Teil vier unserer Rückrunden-Vorschau. Heute: der TSV Plattenhardt, die Spvgg Cannstatt und Croatia Stuttgart.
Klarer könnte das Votum kaum ausfallen. Zum Wiederbeginn in der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen tippen 15 von 18 Mannschaftsverantwortlichen auf den TSV Plattenhardt als Meister – dies ist das Ergebnis einer Umfrage unserer Zeitung bei den beteiligten Vereinen. Nur: Hat dies auch etwas zu heißen? War es nicht vor zwölf Monaten eine nahezu identische Situation, ehe am Ende dann bekanntlich die meisten Experten erkennen mussten, dass sie falsch lagen? Im vierten und letzten Teil unserer Rückrunden-Vorschau blicken wir eben auf die Spitzengruppe der Tabelle mit den Plattenhardtern sowie der Spvgg Cannstatt und Croatia Stuttgart.
TSV Plattenhardt
Die Highlights seiner eigenen Spielerzeit hat Slobodan Markovic noch bestens in Erinnerung. Damals in seiner Heimat Serbien und in Ungarn war es, als es für ihn insgesamt drei Aufstiege zu feiern gab, zwei davon als Profi jeweils in die zweite Liga. Folgt nun, inzwischen in der Rolle des Trainers, der vierte Streich?
Klar ist, dass die Plattenhardter, siehe oben, als großer Favorit in die zweite Saisonphase gehen – und ebenso, dass sich bei ihnen selbst keiner mehr um ein Versteckspiel bemüht. Nach dem bitter gescheiterten Anlauf der vergangenen Saison, als die Filderstädter ebenfalls als Halbzeitmeister noch auf Rang drei abrutschten, ist der Tenor aller Beteiligten eindeutig: Diesmal soll es klappen. Um nicht zu sagen: muss. „Einen großen Erfolgsdruck“ sieht Markovic jedenfalls auf sich und dem Team, freilich ohne sich darüber beklagen zu wollen. Seine eigene Erwartungshaltung ist keine geringere. „Wir haben ein gutes Team und eine tolle Anlage – wir wollen aufsteigen“, sagt er. In dieselbe Kerbe schlägt der Abteilungsleiter Sascha Krammer. Er formuliert es so: „Wenn man nun zum zweiten Mal nacheinander nach einer Hinrunde ganz vorne steht, möchte man hoch, keine Frage.“
Zuversichtlich stimmt Krammer dabei ein aus seiner Sicht zugleich „großer Unterschied“ gegenüber der Situation von vor zwölf Monaten. Seinerzeit glaubte manch einer im Kader offenbar an einen Selbstläufer, gefolgt von einer Wintervorbereitung, in der die Urlauber wie in einer Drehtür am Flughafen kamen und gingen. Heuer stellte sich dies ganz anders dar. Fünf Wochen Übungsphase, und immer fast alle Mann an Bord. Auch, weil der im September zum Nachfolger des geschassten Sascha Blessing beförderte Markovic die Zügel angezogen hat. Sein Credo lautet: „Für Erfolg muss man hart arbeiten.“ Disziplin und Kompaktheit, das sind zwei seiner bevorzugten Begriffe.
Allemal bereits anrechnen darf Markovic sich, dass es ihm seit seinem Einstieg gelungen ist, eine stabile Einheit zu schaffen. Von wegen nur individuelle Klasse. Die Plattenhardter überzeugten unter dem 37-Jährigen zunehmend auch als Mannschaft. Der zählbare Lohn: Von 15 Markovic-Punktspielen ging nur eines verloren (1:2 in Feuerbach).
Dieser Positivlauf soll nun der Maßstab sein, ebenso wie die beiden herausragenden Testauftritte von zuletzt. Siege gegen den Verbandsligisten FC Esslingen (1:0) und den Landesligisten FV Neuhausen (3:1) haben den Glauben an die eigenen Stärke befeuert. Dabei hat der Verein diesmal bewusst auf weitere Transfers verzichtet. Null externe Zugänge, null Abgänge. „Wir wollten keine Unruhe reinbringen“, sagt Markovic. Lieber baut er aufs gehabte Personal. Wobei sich anmerken ließe: Kann er ja auch leicht, ist dieses doch eh mit höherklassiger Erfahrung zuhauf gespickt. Sein Bruder Nemanja als Abwehrchef, der spielende Co-Trainer Pierre Eiberger als Schaltstelle im Mittelfeld, vorne der Torjäger Aristidis Perhanidis – so ist unverändert die Achse geplant.
