Der TSV Plattenhardt und sein Kapitän Özkahraman trennen sich. Im Spitzenspiel gelingt dennoch ein 4:1-Sieg. Derweil sorgt in der Stammheim-Partie eine kuriose Elfmeter-Szene für Aufregung, ragt ein Musberger heraus und feiert die Oldie-Truppe der Staffel ein Schützenfest.
Es ist ja eine der schönen und spannenden Seiten des Fußballs: Er ist immer wieder für Überraschungen gut. Da macht die Bezirksliga Stuttgart/Böblingen keine Ausnahme. Kleine Bestandsaufnahme nach dem 13. Spieltag: Wer hätte gedacht, dass die beiden Außenseiter TSV Musberg und Croatia Stuttgart von Sieg zu Sieg marschieren? Und wer hätte der Oldie-Truppe der Staffel ein aktuelles Sechs-Tore-Schützenfest zugetraut? Und wer hätte es für möglich gehalten, dass der TSV Plattenhardt auch ohne seinen vermeintlich mit Abstand wichtigsten Spieler seine Titelfavoritenrolle derart unterstreicht? Eben so ist es nun. Bereits vor der mit 4:1 eindrucksvoll gewonnenen Spitzenpartie gegen die Spvgg Cannstatt hat es im Kader der Filderstädter gescheppert. Ergebnis: Fatih Özkahraman, Kapitän und amtierender Torschützenkönig, ist mit sofortiger Wirkung raus.
TSV Plattenhardt – Spvgg Cannstatt
Wie berichtet war es beim Tabellenführer bereits am Wochenende zuvor zu einem Eklat gekommen. Özkahraman und sein Angriffsteamkollege Aristidis Perhanidis waren sich in die Haare geraten, was in einer handgreiflichen Auseinandersetzung in der Kabine gipfelte. Nun ist das Nachbeben gefolgt. Özkahraman und der Verein haben sich auf eine Beendigung ihrer Zusammenarbeit verständigt. Der Vertrag wird aufgelöst. Gar nicht so sehr wegen des aktuellen Vorfalls, wie beide Seiten betonen. Doch bedeutete jener offenbar den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Das eigentliche Problem: Zwischen dem seit September amtierenden neuen Trainer Slobodan Markovic und seinem Kapitän hatte es zunehmend geknirscht. „Für alle eine ein bisschen blöde Geschichte: Aber wenn die zwei wichtigsten Personen nicht miteinander können, wird es halt schwierig“, sagt der Abteilungsleiter Sascha Krammer. Özkahraman selbst spricht von Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich und moniert eine mangelnde Kommunikation. Kurzum: Zuletzt habe es ihm „nicht mehr so richtig Spaß gemacht“. Für ihn in der Summe zu wenig, um noch drei- bis viermal pro Woche die knapp 40 Kilometer Fahrtweg von seinem Wohnort Lichtenwald auf sich zu nehmen.
Somit also der jetzige Schlussstrich. Und somit die Folge, dass die Plattenhardter ihre namhafteste Führungsfigur sowie ihren Topscorer der vergangenen Saison verlieren. Freilich, an den ersten acht Spieltagen der aktuellen Runde hatte Özkahraman auch schon gefehlt, in diesem Fall verletzungsbedingt. In die erste Elf war der Routinier erst vor zwei Wochen zurückgekehrt. Und fest steht für Krammer spätestens seit diesem Sonntag: „Wir sind auch so gut unterwegs – die anderen performen ebenfalls gut.“ Bewiesen beim erwähnten 4:1 gegen die Spvgg Cannstatt. Bei dem wurden zwei Doppeltorschützen zu den Matchwinnern. Zum einen Kevin Pein. Zum anderen: just der jüngste Özkahraman-Streitrivale, Perhanidis. Jener erhöhte sein Saisontrefferkonto mit zwei satten Schüssen auf bereits elf.
