Während der SV Bonlanden mühsam die Gunst der Stunde nutzt, lässt ein Oldie an seinem Geburtstag die Zuschauer staunen, kommen beim kriselnden TSV Rohr Rücktrittsgedanken auf und ist in Feuerbach die Trainerfrage für nächste Saison geklärt.
Ein neuer Tabellenführer, zwei große Gewinner im Abstiegskampf, Rücktrittsgedanken beim TSV Rohr und ein gefühlter Tor-des-Jahres-Schütze just am eigenen Geburtstag – auch an der Ostermontag-Feiertagsschicht hat es die Stuttgarter Fußball-Bezirksliga nicht an schlagzeilenwürdigen Ereignissen fehlen lassen. Nummer eins im Klassement ist nun der SV Bonlanden, für den der Ball nach den Ergebnissen bereits vom Donnerstag quasi auf dem Elfmeterpunkt lag. Wenn auch mühsam, so nutzten die Schwarz-Weißen die Chance zum Wachwechsel.
SV Bonlanden – SG Untertürkheim
Nach der 6:1-Gala des TSV Bernhausen im vorgezogenen Topspiel gegen den TSV Plattenhardt war klar, dass den Bonlandenern ein simpler Punktgewinn reichen würde, um ihrerseits fürs Erste zum lachenden Dritten zu avancieren. Geworden ist es schließlich ein glanzloses eigenes 2:1 gegen den Tabellenvorletzten SG Untertürkheim. Der Favorit holperte sich mehr oder weniger an die Spitze des Starterfelds. Von dort geht er nun mit drei Zählern Vorsprung in das Restprogramm des wahrscheinlichen Filderstädter Aufstiegsdreikamps.
Letzteres war dann das, was zählte und die Umstände übertünchte. „Wir freuen uns für den Moment über diesen Zwischenstand“, sagt der Trainer Timo Stehle, räumt aber ein: „Wir haben uns sehr schwer getan.“ Zu wenig Konzentration, zu wenig Effektivität. „Vielleicht“, so Stehles Vermutung, „hat uns die Ausgangssituation etwas blockiert.“ Umso mehr, als nach gerade einmal zwei Minuten der Gegner führte. Immerhin: Im folgenden Geduldsspiel gegen ein Gäste-Abwehrbollwerk wahrte ein Akteur seinen Lauf. Der Winterpausen-Zugang Nils Große Scharmann schnürte im dritten Pflichtspiel für seinen neuen Verein seinen dritten Toredoppelpack. Nach Vorlagen von Kevin Pein und Andreas Pottmeyer drückte er die Kugel jeweils über die Linie.
Während Große Scharmann damit erneut der Bonlandener Mann des Spieltags ist, braucht man nach jenem auf der anderen Seite nicht lang zu suchen: Ein höheres Ergebnis verhinderte vor allem der Untertürkheimer Torhüter Marcel Leo. Der glänzte als Rückhalt eines überhaupt tapfer verteidigenden Gäste-Aufgebots. Das Bittere für jene: Das Warten auf das erste Erfolgserlebnis unter dem neuen Trainer Alexander Erne geht dennoch weiter. Die bisherigen Resultate lauten 0:1, 1:2 und nun eben erneut 1:2. Dreimal nah dran, dreimal aber ohne zählbaren Lohn. „Uns bleibt nichts anderes übrig, als wie Kleinkinder daraus zu lernen – wenn man hingefallen ist, immer wieder aufstehen“, sagt Erne.
Klar ist, dass für ihn und die Seinen nun zwei Schlüsselspiele folgen. Die Begegnungen mit den Mitabstiegskandidaten Münster und Türkspor könnten schon die letzten Gelegenheiten sein, sich in den Tiefen der Tabelle aussichtsreich zurückzumelden. Handicap dabei: Khaled Bediar und der Torschütze Luis Spayes sahen in der Endphase der aktuellen Partie Gelb-Rot und sind somit nun erst einmal gesperrt.
TSV Münster – TSV Rohr
Sorgen machen muss am Bruckwiesenweg darüber hinaus, dass an diesem 1. April gleichzeitig zwei der direkten Konkurrenten dreifach punkteten – einer davon der erwähnte nächste Gegner TSV Münster. Der Aufsteiger zwang im Kellervergleich den TSV Rohr mit 3:0 in die Knie, verbunden mit dem Beleg, bei seiner winterlichen Kaderaufbesserung ein glückliches Händchen gehabt zu haben. Die Torschützen hießen Carmine Pescione, Kevin Gullmann und Marco Kreidl – zwei Neuverpflichtungen sowie ein Wiedereinsteiger nach Verletzungspause. Vor allem der Oldie Pescione lässt die Augen des Trainers Stefan Schuon leuchten. „Er belebt unser Spiel vorne deutlich“, sagt er. Der Führungstreffer des 39-Jährigen resultierte aus einem wuchtigen 25-Meter-Schuss.
