Am Maifeiertag-Spieltag gibt es in der Staffel zwei große Gewinner: Plattenhardt und Musberg. Derweil trifft ein Bonlandener mit Krankenhaus-Umweg und muss Croatia Stuttgart bis auf Weiteres auf seine zwei wichtigsten Spieler verzichten.
44 Tore, vier Platzverweise und zwei große Gewinner – die Mannschaften der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen haben es am Tag der Arbeit ordentlich krachen lassen. Mit der Mai-Sonne strahlten am Ende vor allem der TSV Plattenhardt und der TSV Musberg. Während der zuletzt schwächelnde Tabellenführer in die Erfolgsspur zurückfand und zugleich von Ausrutschern seiner beiden schärfsten Verfolger profitierte, wartete der Fildernachbar im Abstiegsschlüsselspiel mit einer rekordverdächtigen Statistik auf.
TSV Plattenhardt – SV Deckenpfronn
Gemeinsamkeit im Weilerhau und am Turnerweg: Beim Abpfiff war die Freude groß, ebenso aber die Erleichterung, wobei sich aufseiten des TSV Plattenhardt zuvorderst einer auf die Schultern klopfen lassen durfte. Dort hieß der Mann des Tages Aristidis Perhanidis. Mit einem Toredoppelpack zum 2:0 gegen den SV Deckenpfronn beendete der Angreifer nicht nur die Ergebniskrise der Seinen, sondern auch eine Serie des Gegners. Die Gäste hatten seit Dezember kein Spiel mehr verloren. In der Rückrundentabelle belegen sie nach wie vor den ersten Platz. „Ein sehr, sehr wichtiger Sieg“, findet der Trainer Slobodan Markovic auch vor diesem Hintergrund. Gestärkt sei damit das Selbstvertrauen, das zuletzt gelitten hatte. Nicht nur das: ebenso die eigene Position im Klassement. Dank der gleichzeitigen Patzer der Aufstiegskonkurrenten Holzgerlingen und Cannstatt führt der Titelfavorit nun wieder mit fünf respektive sieben Punkten Vorsprung.
Markovics wichtigste Erkenntnis, die neuen Mut für den Saisonendspurt macht: Unter dem gestiegenen Druck ist die Mannschaft nicht eingeknickt, sie hat geliefert. Defensiv und offensiv. Während den Coach hinten das erste „zu Null“ seit vier Wochen „glücklich macht“, setzte vorne wie erwähnt Perhanidis die Highlights. Erst drosch der 30-Jährige einen Freistoß aus 30 Metern ins Netz, dann behielt er nach einem Chipball von Emre Göcer im Eins-gegen-Eins mit dem Keeper kühlen Kopf.
Spvgg Cannstatt – SV Bonlanden
Köpfchen war es indes auch, was dem Tabellendritten Spvgg Cannstatt im Heimspiel gegen den SV Bonlanden immerhin noch ein 1:1-Unentschieden rettete. Bereits tief in der Nachspielzeit hielt Michael Ziegler nach einer Freistoßflanke seines Teamkollegen Fabian Ipowitz den Schädel hin. Der Ausgleich auf den letzten Drücker. So wurde eine Begegnung, die der Gastgeber-Trainer Christopher Eisenhardt über weite Strecken als „Fußballschach“ empfand, in der Schlussphase doch noch zum Aufreger. 86 Spielminuten lang hatte sich vor beiden Toren wenig getan. Dann hatten die Gäste einen Fehlgriff des Cannstatter Keepers Arjanit Januzi prompt bestraft. Der Winter-Neuzugang, dem Eisenhardt im Zuge der Rotation diesmal wieder den Vorzug vor Robin Spajic gab, ließ einen Flankenball fallen, und Bonlandens Giancarlo Pinna staubte ab.
