Teil zwei unserer Rückrunden-Vorschau. Heute: der TSV Münster, der TSV Rohr und der SC Stammheim.
Der Countdown läuft. Eine Woche noch, dann geht es in der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen für alle 18 Mannschaften wieder um Punkte. Bis dahin blicken wir auf die jeweiligen Ausgangslagen. In diesem zweiten Teil: der TSV Münster, der TSV Rohr und der SC Stammheim – mithin dreimal Abstiegszone. Und in diesem Zuge: der Rücktritt eines Abteilungsleiters sowie der fünfte Trainerwechsel der aktuellen Saison.
TSV Münster
Ach, bestünde eine Saison doch ausschließlich aus Spielen gegen Spitzenteams. Wo wohl würde der TSV Münster dann in der Tabelle stehen? Aber da dies natürlich nicht der Fall ist, kommen die Neckarstädter als Kuriosum der Staffel daher. Eine Mannschaft zwischen Favoritenschreck und Pannenproduzent – bei keinem anderen war die Leistungsspanne von „erstaunlich“ bis „ernüchternd“ bislang größer. So haben der Trainer Stefan Schuon und die Seinen auf der einen Seite von bisher sieben Spielen gegen die aktuellen Top sechs der Tabelle lediglich zwei verloren. Den Großen aus Plattenhardt (0:0), Cannstatt (3:1), Holzgerlingen (1:0) und Herrenberg (2:1) spuckten sie in die Suppe. Demgegenüber gab es aber Niederlagen gegen gleich vier Kontrahenten aus dem unteren Drittel des Klassements.
In der Summe war es aus Schuons Sicht freilich auch so eine Hinrunde über den eigenen Erwartungen. „Unsere Zuversicht, in der Liga bleiben zu können, ist inzwischen größer als noch im Sommer“, sagt der Coach, auch wenn es ihn etwas wurmt, dass „wir uns am Ende eine noch bessere Ausgangssituation verbaut haben“. Vor allem die beiden Schlappen bei den Hinterbänklern ABV Stuttgart und Oberjesingen schmerzen. Ziel gibt es indes ohnehin unverändert nur eines: den Nichtabstieg. Jener bleibt in Anbetracht von mindestens sechs, eventuell sogar sieben Direktabsteigern eine große Aufgabe. Der momentane zwölfte Platz der Münsterer würde nach jetzigem Stand gerade einmal zur Relegationsteilnahme reichen.
Dass dem heuer so ist, als Folge der Bezirksreform, nach welcher die Teilnehmerzahl der Liga wieder auf 16 Starter reduziert werden soll, ist für Schuon nach wie vor „ein Wahnsinn“. „Kein Verständnis“ hat er für „diese Planung des Verbands“. Schließlich gehe es hier um sportliche Existenzen von Vereinen.
Wo das eigene Aufgebot zulegen muss? Klarer Fall: im Angriff, beim Toreschießen. In der Vorbereitung lautete Schuons Devise: ballern, ballern, ballern. Vor allem zwei Rückkehrer nähren die offensiven Hoffnungen: Kevin Sholabomi und Rifki Djelassi sind nach längeren Verletzungspausen wieder dabei. Möglich, dass in Emil Alawbaidy (Abwehr, pausierte/zuletzt Landesliga beim TSV Weilimdorf) noch ein externer Neuzugang hinzukommt.
Dass die drei ersten Punktspielgegner 2025 allesamt unmittelbare Konkurrenten aus der Abstiegszone sind, namentlich Rohr, Oberjesingen und Feuerbach? Schuon sagt es so: „Das kann sich jeder Erstklässler ausrechnen, um was es da gleich geht.“
TSV Rohr
Immerhin: Um die Ohren geflogen ist den Rohrern der Laden nicht, auch wenn zwischendurch ein solches Szenario drohte. Eine höchst turbulente und zudem verlustreiche Winterpause hat der Tabellenfünfzehnte aber allemal hinter sich. So hat Holger Schroeder, der Fußballchef des Vereins, für sich „persönlich die Reißleine gezogen“, wie er es nennt. Schlussstrich nach fünfeinhalb Jahren im Amt. „Gesundheitliche Gründe“ führt der 65-Jährige an, was aber, wie im Umfeld zu hören ist, nur die halbe Wahrheit sein dürfte. Als Kämpfer für die Belange seiner Belegschaft vermisste er offenbar zunehmend die interne Unterstützung. Schroeder selbst merkt an: „Der Support, den die Abteilung vielleicht nötig hätte, hat vonseiten der Vorstandschaft gefehlt.“ Als Interimsabteilungsleiter fungiert nun bis auf Weiteres Taddäus Ebert.
Damit nicht genug: In diesem Zuge kam auch der erst zum Saisonbeginn eingestiegene Trainer Klaus Kämmerer ins Grübeln. „Die Überlegung war da, ob es vielleicht besser ist, wenn es jemand anderes macht“, räumt er offen ein und beklagt „viel Unruhe, viele Nebenbaustellen“. Entschieden hat zumindest er aber letztlich anders, nämlich dahingehend, den Job durchzuziehen. So schwer er auch wird. Zu Rang zwölf, der bestenfalls zur Relegationsteilnahme berechtigen wird, fehlen den Rohrern bereits neun Punkte. Und für die Rückrunde haben sie in ihrem Kader nun nicht etwa nachgelegt – im Gegenteil, es gilt nach dem Aderlass bereits vom Sommer weitere Abgänge zu kompensieren.