Für die Rohrer Gäste nahm damit ein weiterer schwarzer Nachmittag seinen Lauf. Für sie steht aus vier Spielen des Kalenderjahrs eine deprimierende Bilanz: vier Schlappen, insgesamt 2:16 Tore. Ein Team im freien Fall? Der Abteilungsleiter Holger Schroeder mag nichts beschönigen. „Ich weiß nicht, ob unsere Mannschaft noch den Platz gesucht hat, als das Spiel längst begonnen hatte“, merkt er grimmig an. „Es ist unglaublich: Wir gucken nur zu, wir laden ein.“
Damit nicht genug: Nach dem Abpfiff kam ein personeller Schrecken hinzu. Der Keeper Ulrich Staudenmayer teilte seinen sofortigen Ausstieg mit. Für ihn gilt fortan: Waffe statt Ball. Er steigt als Gebirgsjäger bei der Bundeswehr ein. Noch ein Problem mehr also, das Schroeder auf den Magen schlägt. „Die Mannschaft muss sich nun zusammen mit den Trainern aus diesem verdammten Loch herausziehen“, fordert er vor dem anstehenden Alles-oder-nichts-Duell mit dem Schlusslicht Türkspor. Andernfalls? Schließt Schroeder einen Trainerwechsel weiterhin aus – werde er aber über eine Beendigung seiner eigenen Tätigkeit nachdenken.
SGM ABV/TSV 07 Stuttgart – Sportvg Feuerbach
Vorbeigerauscht ist an den Rohrern in der Tabelle mittlerweile selbst der bis vor Kurzem noch Letzte, die SGM ABV/TSV 07 Stuttgart. Die Degerlocher rollen das Feld gerade von hinten auf. Erstaunlich, aber wahr: Nachdem ihnen während der gesamten Hinrunde nur ein einziger Sieg gelungen war, bedeutet das 2:1 gegen die Sportvg Feuerbach für sie nun den dritten Dreier in Serie. Und das, obwohl aktuell lediglich ein Notaufgebot zur Verfügung stand. Im Vergleich zur Vorwoche musste der Co-Trainer Alexander Schreck seine Startformation auf sieben Positionen verändern. Alle anderen? Im Osterurlaub, sämtliche Studenten auf heimatlichem Familienbesuch. Schreck selbst vertrat an der Seitenlinie den ebenfalls urlaubenden Chefcoach Milos Pojic.
Auf dem Rasen wurde eben einer der Improvisationsspieler zum Matchwinner: Joa Kauderer, für gewöhnlich Mittelfeldmann, diesmal aber Stürmer. Der Youngster schlug in ungewohnter Rolle zweimal zu. Hinzu kam eine spezielle Motivation. In Anbetracht ihrer personellen Umstände hatten die Gastgeber wegen einer Spielverlegung angefragt – ihr Gegner lehnte aber ab. Die Folge: „Wir waren mit einer Jetzt-erst-recht-Einstellung unterwegs“, sagt Schreck.
Freilich: Begünstigend mit wirkten Feuerbacher Ballverluste vor den Toren. Der Gästecoach Rocco Cesarano sieht es seinerseits so: „Ein insgesamt enttäuschender Auftritt von uns – einer Spitzenmannschaft nicht würdig.“ In den Hintergrund rutschte damit die eigentliche eigene Nachricht der Osterwoche: Cesarano, seit 2017 im Amt, hat ebenso wie seine Assistenten Stefan Ohneseit und Andreas Merz für eine weitere Saison verlängert. „Wir haben als Trainerteam nach wie vor Bock. Wir sind hungrig“, sagt der Coach, dem aktuellen sportlichen Dämpfer zum Trotz.
Türkspor Stuttgart – Spvgg Cannstatt
Im Beste-Trainerkumpel-Wettrennen hat hiernach der Kollege Carmine Napolitano die Nase vorn. Dessen Team, die Spvgg Cannstatt, ist mit einem 3:1 bei Türkspor Stuttgart vorbei an Cesarano und Co. auf den vierten Rang geklettert. Angetrieben vom Duo Marco Schulz/Pascal Geidies fuhren die Gäste einen unaufgeregten Pflichtsieg ein. „Nicht berauschend, aber Hauptsache, wir haben die Punkte“, sagt Napolitano.
