Wiederholt sich für den TSV Plattenhardt die bittere Geschichte der vergangenen Saison? Während der Titelfavorit erneut stolpert, ist in Feuerbach Frust, bangt Croatia um den Verbleib seiner drei wichtigsten Spieler und steht in Vaihingen ein neuer Trainer fest.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Was das Ergebnis bedeutet? „Schönes für die Liga. Jetzt wird es richtig interessant“, antwortet der Trainer Slobodan Markovic. Freilich, tatsächlich prägen beim TSV Plattenhardt gerade weniger Lach- als Sorgenfalten das Geschehen. Denn spätestens seit diesem Sonntag muss man sich im Weilerhau die bange Frage stellen: Passiert es etwa erneut? Geht es für den großen Titelfavoriten auch in dieser Saison auf der Zielgeraden schief? Die 1:2-Heimniederlage des Tabellenführers gegen den VfL Oberjettingen ist jedenfalls die große Überraschung des 27. Spieltags der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen, nach welcher das Aufstiegsrennen nun zum Dreikampf wird. Derweil gehen in Feuerbach die Ligalichter aus, bangt Croatia Stuttgart um den Verbleib seiner drei wichtigsten Spieler und ist fix, dass es beim SV Vaihingen im Sommer einen Trainerwechsel geben wird.
TSV Plattenhardt – VfL Oberjettingen
Im Vordergrund steht aber naturgemäß der Wettstreit um den Meistertitel, welcher gerade einen von vielen kaum mehr für möglich gehaltenen Wandel erlebt – nämlich vom vermeintlichen Langweiler zum plötzlichen Krimi. Gerade mal zwei Pünktchen Vorsprung sind vom zwischendurch bereits komfortablen Polster des TSV Plattenhardt noch übrig. Seit seinem 8:0-Ausrufezeichensieg im Gipfelduell in Holzgerlingen hat der Klassenprimus von sieben Spielen nur noch drei gewonnen. Eben die Holzgerlinger sowie die Spvgg Cannstatt sind damit sieben Spieltage vor Rundenende unerwartet wieder auf Tuchfühlung. Und die Liga rätselt und staunt: Wankt der Riese nicht bloß, fällt er womöglich gar? Lediglich ein kurzes Zwischentief, das sich schnell relativieren wird, oder sind die Filderstädter ernsthaft angezählt?
Klar ist für den Coach Markovic, „dass wir nun die Ruhe bewahren müssen“. „Wenn wir schlecht spielen würden, würde ich mir Sorgen machen“, sagt er. Eben dies sei ja aber nicht der Fall. Hinter der aktuellen Ergebniskrise sieht er vielmehr eine Summierung unglücklicher Umstände. Hatten die Seinen vor Wochenfrist beim 2:2 in Herrenberg nach einer dominanten Vorstellung noch einen Last-Minute-Toredoppelschlag kassiert, so stellte auch der diesmalige Gegner das eigentliche Spielgeschehen auf den Kopf. Während die Plattenhardter Torchancen für drei Begegnungen verballerten, darunter Aristidis Perhanidis sogar einen Elfmeter, genügten dem Gast Oberjettingen deren zwei – diese nutzte er seinerseits eiskalt. Nach einem Fehlpass von Tobias Hornung sowie einem eigenen Eckball schlug der Außenseiter jeweils zu.
„Im Prinzip hat nicht der Gegner uns besiegt, sondern wir uns selbst“, bilanziert Markovic, der nun auf eine schnelle Rückkehr in die Erfolgsspur am Donnerstag hofft. Englische Woche – somit wenig Zeit zum Grübeln und Sinnieren. Vielleicht nicht das Schlechteste. Gleichwohl es jetzt natürlich auch eine Kopfsache wird. Die Vorgeschichte der vergangenen Saison lässt sich halt nicht einfach wegradieren. Auch damals waren die Plattenhardter Titelfavorit. Auch damals gingen sie als Halbzeitmeister in die Rückrunde. Und auch damals verspielten sie einen Vorsprung – ehe mit dem Absturz auf Platz drei das vollends bittere Ende kam. Folgt nun auch eine Wiederholung dieses letzten Teils? Feiert im Juni erneut ein anderer? Diesmal, so viel steht fest, träfe ein Scheitern härter, sind die Planungen doch im Gegensatz zu vor zwölf Monaten ganz auf die Landesliga ausgerichtet.