Zu diesem Zeitpunkt sah es dann so aus, als sollte ein Altbekannter den Cannstattern das sogar ganz große Schnippchen schlagen. Ausgerechnet der Ex! Ausgerechnet der Eisenhardt-Vorvorgänger Carmine Napolitano. Für den Coach war es die erste Rückkehr an seine einstige Erfolgsstätte. Eine „mit einem komischen Gefühl“, wie er selber sagt. Zur Erinnerung: Viereinhalb Jahre war er bei den Neckarstädtern im Amt gewesen – bis er kurz vor dem Beginn dieser Saison wegen Differenzen mit Teilen der Mannschaft das Handtuch warf. Dem Vernehmen nach soll er sich vor allem mit dem Torjäger Behar Hasanaj in die Haare geraten sein.
Heute? „Von 99 Prozent war es ein herzlicher Empfang. Ich hege keinen Groll mehr“, sagt Napolitano, dessen aktuelle Elf zwei aufstellungstechnische Nackenschläge wegsteckte. Der eigene Topscorer Agonis Berisha (Leistenprobleme) fiel ebenso kurzfristig aus wie zunächst Pinna. Der Ex-Profi musste wegen eines medizinischen Notfalls im familiären Umfeld einen Abstecher ins Krankenhaus einlegen, ehe er erst zur zweiten Hälfte auf dem Sportplatz eintrudelte.
SV Oberjesingen – SV Vaihingen
Andere hatten da ihr torreiches Tagwerk bereits weitgehend verrichtet. Beispiel eins: SV Vaihingen. Jener klettert mit einem 4:1-Auswärtssieg beim SV Oberjesingen auf Rang vier. Fabijan Krpan steuerte seine Saisontore Nummer 33 und 34 bei. Allmählich darf gerechnet werden: Knackt der Youngster am Ende gar noch den Stuttgarter Bezirksliga-Rekord? Der steht bei 46 Treffern von Adnan Akcan (NAFI Stuttgart) aus dem Spieljahr 2015/2016.
Einziger Wermutstropfen für die Gäste: Der eingewechselte Filipe Jesus Ferreira sah kurz vor Schluss Rot, nachdem er mit hohem Bein statt des Balls seinen Gegenspieler erwischt hatte. „Unglücklich, bei weitem nicht bösartig“, sagt sein Trainer Jeremiah Geywitz – „eine harte Entscheidung“.
TSV Musberg – TSV Münster
Beispiel zwei in puncto flotter Trefferlaune: der TSV Musberg. Dem, keine Frage, gelang der Ausrufezeichensieg des Donnerstags. Und das in doppelter Hinsicht. Zum einen wegen des Resultats. Wer hätte im vermeintlichen Abstiegskrimi gegen den TSV Münster an ein 6:2 geglaubt? Zum anderen: Wann hat eine Mannschaft schon einmal fünf Treffer innerhalb von nur elf Minuten erzielt? Eben so geschah es am Turnerweg in Hälfte eins. Die Weißen im Torrausch. „Die Jungs haben die Aufgabe bravourös gemeistert. Sie haben alles reingeworfen“, sagt der Trainer Denis Kühnle.
Sonderlob dabei an Marius Nita. Der 20-Jährige schwang sich nach zähem Beginn der Seinen zum Türöffner auf. Einmal legte er stark auf und einmal zog er satt von der Strafraumgrenze ab, womit die Party startete. Oder, je nach Blickwinkel: das Debakel. Für die Gäste stand unter dem Strich ihre gegentorreichste Punktspielniederlage seit dreieinhalb Jahren (damals ebenfalls 2:6 bei SKG Botnang), flankiert von einem kopfschüttelnden Trainer. Allerdings weniger ob der Leistung des eigenen Teams. „Vier Musberger Tore waren äußerst fragwürdig“, merkt der Kühnle-Gegenüber Andreas Contino schmallippig an, um nicht zu sagen: aus seiner Sicht irregulär. Continos Rechnung: „Zweimal Abseits, einmal war der Ball gar nicht hinter der Linie, einmal ein geschenkter Elfmeter. 70 Minuten des Spiels haben wir dominiert.“ Zu allem Überfluss sah Ferid Schauki Djelassi auch noch wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot.