Dass der inoffizielle Traumtor-Spektakelpreis des Spieltags derweil an den Gegner geht – kein Problem. Die anfängliche Türkspor-Führung markierte Erdal Koyuncu passend zu seinem 40. Geburtstag, und zwar nicht irgendwie: Per Seitfallzieher drosch der Jubilar den Ball von der Strafraumgrenze aus in die Dreiangel. Nicht nur aus Sicht des Türkspor-Fußballchefs Tarkan Bucak „ein Tor des Jahres“. Eines, das im immer schwieriger werdenden Abstiegskampf ebenso Mut machen soll wie das aktuelle Comeback des Bucak-Sohns Denis Skarlatidis nach 16-monatiger Verletzungspause. Bucaks Kommentar mit Blick aufs Klassement: „Abwarten. Totgesagte leben länger.“
SV Sillenbuch – SC Stammheim
Unterdessen mausert sich der einstige Patient SC Stammheim zum Musterschüler. Das 5:2 beim SV Sillenbuch bedeutet den vierten Punktspielsieg im Jahr 2024. Die Folge: Die Nord-Stuttgarter stehen nun auf dem Gefahrlosplatz acht. Auch ein Verdienst des Interimscoachs Marc Wegner. Für den Trainer auf Zeit, dessen Dienst im Sommer endet, „läuft es wie am Schnürchen“, wie er selbst lachend sagt. Aktuell sei es zudem einfach gewesen, zu gewinnen. „Von einem Abstiegskandidaten hätte ich mehr Einsatz und Aggressivität erwartet“, sagt Wegner mit Blick auf den Gegner, aber es sei nichts gekommen. So fuhren die Gäste den Erfolg auch ohne ihre verhinderten Stammkräfte Tobias Oesterwinter, Paul Beck und Marco Schwalb ein. Mann des Tages war Sergio Mavinga, der dreimal traf.
Wegners Kritik an den Sillenbuchern kann deren Spielleiter Hans-Georg Spies nur unterstreichen. „Wir sind einfach zu brav in den Zweikämpfen, hauen nicht einmal ordentlich dazwischen“, sagt er. Außerdem leiste man sich immer wieder haarsträubende Fehler, die dann bestraft würden. Da halfen auch die eigenen Tore von Amadeus Hahn und Jacob Harder nichts. Ihre Mannschaft belegt nun einen Abstiegsplatz.
Die Statistik zum Spieltag
SV Sillenbuch – SC Stammheim 2:5. Tore: 0:1 Mavinga (15.), 0:2 Mavinga (25.), 1:2 Hahn (28.), 1:3 Mavinga (36.), 1:4 Bechthold (47.), 1:5 Lindhorst (52.), 2:5 Harder (72.). Besonderes: –
TSV Münster – TSV Rohr 3:0. Tore: 1:0 Pescione (13.), 2:0 Kreidl (15.), 3:0 Gullmann (66.). Besonderes: –
Türkspor Stuttgart – Spvgg Cannstatt 1:3. Tore: 1:0 Koyuncu (11.), 1:1 Schulz (32.), 1:2 Hasanaj (42.), 1:3 Lizoain Garayoa (68.). Besonderes: –
SGM ABV/TSV 07 Stuttgart – Sportvg Feuerbach 2:1. Tore: 0:1 Alexis Moissidis (35.), 1:1 Kauderer (39.), 2:1 Kauderer (78.). Besonderes: Gelb-Rot für Mutlu (ABV/TSV 07 Stuttgart, 90.)
SV Bonlanden – SG Untertürkheim 2:1. Tore: 0:1 Spayes (2.), 1:1 Große Scharmann (11.), 2:1 Große Scharmann (71.). Besonderes: Gelb-Rot für Bediar (Untertürkheim, 90.+4) und Spayes (Untertürkheim, 90.+5)
TSV Bernhausen – TSV Plattenhardt 6:1. Tore: 1:0 Milos (5.), 2:0 Milos (6.), 2:1 Perhanidis (14.), 3:1 Hottmann (18.), 4:1 Lujic (20.), 5:1 Ege (41.), 6:1 Walz (76.). Besonderes: –
TSV Musberg – SV Vaihingen 1:0. Tore: 1:0 Weller (35.). Besonderes: –