TSV Musberg – Spvgg Cannstatt
Beim erwähnten Verfolger Spvgg Cannstatt hebt die erneute Plattenhardter Panne derweil die Laune. Zum eigenen 1:1 im Spiel beim TSV Musberg hat der Trainer Christopher Eisenhardt eine eher grummelige Einschätzung: „In puncto Spieleröffnung und Angriff kein gutes Spiel von uns. Wir waren ziemlich harmlos.“ Doch hat eben auch der eine Zähler gereicht, um den Abstand zur Spitze weiter zu verkürzen. Eine Fünf-Punkte-Kluft ist es nun nur noch im Cannstatter Fall, wobei der Tabellendritte noch die Nachholpartie am 13. Mai beim ABV Stuttgart hat. „Ich würde mir wünschen, dass es jetzt bis zum letzten Spieltag ein Dreikampf um den Titel bleibt“, sagt Eisenhardt. Die Hoffnung, das bisherige Topresultat des eigenen Vereins zumindest einstellen zu können, lebt. Zur Erinnerung: In der Saison 2021/2022 waren die Neckarstädter Bezirksliga-Vizemeister, seinerzeit in einem Kopf-an-Kopf-Rennen lediglich vom TSV Bernhausen geschlagen. Damaliger Trainer des Rivalen: Eisenhardt.
Aktuell bedeutete ein 16-Meter-Schuss von Behar Hasanaj die Führung, aufgelegt vom Musberger Franc Cagalj per missratener Kopfballabwehr. Doch glichen die Gastgeber in einer überhaupt chancenarmen Partie aus. Julien Kappeler hatte mit einem abgefälschten Freistoß Erfolg. Zumindest auf seiner Seite wollte über das Remis keiner meckern. „Dieser eine Punkt kann im Kampf um den Klassenverbleib noch sehr wichtig werden“, schätzt der Eisenhardt-Gegenüber Denis Kühnle, für dessen Team es nun in die Wochen der Wahrheit geht. Münster, Stammheim, Oberjesingen, Feuerbach – die vier nächsten Gegner kommen allesamt aus der Abstiegszone.
Einstweilen kuriose Personalie: Am Sonntag lief für die Musberger in dieser Saison bereits Keeper Nummer sieben (!) auf. Moritz Schaaf kam zu seinem Ligadebüt. Der 23-Jährige ist beruflich in Stuttgart gelandet und war auf Vereinssuche. Eigentlich spielt er für TuRa Niederhöchstadt II in der Kreisoberliga Main/Taunus. Am Turnerweg nahm man ihn per Zweitspielrecht gerne auf. Dort ist der Stammtorhüter Pascal Runge nach wie vor verletzt.
Spvgg Holzgerlingen – Croatia Stuttgart
Personalsorgen anderer Art zeichnen sich dagegen bei Croatia Stuttgart ab. Der Aufsteiger droht ein Stück weit zum Opfer des eigenen Erfolgs zu werden. Um die wichtigsten Leistungsträger des Kaders ist ein „Verhandlungspoker“ entbrannt, wie es der Spielleiter Branimir Bresic benennt. Duje Tokic, Mario Mamusa und Dominik Kajinic haben dem Vernehmen nach höherklassige Angebote vorliegen. Im Fall der beiden Erstgenannten wird über ein Interesse unter anderem des Landesligisten TSV Bernhausen gemunkelt. Am Bleiben oder Gehen der Umworbenen hängt eine weitere wichtige Personalie. „Grundsätzlich würde ich gerne weitermachen“, sagt der Trainer Mirko Sapina – und fügt ein Aber an: „Es kommt drauf an, wie der Kader für nächste Saison aussieht.“ Aktuell, beim 0:4 in Holzgerlingen, fehlte Sapina privat verhindert. Das Coaching übernahm Bresic. Dessen Spielfazit: „In der ersten Hälfte haben wir unsere Chancen fahrlässig vergeben, dann haben wir aufgemacht und sind ausgekontert worden – eine verdiente Niederlage.“
SV Vaihingen – SV Bonlanden
Ebenfalls nicht dabei war am Sonntag Jeremiah Geywitz, der Trainer des SV Vaihingen, auch er wegen eines Privattermins. Der Unterschied zu Croatia: Bei Geywitz steht mittlerweile fest, dass er im Sommer aufhört. Der Grund: Der 32-Jährige wird im September zum zweiten Mal Vater. „Deshalb will ich den sportlichen Aufwand nicht mehr gehen“, sagt er. Die Nachfolgelösung hat sein Verein bereits ganz pragmatisch in den eigenen Reihen gefunden: Der bisherige „Co“ Tim Schumann (34) wird zum Chef befördert. Am Schwarzbach ist er erst seit Januar im Amt, bringt aber allemal Erfahrung mit. Zuvor fungierte er beim VfL Sindelfingen als sportlicher Leiter und Trainer der Oberliga-Frauen sowie später Assistenzcoach der Männer.