Und so wollen die Plattenhardter denn auch gleich richtungsweisend in ihr anspruchsvolles März-Programm durchstarten. Dem Auftakt am Sonntag gegen das Schlusslicht Stammheim folgt schon eine Woche später das Gipfelduell in Holzgerlingen. Mit dem schärfsten Verfolger erwartet Markovic „ein enges Titelrennen“. Die Frage an ihn, mit wem seiner Meinung nach am Ende als Gewinner, erübrigt sich.
Spvgg Cannstatt
Eigentlich musste er ja mit einem mulmigen Gefühl antreten. Schließlich schien auf Christopher Eisenhardt in seinem neuen Job einiges zuzukommen. Zumindest, wenn man man sich an den bisherigen Cannstatter Ereignissen dieser Saison orientiert. Ja, rein sportlich spielen die Neckarstädter als Tabellendritter bislang eine Topsaison. Jedoch: Die Schlagzeilen dominierten sie eher mit anderem. Stichwort Zerwürfnis zwischen Trainer und Teilen der Mannschaft. Stichwort Spieler-Revolte. Stichwort Rücktritt von Eisenhardts Vorgänger Andreas Contino dann kurz vor Weihnachten. Zuvor hatte Letzterer die Seinen schon mal polternd unter den Verdacht gestellt, jene wollten offenbar gar nicht aufsteigen. Keinen Bock, für den Erfolg ausreichend zu investieren.
Inzwischen ist Eisenhardt knapp zwei Monate als Nachfolger im Amt – und staunt. Und hält die Zeit reif für eine Anmerkung: jene, dass sich für ihn von allen etwaigen Befürchtungen bislang „nullkommanichts“ bestätigt hat. Ganz im Gegenteil. „Ich habe ein intaktes Team vorgefunden, das hungrig und sehr willig ist“, konstatiert er. Freilich: eines, das personell Federn gelassen hat. Im Sog der internen Streitigkeiten sind in Marcel Avdic, Fabio Maringolo (TV Aldingen) und Kelly Karthein drei Leistungsträger ausgestiegen. Und ein vierter, der 14-fache Saisontorschütze Mehmet Karakus, hat sich für einen Karrieresprung in die Landesliga zum TSV Bernhausen entschieden. „Diese verloren gegangene Qualität ist nicht einfach zu ersetzen“, ahnt Eisenhardt. Von daher warte eine schwierige Aufgabe. Eine, bei welcher er von seiner grundsätzlichen Einstellung allerdings nicht abweichen will.
Kleinere Brötchen backen? Nur halbe Sachen? Das wäre nichts für Eisenhardt, der als ehemaliger Oberliga-Kicker und von seinen vorherige Trainerstationen beim TV Echterdingen und in Bernhausen mit höherklassiger Erfahrung aufwartet. „Tabellarisch wollen wir uns auf jeden Fall nicht verschlechtern“, kündigt er an. Und: „Wir werden trotzdem versuchen, das Titelrennen bis zum letzten Spieltag spannend zu halten.“
Anders als Contino sieht er dabei einige Altgrößen des Kaders als unverzichtbare Eckpfeiler. Ein Marco Schulz? „Kapitän und Kopf der Mannschaft.“ Ein Markus Lurz? Aktuell zwar beruflich in China, aber „eine Stütze in der Abwehr“. Ein Michael Ziegler? „100 Prozent Trainingsbeteiligung – sehr wichtig für uns.“ Gleiches gilt für den Wiedereinsteiger Florent Buzhala (28, Abwehr), der seine Karriere im Sommer wegen Kniebeschwerden eigentlich bereits beendet hatte. Nun wagt er ein Comeback.
Einziger externer Zugang ist der Torhüter Arjanit Januzi (22, Türkspor Nürtingen), der sich mit der bisherigen Nummer eins Robin Spajic einen Zweikampf um den Platz zwischen den Pfosten liefern soll. Drumherum sieht Eisenhardt zwei primäre Baustellen. Erstens: die aus seiner Sicht zu hohe Zahl an Gegentoren. Zweitens: Thema Disziplin. In der Fairnesstabelle der Staffel sind die Cannstatter Vorletzter. „Das gilt es zu ändern“, fordert der Coach. Nicht, dass vom mulmigen Gefühl am Ende doch noch etwas seine Berechtigung haben wird.