In der Summe mag auch der Gästetrainer Andreas Contino am Ergebnis nichts deuteln. „Es war der erste Gegner in dieser Saison, gegen den wir wirklich arbeiten mussten“, sagt er – „spielerisch eine Topmannschaft.“ Das eigene 3:8-Debakel in Oberjettingen klammert er bei dieser Bilanz mal aus. Damals sei es allein eine Einstellungssache gewesen. Diesmal stimmte selbige, reichte es aber trotzdem nur zur anfänglichen Blitzführung durch Marco Schulz. In Abwesenheit der urlaubenden Eckpfeiler Marcel Avdic und Pascal Geidies musste Contino dann nach der Pause mit ansehen, wie die eigenen Hoffnungen zerstoben. Auch, weil Mehmet Karakus und Claudio Caruso bei zwei Großchancen am Plattenhardter Torhüter Kristian Grbic scheiterten. „Überragende Paraden“, sagt Contino, für dessen Team am Ende nach zuletzt sieben Siegen am Stück erstmals wieder eine Niederlage stand.
Sportvg Feuerbach – TSV Musberg
Als größter Serientäter macht nun der TSV Musberg Konkurrenz. Dessen Zähler steht aus den vergangenen acht Partien gleichfalls bei sieben Siegen und nur einer Niederlage. Der Unterschied: Anders als bei den Cannstattern wäre man wohl als Ahnungsloser belächelt worden, hätte man den Kickern vom Turnerweg in der neuen Liga einen solchen Höhenflug prophezeit. Jedoch: „Wir haben uns spielerisch weiterentwickelt. Und wenn man dann mal einen Lauf hat, kommt das Selbstvertrauen hinzu“, sagt Denis Kühnle, der zusammen mit Dominik Mayer ein Trainerduo bildet.
Oder es schwindet, wenn besagter Run in die andere Richtung geht. Siehe aktueller Gegner, die Sportvg Feuerbach. Jene tritt sich nach dem aktuellen 0:3, dito entgegen der ursprünglichen Erwartungen, immer mehr in der Abstiegszone fest. Bezwungen wurden die Nord-Stuttgarter am Sonntag mehr oder weniger von einem Mann: Marius Nita war der herausragende Musberger Akteur, unter anderem mit einem Tor und einer Torvorlage. Während der Youngster bis zu seiner Auswechslung 77 Minuten lang Gas gab, ächzt der Feuerbacher Coach Rocco Cesarano: „Ernüchternd und aktivitätslos von uns.“ Sein Zeugnis: „Schulnote mangelhaft.“ Ausgenommen allenfalls zwei, drei Spieler, darunter sein Jüngster. Der 18-jährige Darwan Hassan, Aufrücker aus der eigenen A-Jugend, durfte erstmals von Beginn an ran.
SV Bonlanden – Croatia Stuttgart
Die Musberger dagegen sind nun bereits Vierter, im tabellarischen Schlepptau eine weitere Mannschaft der Stunde, den Aufsteiger Croatia Stuttgart. Auch jener kann sich über ein Auswärts-3:0 freuen, nämlich beim SV Bonlanden. Und das nicht zu Unrecht, wie Carmine Napolitano sagt: „Die haben die Punkte nicht geklaut, sie stehen zu recht oben.“ Für den Bonlandener Neu-Coach war es in Spiel zwei nun die erste Niederlage. Auch, weil Croatia unheimlich clever agiere und über individuelle Klasse verfüge, die in Summe schwer auszuschalten sei. Den Neun-Tore-Mann Duje Tokic habe man zwar im Griff gehabt, aber „dann sorgen eben andere für Impulse“, sagt Napolitano.
Sein Gegenüber Mirko Sapina lobt indes den Teamgeist seiner kleinen Belegschaft. „Der Kader ist mit 15, 16 Akteuren dünn, da muss der Zusammenhalt passen, und das wird immer besser.“ Und seine Akteure würden sich nicht aus der Ordnung bringen lassen. Gegen Bonlanden sei es ein Geduldsspiel gewesen, bis Dominik Kajinic in der 63. Minute zum Dosenöffner wurde. Philipp Hodak und Gabriel Kolar legten noch drauf. Am Donnerstag (19.30 Uhr) haben die Kroaten nun bereits die nächste Punktemöglichkeit. Zum Nachholspiel kommt der TSV Rohr auf die Anlage in Feuerbach.
Türkischer SV Herrenberg – TSV Rohr
Besagter TSV Rohr wartet einstweilen mit einem Frustlöser auf. Nach zuletzt 14 Gegentoren in zwei Spielen feierten die Grün-Weißen im Kellerduell beim Türkischen SV Herrenberg ein 6:1-Schützenfest. Dabei reichten furiose 30 erste Minuten, um zu verdeutlichen, dass es auch im Fußball sein kann wie mit dem Wein: je älter, desto besser. Ins Rennen schickte der Trainer Klaus Kämmerer ein Oldie-Team mit sieben Ü-30-Spielern. Genauer gesagt: Bei zwei von ihnen, Giampiero Lapeschi (45) und Denis Antonov (41), steht sogar schon ein Vierer vorn. Im Vergleich dazu kommt der Nummer-eins-Schütze der Begegnung jung daher: Ismail Seker, schlappe 36, steuerte einen Hattrick bei.