Stichwort Lionel Schmidt. Der bislang beste Torschütze ist zum SVS Kornwestheim gewechselt und damit dem Ruf zweier alten Kollegen gefolgt – beim Enz/Murr-Bezirksligisten sind seine Ex-Stammheimer Teamgefährten Tobias Oesterwinter und Kevin Hachenbruch neu dabei. Stichwort auch David Cantarero Rubio (zurück nach Spanien) und Christian Onuchukwu (SC Altbach). In ihnen sind beide bisherigen Torhüter weg. In den ersten Testpartien mussten sich die Rohrer somit wechselweise mit Feldspielern zwischen den Pfosten behelfen. Die Rettung in der Not ergab sich erst mehr oder weniger zufällig. Sie heißt Kevin Braun. Den 28-Jährigen hat es seines Referendariats wegen aus dem Südbadischen nach Stuttgart verschlagen. Bislang zog er für den Landesligisten VfB Bühl die Handschuhe über.
Ob mit ihm die große Aufholjagd gelingt? Was Kämmerer Hoffnung macht, ist: „In der Hinrunde waren wir mit vielen Gegnern auf Augenhöhe.“ Oft fehlte nur ein Tick. Das bisherige Hauptproblem: In den entscheidenden Phasen unterliefen dann aber zu viele individuelle Fehler, vor allem in der Defensive – in welcher nun obendrein der Kapitän Felix Jochim (Verdacht auf Schambeinentzündung) auf der Kippe steht.
Alles in allem wird das Ziel Klassenverbleib aus Kämmerers Sicht somit zur „hehren Aufgabe“. Um nicht zu sagen: zur annähernd aussichtslosen? Wie oft es der von seinen vorherigen Stationen erfolgsdekorierte Coach bereits bereut hat, vor dieser Saison seine überraschende Zusage zum Einstieg an der Dürrlewangstraße gegeben zu haben, fällt in den spekulativen Bereich.
SC Stammheim
Definitiv aussichtslos ist derweil die Situation des SC Stammheim. 18 Spiele, 18 Niederlagen, im Schnitt knapp sechs Gegentore pro Begegnung – es ist so gekommen, wie man es im Emerholz nach dem Kaderkollaps vom vergangenen Sommer befürchten musste. Die Rückrunde wollen die Nord-Stuttgarter nun nutzen, um bereits Aufbauarbeit für die nächste Saison dann in der Kreisliga A zu betreiben, und zwar unter einem neuen Trainer. Jusuf Karabegovic, aus der Hinserie leidgeprüft, hat sein Amt nach interner Absprache abgegeben. Nach dieser Runde hätte er eh aufgehört, weil er im Mai Vater wird. An seiner Stelle übernimmt der bisherige A-Jugendcoach Stefan Diesing. Mehr noch: Mit ihm machen auch seine Nachwuchskicker schon jetzt, ein halbes Jahr früher als ursprünglich gedacht, den Sprung zu den Aktiven. Eine notgedrungene Maßnahme zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs. Andernfalls wäre jener nicht mehr zu gewährleisten gewesen, mussten die Stammheimer über die Jahreswende doch eine Reihe weiterer Abgänge hinnehmen. Weg ist unter anderem der Youngster Lejs Kuka, der Führende der internen Torschützenliste. Er hat einen Wechsel zum ambitionierten B-Kreisligisten FC Reka Stuttgart bevorzugt.
Für Diesing bedeutet sein „Aufstieg“ eine unerwartete Änderung des eigenen Fahrplans. Eigentlich wollte der 58-Jährige mit Ende des Spieljahrs ebenfalls aufhören. Begleitet hat er „seine Jungs“ von der D- bis zur A-Jugend. „Als man mich im Verein gebeten hat, jetzt diesen Schritt zu gehen, konnte ich jedoch nicht Nein sagen“, sagt der gebürtige Wilhelmshavener. Seine Aufgabe: den Nachwuchs nun an den Männerfußball heranführen. „Es fehlt da noch an Robustheit“, weiß er, „aber das sind talentierte, technisch gute Spieler.“ Ob gut genug, um die von Diesing erhofften „noch fünf bis zehn Punkte zu holen“, wird man sehen.
Der Spielplan kennt jedenfalls keine Gnade. Auftaktgegner ist am nächsten Sonntag just der Tabellenführer TSV Plattenhardt.
In der Staffel ist es der fünfte Trainerwechsel der Saison – nach Plattenhardt, Bonlanden, Oberjesingen und Cannstatt.
Der 19. Spieltag
Samstag, 1. März
TSV Musberg – Spvgg Holzgerlingen (13 Uhr).
Sonntag, 2. März
TSV Plattenhardt – SC Stammheim, VfL Oberjettingen – Croatia Stuttgart, ABV Stuttgart – SV Bonlanden, TSV Rohr – TSV Münster, Spvgg Cannstatt – SV Vaihingen, Sportvg Feuerbach – Türkischer SV Herrenberg, VfL Herrenberg – TV Echterdingen II (alle 15 Uhr).
Verlegt
SV Oberjesingen – SV Deckenpfronn (Mittwoch, 2. April).