Croatia Stuttgart
Gewollt hätten sie, gekonnt haben sie letztlich nicht. „Drei, vier interessante Kandidaten“ habe man an der Angel gehabt, berichtet der Trainer Mirko Sapina, alle für den Sturm. Am Ende aber in allen Fällen das gleiche Ergebnis: Es scheiterte an finanziellen Punkten, mal an der Ablösesumme, mal an den monetären Vorstellungen des umworbenen Spielers. Und so ist bei den Kroaten das von ihnen erhoffte Ausrufezeichen an der Wechselbörse ausgeblieben. Freilich, schlaflose Nächte hat Sapina deswegen nicht. Schließlich hatten er und die Seinen auch in der Hinrunde mit einigen Personalproblemen zu kämpfen – und stehen aktuell dennoch auf einem starken vierten Tabellenplatz.
Ja, trotz quantitativ dünn besetztem Kader hat die Croatia-Entourage ihre rauschende Saison von zuvor durchaus bestätigt, als mit 82 von 84 möglichen Zählern der prompte Wiederaufstieg gelang. „Wenn alle da und einigermaßen fit sind, dann müssen wir uns vor keinem Gegner verstecken“, ist Sapina überzeugt. Betonung allerdings eben auf dem Wörtchen „wenn“. Im anderen Fall könne es auch „mal auf die Mütze geben“. Belege sowohl für das eine wie das andere in Hälfte eins des aktuellen Spieljahrs. In jenem ragten furiose Auftritte gegen höher gewettete Konkurrenten wie Holzgerlingen (4:0), Vaihingen (3:1) und Bonlanden (3:0) heraus, taumelte ein mitunter nurmehr vorhandenes Notaufgebot aber auch in Schlappen gegen Oberjettingen (2:6), Echterdingen (1:5) und den VfL Herrenberg (1:6).
Immerhin vier Spieler sind nun mehr oder weniger neu dabei. Allen voran die eigentlichen Leistungsträger Filip Bungic und Ante Nikic, die intern aus mehrmonatigen Krankheitspausen zurückkehren. Zudem kamen von außerhalb Dino Dzakmic (32, SV HNK Slaven Stuttgart) und Marko Culjak (19, A-Junioren FV Löchgau) hinzu. Zumindest Dzakmic, der im Verein zudem den Job des A-Jugendtrainers übernimmt, dürfte es als Allrounder auf Anhieb in die Startelf schaffen. Demgegenüber schmerzt der Ausstieg des Angriffsoldies Ivan Juric (zurück nach Kroatien) und die Tatsache, dass der bisherige Kapitän Denis Cosic sowie Marko Matovina (beide beruflich bedingt) allenfalls noch sporadisch zur Verfügung stehen. Zum neuen Spielführer hat Sapina den Mittelfeldmann Mario Mamusa bestimmt.
Bleibt die Frage, was tabellarisch auf Sicht möglich ist. Tatsächlich nur die vorzeitige Sicherung des Klassenverbleibs, die Sapina als erste Aufgabe sieht? Oder mehr? Der Coach sagt: „Als Aufsteiger wäre es vermessen, zu sagen, wir wollen erneut aufsteigen.“ Aber: „Wenn nach oben etwas gehen sollte, schön.“ Wehren würde man sich bei Croatia dagegen nicht.
Bereits erschienene Vorschau-Serienteile
Teil eins: SV Vaihingen, Sportvg Feuerbach, ABV Stuttgart
Teil zwei: TSV Münster, TSV Rohr, SC Stammheim
Teil drei: SV Bonlanden, TV Echterdingen II, TSV Musberg
Der 19. Spieltag
Samstag, 1. März
TSV Musberg – Spvgg Holzgerlingen (13 Uhr).
Sonntag, 2. März
TSV Plattenhardt – SC Stammheim, VfL Oberjettingen – Croatia Stuttgart, ABV Stuttgart – SV Bonlanden, TSV Rohr – TSV Münster, Spvgg Cannstatt – SV Vaihingen, Sportvg Feuerbach – Türkischer SV Herrenberg, VfL Herrenberg – TV Echterdingen II (alle 15 Uhr).
Verlegt
SV Oberjesingen – SV Deckenpfronn (Mittwoch, 2. April).