„Wenn wie zuletzt die Ergebnisse nicht stimmen, dann braucht man eben Erfahrung auf dem Platz“, kommentiert Kämmerer seine Personalauswahl – und relativiert das Resultat. Zur Wahrheit gehört auch: Der außer Seker beste Rohrer stand im Tor. David Cantarero Rubio hielt glänzend, unter anderem einen Elfmeter. Einziges Ärgernis: Am Ende sah Azez Koriesh nach einem Gerangel um den Ball Gelb-Rot. „Völlig überzogen vom Schiedsrichter“, grantelt Kämmerer.
SV Vaihingen – VfL Herrenberg
Anders sind da die Sorgen des Ortsnachbarn SV Vaihingen gelagert. Jene beziehen sich gerade weniger auf Unparteiischen-Pfiffe oder eigene Leistungen – Letztere stimmte für den Trainer Jeremiah Geywitz auch beim 1:1 im Verfolgerduell mit dem VfL Herrenberg. „Unser Auftritt hat mir gut gefallen. Für die drei Punkte hat nur ein Quäntchen gefehlt“, sagt er. Oder ein paar Zentimeter. Bei der größten Siegtorgelegenheit landete Marco Wanes’ Versuch am Pfosten.
Aber, was zu schaffen machte und macht: Ihre Heimspiele müssen die Vaihinger auf einem zunehmenden Acker absolvieren. Naturrasen, tiefer Boden, schlecht für alle spielerischen Ambitionen. Die eigentliche Wirkungsstätte für diese Jahreszeit, der Kunstplatz im Schwarzbachstadion, wird gerade erneuert. Bauarbeit-Ende noch offen. So wurde es auch für den Kapitän Max Schilling ein anstrengendes Comeback. Er hatte nach Hochzeit und Hochzeitsreise in den vergangenen sechs Wochen gefehlt.
Die zwischenzeitliche Führung markierte David Hug aus einem ruhenden Ball, per Strafstoß nach Foul an Jonathan Stehle, in dieser Situation also ohne Holpergefahr.
TSV Münster – TV Echterdingen II
Ebenfalls 1:1 unentschieden trennten sich der TSV Münster und der TV Echterdingen II, womit die Gastgeber ihren Ruf als Abwehrmacht festigen. Zugelassen haben sie in dieser Saison erst 16 Gegentore – nur der Spitzenreiter Plattenhardt kommt auf weniger. Dementsprechend sagt der Trainer Stefan Schuon: „Hinten solide und vorne ausbaufähig.“ Denn zugleich durfte sein Team bislang nur 16 Tore bejubeln, eines mehr als das abgeschlagene Schlusslicht Stammheim. Gegen Echterdingen hätten sich auch wenige Chancen ergeben, weshalb das Resultat in Ordnung gehe. In der ersten Hälfte war aus Schuons Sicht der Gegner besser, in der zweiten „waren wir am Drücker“. Mit Erfolg. Dem eigentlichen Verteidiger Marco Kreidl gelang per Foulelfmeter der Ausgleich. Zur Gäste-Führung hatte einmal mehr der Sommerzugang Dorde Smiljic getroffen. Der Stürmer aus der Reutlinger U 19 hat bereits zehnmal eingenetzt.