Übernehmen wird Schumann den Großteil des bisherigen Kaders. Laut dem sportlichen Leiter Benjamin Schiffner haben fast alle Spieler für eine weitere Saison zugesagt. Fast alle. Einer der noch Fehlenden ist der Torjäger Fabijan Krpan. „Es ist klar, dass einer wie er mit Angeboten aus allen Ligen zugeschüttet wird“, sagt Schiffner, ist aber zuversichtlich: „Er weiß, was er an uns hat. Ich glaube nicht, dass er schwach werden wird.“
In der aktuellen Partie, beim 3:0 gegen den SV Bonlanden, schon mal testweise unter Schumann-Ägide, erzielte Krpan seinen 32. Saisontreffer. Drumherum war es eine recht eindeutige Geschichte. Denn, wie es der Gästecoach Carmine Napolitano nach dem Auftritt bei seinem Ex-Verein formuliert: „Vaihingen war gut, wir waren schlecht.“ Genauer gesagt: „Unsere schlechteste Vorstellung, seit ich in Bonlanden bin.“ Er hofft nun, „dass uns das Holzgerlingen-Spiel der Vorwoche nicht bereits den Stecker gezogen hat“. Seit der Niederlage in jenem geht es für die Seinen nurmehr um die viel zitierte goldene Ananas.
SV Deckenpfronn – TV Echterdingen II
Um besagte Südfrucht spielt auch der Aufsteiger TV Echterdingen II, für den das 1:2 beim SV Deckenpfronn die dritte Niederlage in Serie bedeutet – genau so viele wie in den 23 Partien zuvor. Missstimmung ist am Sportpark Goldäcker dennoch ein Fremdwort. Zumal der Auftritt insgesamt gut gewesen sei und „zumindest für einen Zähler hätte reichen müssen“, sagt der Trainer Martin Kittelberger. Doch: „Vorne haben wir massig Chancen liegen gelassen und hinten bei den zwei Gegentoren leichtfertig agiert.“ Die eigene Führung durch Felix Steyer drehte der gegnerische Doppelpacker Tobias Wick „praktisch aus dem Nichts heraus“.
TSV Münster – SC Stammheim
Dagegen um nichts Geringeres als das weitere Liga-Ticket geht es für den TSV Münster, der nach dem 5:1-Heimsieg über das Schlusslicht SC Stammheim weiter auf dem Relegationsplatz rangiert . Die drei Punkte hatte der Coach Andreas Contino schon im Vorfeld abgehakt, sah er die Partie doch „als Testballon“, wie er sagt. Bedeutet: Er habe verschiedene Taktiken sowie personelle Formationen ausprobiert, um zu sehen, was am besten zur Mannschaft passe. Sein Fazit: „Ich bin jetzt schlauer, weiß, welche elf Startkandidaten plus fünf weitere Akteure in Frage kommen.“ Im ersten Abschnitt ging der Versuch aber schief, führten die Gastgeber durch Tore von Kevin Sholabomi und Marvin Haller nur mit 2:1 und ließen zu viele Gästechancen zu. Erst nach der Pause sorgte der Favorit für klare Verhältnisse.
Derweil ist der Stammheimer Trainer Stefan Diesing mit seinem Team zufrieden. „60 Minuten gut mitgehalten, dann ging die Puste aus“, sagt er. Ein Vorwurf? Keineswegs, winkt Diesing ab. Für gewöhnlich würden es es ein, zwei Spieler aus der Jugend in ein Bezirksliga-Aufgebot schaffen, in Stammheim sei es die komplette Mannschaft. In Zukunft wolle man weiter mit den jungen Wilden arbeiten, voraussichtlich auch weiter unter Diesings Leitung. „Die endgültige Entscheidung steht noch aus“, sagt er.
SV Oberjesingen – TSV Rohr
Neben dem SC Stammheim werden mit ziemlicher Sicherheit auch der SV Oberjesingen und der TSV Rohr Abschied aus der Bezirksliga nehmen. Die beiden Letztgenannten standen sich am Sonntag gegenüber. Die Gäste feierten dabei einen „hochverdienten“ 2:0-Auswärtssieg, wie deren Coach Klaus Kämmerer betont. Dass es nur bei den beiden Toren von Chris Brucker und Thomas Leimbach blieb, lag am zahlreichen Fehlverhalten vor dem Tor. „Verstärkt bei uns, aber auch auf der anderen Seite.“ An den Abschlüssen hat man laut Kämmerer „gesehen, warum beide Teams absteigen werden“.