Dass die Meinungen bei den Einschätzungen auseinander gingen? Nun, Fakt ist: Im Kampf um den sicheren elften Rang sind die Musberger nun drei Punkte plus die klar bessere Tordifferenz voraus – und haben vom Papier her das leichtere Restprogramm.
ABV Stuttgart – TV Echterdingen II
Zugabe für die Musberger: Im ABV Stuttgart ließ ein weiterer ihrer unmittelbaren Konkurrenten Federn. Das 1:2 der Degerlocher gegen den TV Echterdingen II bedeutete das Ende zweier Leistungstrends. Für die Gastgeber ist es ein Dämpfer in ihrer Aufholjagd der vergangenen Wochen, für die Gäste ein Durchatmen nach zuletzt drei Punkteleerläufen. Der formstarke Sutpaseat Inthasane netzte zum Echterdinger Siegtor ein, nach „überragender Vorarbeit“ von Ziad Masoud, wie der Trainer Martin Kittelberger konstatiert. Oder wie der ABV-Kapitän Leon Pachonick lobend über Masoud sagt: „Der hat in dieser Liga nichts verloren.“ Die Seinen aber sehr wohl. „Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können; ein Punkt wäre verdient gewesen“, findet Pachonick.
Derweil spricht Kittelberger von einem verdienten Sieg seiner Elf. Auch deshalb, weil sich die Leistungsträger Johannes Kienzle und Jakob Wörne früh verletzten und gegen Ende fünf A-Jugendliche auf dem Platz standen. Und das Jugend-forscht-Programm geht für die (noch) Verbandsliga-Reserve weiter. Aus der A-Jugend des SV Vaihingen wurde Ivan Cosic verpflichtet, den Kittelberger bereits bei den Bambini trainiert hat.
Sportvg Feuerbach – Spvgg Holzgerlingen
Indes gleich mehrere schwarze Serien gingen am Maifeiertag für die Sportvg Feuerbach zu Ende. Der überraschende 2:0-Heimerfolg gegen den Tabellenzweiten Spvgg Holzgerlingen bedeutet den ersten Dreier seit dem 23. November – damals 2:1 gegen den Klassenprimus Plattenhardt – und den ersten Ertrag nach vier Niederlagen hintereinander. Zudem ist es für das Interimstrainerduo Jochen Weber/Kai Marquardt im siebten Spiel der erste Sieg. Tayfun Inal und Hollyfild Bokilo sorgten für die Jubelmomente und bei Marquardt für eine Überzeugung: „Hätten wir die anderen Spiele nur halb so gut wie dieses bestritten, würden wir nicht absteigen.“In Sachen Trainer für die höchst wahrscheinliche Kreisliga A seien noch drei Kandidaten in der Verlosung.
Croatia Stuttgart – TSV Rohr
Überraschung Nummer zwei lieferte Feuerbachs Tabellennachbar TSV Rohr mit einem 5:1-Sieg über Croatia Stuttgart, wobei freilich auch der keine Hoffnungen auf den Klassenverbleib mehr nährt. Aber immerhin sehe man, was die Truppe leisten könne, wenn der Kader vollständiger sei, sagt der Trainer Klaus Kämmerer, der nach dem nächsten Heimspiel an diesem Sonntag gegen Feuerbach bekannt geben will, ob er weitermacht oder nicht. Einstweilen ragte der dreifache Torschütze Thomas Leimbach heraus.
Frust derweil bei Kämmerers Gegenüber Mirko Sapina. Aber nicht nur wegen der dritten Niederlage mit vier Toren Unterschied in Serie. Vielmehr ärgert er sich schon die ganze Saison über die dünne Spielerdecke beziehungsweise die Einstellung einiger Akteure. Aufgrund von Osterurlaubern, Schichtdienstlern und Verletzten habe man in den vergangenen drei Wochen nur einmal trainiert, hadert Sapina. Zudem habe am Maifeiertag manch einer abgewunken. Die Devise: lieber Grillen als Fußballspielen. Der personelle Engpass wird aber noch enger. Die Leistungsträger Mario Mamusa (grobes Foulspiel) und Duje Tokic (Schiedsrichterbeleidigung) sahen aktuell die Rote Karte.