Bitterer Beigeschmack für den Echterdinger Trainer Martin Kittelberger: „Der Elfmeter gegen uns war keiner, vielmehr ein Foul an unserem Akteur Jakob Wörne.“
SV Deckenpfronn – ABV Stuttgart
Am torreichsten ging es derweil beim 4:4 des ABV Stuttgart in Deckenpfronn zu. Dabei war laut dem Co-Trainer Alexander Schreck überhaupt vieles intensiv. Zum einen der ungewöhnlich große, aber auch tiefe Rasenplatz, der „uns viel Körperliches abverlangt hat“, so Schreck. Zum anderen die ersten 16 Minuten, in denen gleich fünf Tore fielen. Die Heimelf führte bis dahin mit 3:2, für die Degerlocher Gäste trafen Robin Köperle per Foulelfmeter sowie Jan Bzullak. Bis zum Ende der Partie ging es ruhiger zu, doch der ABV-Premieren-Torhüter Willi Saubert musste noch einmal hinter sich greifen. Der 20-jährige Neuzugang war bis zum vergangenen Spieltag gesperrt, nachdem man sich mit seinem alten Club GSV Maichingen über die Wechselmodalitäten nicht einig geworden war. Zwischenzeitlich hüteten Christopher Smith, Bastian Hinterkopf und Elias Aisenbrey das Gehäuse. Damit Sauberts Debüt wenigstens zum Teilerfolg wurde, dafür sorgten der Kapitän Leon Pachonick und erneut Bzullak mit ihren Toren zum Endstand.
SV Oberjesingen – SC Stammheim
Nichts Neues hingegen vom Schlusslicht SC Stammheim. Im 13. Spiel gab es die 13. Niederlage, mit einem 1:5 beim Tabellennachbarn SV Oberjesingen. Und dies, obwohl die Gastgeber mit dem Einnetzen beziehungsweise dem Netz so ihre Probleme hatten. Was ist passiert? Tim Rauscher verwandelte einen Elfmeter zum vermeintlichen 3:0. Doch Pustekuchen. Der Schiedsrichter entschied auf Abstoß, nachdem die Kugel durch ein Loch im Netz hinters Gehäuse gezischt war. „Der Ball war klar im Tor“, sagt Oberjesingens sportlicher Leiter Sascha Deckers.
Die Statistik zum 13. Spieltag
Sportvg Feuerbach – TSV Musberg 0:3. Tore: 0:1 Lukas Zug (34.), 0:2 Nita (57.), 0:3 Rath (71.). Besonderes: –
SV Oberjesingen – SC Stammheim 5:1. Tore: 1:0 Ramadani (15.), 2:0 Noll (46., Foulelfmeter), 2:1 Tuzi (60.), 3:1 Baumeister (70.), 4:1 Noll (79.), 5:1 Semirano (90.). Besonderes: Rauscher (Oberjesingen) schießt Foulelfmeter nach Schiedsrichter-Beobachtung am Tor vorbei (59.)
SV Bonlanden – Croatia Stuttgart 0:3. Tore: 0:1 Kajinic (63.), 0:2 Hodak (70.), 0:3 Kolar (89.). Besonderes: –
TSV Münster – TV Echterdingen II 1:1. Tore: 0:1 Smiljic (29.), 1:1 Kreidl (70., Foulelfmeter). Besonderes: –
SV Vaihingen – VfL Herrenberg 1:1. Tore: 1:0 Hug (17., Foulelfmeter), 1:1 Franguere (40.). Besonderes: –
Spvgg Holzgerlingen – SV Oberjettingen 6:2. Tore: 0:1 Flister (10.), 1:1 Hamm (29.), 2:1 Quaranta (33.), 3:1 Hörmann (47.), 3:2 Kravoscanec (51.), 4:2 Hamm (71.), 5:2 Hamann (87.), 6:2 Wolfer (90., Eigentor). Besonderes: –
SV Deckenpfronn – ABV Stuttgart 4:4. Tore: 1:0 Mergel (3.), 1:1 Köberle (6., Foulelfmeter), 1:2 Bzullak (7.), 2:2 Wunsch (11.), 3:2 Wick (16.), 3:3 Pachonick (53.), 4:3 Wunsch (68.), 4:4 Bzullak (70.). Besonderes: –
Türkischer SV Herrenberg – TSV Rohr 1:6. Tore: 0:1 Koriesh (15.), 0:2 Seker (17.), 0:3 Seker (41.), 0:4 Seker (45.+2), 1:4 Muhammed Kilic (77.), 1:5 Petri (88.), 1:6 Jochim (90., Foulelfmeter). Besonderes: Cantarero Rubio (Rohr) wehrt Foulelfmeter von Köse ab (32.); Gelb-Rot für Koriesh (Rohr, 90.+1)
TSV Plattenhardt – Spvgg Cannstatt 4:1. Tore: 0:1 Schulz (2.), 1:1 Perhanidis (40.), 2:1 Perhanidis (47.), 3:1 Pein (72.), 4:1 Pein (82.). Besonderes: –