Für die kommende Kreisliga-A-Runde spricht vieles dafür, dass der Trainer weiterhin Kämmerer heißt. Es seien noch ein, zwei Dinge zu klären, bis Ende der Woche sollten diese erledigt sein. Konkret stünden noch Gespräche mit einigen Spielern aus, wobei bereits 16 aus dem Kader für die A-Liga zugesagt hätten. Einzig Miguel Accardi wird den Verein definitiv verlassen. Der Plan sieht zusätzlich vor, von außerhalb „personell drauf zu satteln“, sagt Kämmerer, um einen deutlich breiteren Kader als momentan zu haben.
Sportvg Feuerbach – ABV Stuttgart
Spätestens nach der aktuellen 0:4-Heimpleite gegen den ABV Stu ttgart stehen auch beim langjährigen Landes- sowie Bezirksligisten Sportvg Feuerbach die Zeichen endgültig auf Abstieg. Sinnbildlich dafür der Spielverlauf gegen den Tabellennachbarn, der seinerseits nur noch zwei Punkte vom Relegationsplatz und zwei vom rettenden Ufer entfernt ist. „Zwei, drei Chancen vergeben, der ABV trifft mit seiner ersten Möglichkeit und hat danach leichtes Spiel“, sagt Kai Marquardt, Spielleiter und Interimstrainer. Die Nummer ist durch; das weiß auch er, der für die Kreisliga A plant. Mit vier Trainerkandidaten wurde intensiv gesprochen, spätestens in zwei Wochen soll eine Entscheidung stehen. Das Anforderungsprofil des Neuen? Eine neue Mannschaft zu formen und Spielkultur zurückzubringen, betont Marquardt. Vom spielenden Personal hat bislang nur Amir Limani seinen Abschied zum FC Reka Stuttgart verkündet.
Für den ABV war es der siebte Sieg im neunten Spiel in 2025. Dennoch befinden sich die Degerlocher immer noch auf einem Abstiegsrang. Eine Tatsache, die den Kapitän und Torschützen Leon Pachonick und die Seinen aber nicht zu interessieren scheint. „Wir schauen von Spiel zu Spiel, liefern konstant unsere Leistung ab und klettern damit automatisch irgendwann auf einen Nichtabstiegsplatz“, sagt Pachonick selbstbewusst. Einen Wermutstropfen gab es bei dem zweiten 4:0-Erfolg in Serie. Fabio Friese verletzte sich am Sprunggelenk und droht mehrere Wochen auszufallen.
Die Statistik zum 27. Spieltag
TSV Münster – SC Stammheim 5:1. Tore: 1:0 Sholabomi (22.), 1:1 Rupp (22.), 2:1 Haller (25.), 3:1 Haller (59.), 4:1 Schwarz (68.), 5:1 Karakaya (76.). Besonderes: –
Spvgg Holzgerlingen – Croatia Stuttgart 4:0. Tore: 1:0 Hatt (37.), 2:0 Quaranta (62.), 3:0 Wohlbold (84.), 4:0 Horn (86.). Besonderes: Hamm (Holzgerlingen) schießt Foulelfmeter übers Tor (89.)
TSV Musberg – Spvgg Cannstatt 1:1. Tore: 0:1 Hasanaj (12.), 1:1 Kappeler (40.). Besonderes: –
SV Oberjesingen – TSV Rohr 0:2. Tore: 0:1 Brucker (13.), 0:2 Leimbach (50.). Besonderes: –
Sportvg Feuerbach – ABV Stuttgart 0:4. Tore: 0:1 Pachonick (25.), 0:2 Roth (27.), 0:3 Baumgartner (45.), 0:4 Neskic (63.). Besonderes: Pranjic (Feuerbach) schießt Handelfmeter neben das Tor (58.).
TSV Plattenhardt – VfL Oberjettingen 1:2. Tore: 0:1 Seeger (13.), 1:1 Hörz (16.), 1:2 Nico Flister (79.). Besonderes: Perhanidis (Plattenhardt) schießt Foulelfmeter übers Tor (30.)
Türkischer SV Herrenberg – VfL Herrenberg 1:3. Tore: 0:1 Abalioglu (16.), 1:1 Vural (33.), 1:2 Abalioglu (43.), 1:3 Özcan (88.). Besonderes: rote Karte für Muhammed Kilic (Türkischer SV Herrenberg, 90.+3/grobes Foulspiel)
SV Deckenpfronn – TV Echterdingen II 2:1. Tore: 0:1 Steyer (40.), 1:1 Wick (52.), 2:1 Wick (56.). Besonderes: –
SV Vaihingen – SV Bonlanden 3:0. Tore: 1:0 Schilling (37.), 2:0 Eisentraut (45.), 3:0 Krpan (76.). Besonderes: –