Türkischer SV Herrenberg – SC Stammheim
Bleibt noch der SC Stammheim. Für den gilt: 28 Saisonspiel, 28. Niederlage – mit einem 0:12 beim Türkischen SV Herrenberg die zweithöchste Klatsche der Runde. Das Schlusslicht brach wie häufig nach dem Wechsel ein. Zur Pause stand es noch nur 0:3. Außer den Nord-Stuttgartern steht seit diesem Spieltag auch der SV Oberjesingen selbst rein rechnerisch als Absteiger fest. Vier weitere Teams wird es treffen. Eine heuer verschärfte Regelung, weil die Staffel zur nächsten Saison wieder auf 16 Mannschaften reduziert werden soll.
Die Statistik zum 28. Spieltag
VfL Oberjettingen – VfL Herrenberg 2:2. Tore: 0:1 Franke (1.), 0:2 Franke (24.), 1:2 Lucas Flister (77.), 2:2 Maser (85.). Besonderes: Lemberg (Herrenberg) wehrt Foulelfmeter von Seeger ab (40.)
ABV Stuttgart – TV Echterdingen II 1:2. Tore: 0:1 Steyer (19., Foulelfmeter), 1:1 Omoregie (68.), 1:2 Inthasane (73.). Besonderes: –
Türkischer SV Herrenberg – SC Stammheim 12:0. Tore: 1:0 Miftar (8.), 2:0 Miftar (20.), 3:0 Ömer Kilic (34.), 4:0 Oguz Yük-sel (49.), 5:0 Lukic (60.), 6:0 Miftar (63.), 7:0 Oguz Yüksel (65.), 8:0 Ömer Kilic (71., Foulelfmeter), 9:0 Lukic (76.), 10:0 Lukic (78.), 11:0 Oguz Yüksel (82.), 12:0 Intemperante (84.). Besonderes: –
TSV Rohr – Croatia Stuttgart 5:1. Tore: 1:0 Leimbach (4.), 1:1 Bungic (27.), 2:1 Leimbach (43.), 3:1 Leimbach (52.), 4:1 Malchow (88.), 5:1 Seker (90.+2). Besonderes: rote Karte für Mamusa (Croatia, 30./grobes Foulspiel) und Duje Tokic (Croatia, 76./Schiedsrichterbeleidigung)
Spvgg Cannstatt – SV Bonlanden 1:1. Tore: 0:1 Pinna (86.), 1:1 Ziegler (90.+4). Besonderes: –
TSV Musberg – TSV Münster 6:2. Tore: 1:0 Elischa Zug (27.), 2:0 Nita (30.), 3:0 Lukas Zug (31.), 4:0 Müller (35.), 5:0 Zschorsch (37.), 5:1 Weiß (44.), 5:2 Schwarz (55.), 6:2 Jum-bam (83., Foulelfmeter). Besonderes: Gelb-Rot für Ferid Schauki Djelassi (Münster, 64.)
SV Oberjesingen – SV Vaihingen 1:4. Tore: 0:1 Schilling (10.), 0:2 Krpan (25.), 0:3 Dürr (45.), 0:4 Krpan (76.), 1:4 Dudas (82.). Besonderes: rote Karte für Ferreira (Vaihingen, 90./grobes Foulspiel)
Sportvg Feuerbach – Spvgg Holzgerlingen 2:0. Tore: 1:0 Inal (77.), 2:0 Bokilo (86.). Besonderes: –
TSV Plattenhardt – SV Deckenpfronn 2:0. Tore: 1:0 Perhanidis (22.), 2:0 Perhanidis (78.). Besonderes: –