Giancarlo Pinna, hier noch im Trikot des vormaligen Oberligisten FSV Salmrohr, spielt nun für den SV Bonlanden. Foto: imago/Jan Huebner/Mohr

Teil drei unserer Rückrunden-Vorschau. Heute: der SV Bonlanden, der TV Echterdingen II und der TSV Musberg.

Schluss mit Winterpause. Der Countdown läuft. Am nächsten Wochenende steht in der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen der erste komplette Spieltag des Kalenderjahrs auf dem Programm. Bis dahin blicken wir auf die Ausgangslage der beteiligten Mannschaften. Im heutigen dritten Teil: der SV Bonlanden, der TV Echterdingen II und der TSV Musberg – von denen einer mit einem Ex-Erstliga-Profi als Neuzugang aufhorchen lässt.

 

SV Bonlanden

Es gibt so Tage, die man am liebsten für immer aus dem Gedächtnis streichen würde. Der vergangene Mittwoch gehört für Carmine Napolitano definitiv dazu. Erst musste der Trainer im Eindhovener Philips-Stadion live miterleben, wie sein Lieblingsclub Juventus Turin überraschend aus der Champions League flog. Dann, am späteren Abend, folgte die Zugabe: Der Coach erfuhr, dass sein eigenes Team des SV Bonlanden gleichzeitig im Testspiel ebenfalls verloren hatte – in Weilimdorf mit sage und schreibe 0:10.

Prost, Mahlzeit also. Und zugleich läutende Alarmglocken vor dem Ligawiederbeginn? Irrtum. Napolitanos Devise lautet: „Schnell vergessen und abhaken.“ „Wir verfallen deswegen nicht in Depressionen“, fügt er bestimmt an. Zumal: Es war zuletzt in der Tat nur dieser eine einzelne schwarze Tag. Einiges andere gestaltet sich beim in der jüngeren Vergangenheit von mehreren internen Krisen gebeutelten Ex-Oberligisten gerade um so viel versprechender. Und in puncto Transferaktivitäten, so viel steht jetzt schon fest, haben die Filderstädter gar das mit dickste Ausrufezeichen dieses Winters gesetzt. Wer sonst könnte mit der Verpflichtung eines ehemaligen Erstliga-Profis aufwarten?

Giancarlo Pinna – so heißt der Neue. Ein Name, bei dem es bei manch einem im Bezirk klingeln mag. Seine Karriere startete der heute 35-Jährige einst bei der Spvgg Stuttgart-Ost. Sein damaliger Coach: Napolitano. Gefolgt sind Stationen unter anderem in der Regionalliga beim SV Waldhof Mannheim und FC Homburg sowie drei Jahre als Profi in der ersten Liga Luxemburgs, Europapokal-Qualifikationsspiele inklusive. Zuletzt musste Pinna wegen eines Muskelbündelrisses für mehrere Monate pausieren, ehe er beschlossen hat, es nun zurück in der Heimat fußballerisch auf Hobbyniveau ausklingen zu lassen. Bonlandener Glück, dass er sich bei seiner Suche nach einem passenden Verein an seinen früheren Förderer Napolitano erinnerte.

Für Letzteren ist mit Blick auf seinen unverhofften Einsteiger klar: „Wenn er fit ist, wird er bei uns eine wichtige Rolle spielen.“ Ob im zentralen Mittelfeld oder der Innenverteidigung, will Napolitano erst noch entscheiden. Hinzugenommen den zweiten aktuellen Neuen, den Rückkehrer Marco Caruso (29, Mittelfeld, vom FV Neuhausen), sieht der Coach die Seinen personell überhaupt gut aufgestellt. Höherklassig erprobte individuelle Klasse beinhaltete der Kader ja auch bislang schon. Beispiel Jonathan Baur, Luca Wiedmann, Dennis Adam oder Agonis Berisha. Jener hat mit seinen elf Hinrundentreffern die Lücke geschlossen, die durch den Langzeitausfall von Nils Große Scharmann (Schambeinentzündung) entstanden war. Der vormalige Topscorer hat auf ärztliches Anraten inzwischen ganz mit Fußball aufgehört. Ein Comebackversuch in diesem Januar war mit prompt erneuten Beschwerden schnell geendet.

