.). Besonderes: Scheck (Stammheim) wehrt Foulelfmeter von Omoregie ab (90.)
SV Vaihingen – SV Sillenbuch 3:3. Tore: 0:1 Hahn (10.), 0:2 Schmidt (46.), 1:2 Schilling (47.), 2:2 Hasöz (54.), 2:3 Feichtenbeiner (60.), 3:3 Vincent Moser (65.). Besonderes: –
TSV Plattenhardt – TSV Musberg 5:0. Tore: 1:0 Hörz (13.), 2:0 Perhanidis (15.), 3:0 Özkahraman (50.), 4:0 Perhanidis (65.), 5:0 Özkahraman (83.). Besonderes: –