Weiter im Aufschwung? Der Bonlandener Trainer Carmine Napolitano. Foto: Günter Bergmann

In der Summe scheint an der Humboldtstraße gleichwohl der Weg bereitet, an den Aufschwung noch vom alten Jahr anzuknüpfen. Aus ihren fünf niederlagenlosen letzten Spielen 2024 hatten die Bonlandener elf von 15 möglichen Punkten geholt – wonach es zur Abstiegszone nun immerhin ein Polster von fünf Zählern ist. Zweckmäßige Tiefstapelei dürfte dabei sein, wenn der im Oktober als Mario-Kienle-Nachfolger geholte Napolitano sagt: „Primäres Ziel bleibt es, nicht abzusteigen.“ Im selben Atemzug betont er: „Ich habe schon immer ungern um Platz acht oder neun gespielt. Mein Maßstab war es stets, vorne dabei zu sein.“ Dies dann spätestens in der nächsten Saison. Ungeachtet einstweilen einzelner schwarzer Tage.

0:10? Ernsthaft? „Lassen Sie uns nicht mehr darüber reden“, sagt Napolitano und lacht.

TV Echterdingen II

Preisfrage: Wer hat in der Staffel nach dem Spitzenreiter Plattenhardt die bislang wenigsten Saisonniederlagen? Die Antwort überrascht: der Aufsteiger TV Echterdingen II. 18 Spiele, und nur dreimal zogen die Gelb-Schwarzen den Kürzeren (eben gegen Plattenhardt sowie in Holzgerlingen und gegen Vaihingen). Eine bemerkenswerte Bilanz, zu der auch der Zwischenbericht des Trainers Martin Kittelberger passt. „Die Hinrunde hat uns sehr viel Spaß gemacht“, sagt der Coach, der in einem Gespann zusammen mit Markus Müller und Christian Schuldt die Verantwortung trägt. Anders ausgedrückt: Die Echterdinger sind mit ihrer Jugend-forsch-Truppe in der für sie neuen Liga auf den Geschmack gekommen. Mit „viel Bock“ und mit Optimismus, so Kittelberger, gehe es nun auch in Saisonphase zwei. Rockt der Klassenneuling also weiter das Starterfeld? Nicht auszudenken, wo er in der Tabelle gar stehen könnte, hätte er eine Reihe enger Partien, wie durchaus möglich, auch noch zu seinen Gunsten gekippt. Achtmal spielten Kittelbergers Kicker als aktueller Siebter remis und erwarben sich damit den Ruf der Unentschieden-Könige.

Orientierungsmarke bleibt für Kittelberger freilich der imaginäre Strich zur Abstiegszone. „Punkten, um den Abstand nach hinten zu halten“, nennt er als vorrangiges Ziel. In ihrem zweiten Vorhaben, Talente an die eigene erste Mannschaft heranzuführen, ist die Verbandsliga-Reserve aus den Goldäckern dabei ebenso gut unterwegs. Der Innenverteidiger Leo Milutinovic hat bereits im Herbst den internen Sprung nach oben geschafft. Und der Torjäger Dorde Smiljic, mit 15 Toren Hinrunden-Senkrechtstarter, könnte als Nächster folgen. Die jetzige Wintervorbereitung hat er bereits bei der „Ersten“ bestritten. „Im Kader bleibt er vorerst bei uns“, erläutert Kittelberger – wie oft der 19-Jährige dann tatsächlich in welchem der beiden Echterdinger Spieltagsaufgebote stehen wird, muss sich zeigen.

Neu dabei sind indes der Lette Renats Bulajevs (20, Studium in Stuttgart) und drei Talente des bereits wieder nächsten Jahrgangs, namentlich die Brüder Atakan und Arda Yüksel (beide eigene Jugend) sowie Relja Gaspar (Junioren VfL Pfullingen). Im Gegenzug haben die Ergänzungsspieler Lovis Kobasic, Lovro Kobasic und Jannik Wachtmeister (alle zum MTV Stuttgart II) den Verein verlassen.

TSV Musberg

Vielleicht gilt die alte Theaterbühnen-Weisheit ja auch im Fußball. Auf den Schauspielbrettern heißt es: schlechte Generalprobe, gute Premiere. Beim TSV Musberg würde man jedenfalls nicht Nein sagen. Seine letzten Testspiele hat der Filderclub mit Niederlagen gegen die A-Kreisligisten Stetten (1:2) und Büsnau (0:3) ordentlich in den Sand gesetzt. So bleibt abzuwarten, ob und inwieweit die Winterpausen-Bemühungen Früchte tragen. Arbeiten lassen hat das Trainerduo Denis Kühnle/Dominik Mayer vor allem an einer Baustelle: Wie schießt man Tore?

„Wir haben keinen 20-Tore-Stürmer im Kader“, weiß Kühnle aus leidiger Erfahrung, „jetzt geht es darum, dass im letzten Angriffsdrittel alle Spieler gefährlicher werden.“ Zwei womöglich im Besonderen. Sie tragen vor allem die Hoffnungen auf ein Ende der Flaute. Zum einen haben die Musberger vom Landesliga-Nachbarn TSV Bernhausen das Sturmtalent Georgios Kessapidis verpflichtet. „Ein Spieler mit sehr guten Anlagen“, lobt Kühnle den 19-Jährigen. Zum anderen gibt es da ja immer noch einen gewissen Manuel Rath. Der war einst einer der Topknipser der Liga – bis ihn in den vergangenen Jahren eine abenteuerliche Verletzungsserie ein ums andere Mal ausbremste. Die spannende Frage ist nun: Kriegt Rath im inzwischen gehobeneren Kickeralter noch einmal die Kurve zur alten Form? Aktuell lautet Kühnles vorsichtig optimistische Beobachtung: „Er ist fit. Er möchte in der Rückrunde noch einmal richtig angreifen.“

Brauchen könnten es die Musberger, war die Hinserie für sie doch eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Zwischendurch kletterten sie mit sieben Siegen aus acht Spielen auf den fünften Tabellenplatz. Dann aber, im Jahresschlussspurt, kam mit vier Niederlagen am Stück die Ernüchterung. Zwischenstand: Rang neun – nur noch ein Punkt Abstand zur Abstiegszone. Hinzu kommt, dass der bislang mit Beste, der Youngster Julien Kappeler, wegen Knieproblemen den Großteil der Vorbereitung verpasst hat.

Entsprechend formuliert sich für Kühnle das weitere Ziel: „Es geht primär um den Klassenverbleib. In dieser Saison sind ja sogar der Vierte und Fünfte noch in Gefahr.“ Sollte es dabei mit dem Toreschießen doch nicht wie ersehnt klappen, haben die Mannen vom Turnerweg immerhin noch ein anderes Pfund: Gemessen an Gegentreffern, stellen sie die zweitbeste Abwehr der Staffel. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt vor dem schweren Auftaktprogramm, das bis Ende März ausschließlich Gegner aus der oberen Tabellenhälfte beschert (Holzgerlingen, Bonlanden, Croatia, Echterdingen, VfL Herrenberg).

Der 19. Spieltag

Samstag, 1. März
TSV Musberg – Spvgg Holzgerlingen (13 Uhr).

Sonntag, 2. März
TSV Plattenhardt – SC Stammheim, VfL Oberjettingen – Croatia Stuttgart, ABV Stuttgart – SV Bonlanden, TSV Rohr – TSV Münster, Spvgg Cannstatt – SV Vaihingen, Sportvg Feuerbach – Tür-kischer SV Herrenberg, VfL Herrenberg – TV Echterdingen II (alle 15 Uhr).

Verlegt
SV Oberjesingen – SV Deckenpfronn (Mittwoch, 2. April).