Der Ex-Zweitliga-Profi Alen Neskic, hier noch im Bernhausener Trikot, läuft nun für den ABV Stuttgart auf. Foto: Archiv Günter Bergmann

Teil eins unserer Rückrunden-Vorschau: Der SV Vaihingen, die Sportvg Feuerbach und der ABV Stuttgart legen in ihren Kadern mit höherklassig erprobten Verstärkungen nach. Ein unverändert schwer fassbares Thema drückt in Vaihingen jedoch auf die Stimmung.

Frühstart für sechs Mannschaften in der Fußball-Bezirksliga: Sie müssen in Nachholspielen bereits an diesem Sonntag wieder ran, darunter die Stuttgarter Vertreter SV Vaihingen, Sportvg Feuerbach und ABV Stuttgart. Mit jenen beginnen wir denn auch unsere Serie der Rückrunden-Vorschauen. Weitere Teile folgen in der nächsten Woche.

 

SV Vaihingen

Wie lange es dauern wird, um „wieder in einen normalen Modus reinzukommen“, kann der Trainer Jeremiah Geywitz „schwer einschätzen“. Sofern beim SV Vaihingen in dieser Saison überhaupt noch einmal von Normalität die Rede sein können wird. Aktuell vergeht jedenfalls kein Tag, an dem das nach wie vor kaum Fassbare nicht präsent wäre. Zwölf Wochen ist es mittlerweile her, dass der zweite Torhüter des Kaders, Lukas Moser, im Alter von gerade einmal 28 Jahren verstorben ist. An Fußball war am Schwarzbach danach natürlich erst einmal nicht mehr zu denken. Bereits im November verabschiedete die Mannschaft sich vorzeitig in die Winterpause. Jetzt, mit der Nachholpartie am Sonntag (14 Uhr) in Feuerbach, geht es um eine Rückkehr in den Spielbetrieb. „Wir müssen versuchen, einen gesunden Umgang mit dem Thema zu finden“, sagt Geywitz. Oder, anders formuliert: „Ein bisschen jonglieren und schauen, dass es einen nicht auffrisst.“

Rein sportlich betrachtet, haben die Vaihinger noch alle Optionen für eine starke Saison. Sollten sie die beiden Begegnungen gewinnen, mit denen sie im Rückstand sind (danach noch gegen Musberg, Termin offen), machten sie in der Tabelle einen Sprung auf den vierten Platz. Und: Personell scheinen sie mit ihrem Mix aus routinierten Eckpfeilern und hungrigen Talenten viel versprechend aufgestellt. Die Offensive mit dem Schützenlisten-Führenden Fabijan Krpan sowie dessen Nebenmann David Hug war in der Hinrunde Ligaspitze. Zusammen 33 Tore – so oft hat kein anderes Angriffsduo getroffen.

Führender in der Torschützenliste: der Vaihinger Fabijan Krpan (links). Foto: Günter Bergmann

Inzwischen kommen zudem für die Defensive zwei höherklassig erprobte Verstärkungen hinzu. Der bereits im Oktober eingestiegene Rechtsverteidiger Nick Rudloff (22) bringt aus seiner Zeit bei den Stuttgarter Kickers Oberliga-Erfahrung ein. Und im Abwehrzentrum gilt fortan Lucas Moser als gesetzt – Lucas mit „c“, nicht zu verwechseln mit dem bisherigen Keeper. Der 30-Jährige kam schon im Sommer beruflich bedingt vom Mainzer Verbandsligisten TuS Marienborn nach Stuttgart. Körperlich robust, Gardemaß von knapp zwei Metern. „Eine echte Kante“, sagt Geywitz. Darüber hinaus steht Ante Glibo (20, bisher TSV Bernhausen) als neuer Ersatztorhüter im Aufgebot – trauriger Hintergrund siehe oben.

Bleibt die Frage, zu was es am Ende reichen kann? Richtungsweisende Erkenntnisse erwartet der Coach Geywitz gleich in der Anfangsphase der Rückserie. Unter den vier ersten Vaihinger Gegnern 2025 sind neben zweimal Feuerbach auch die Spitzenteams aus Cannstatt und Plattenhardt. „Da“, sagt Geywitz, „wird sich früh zeigen, wohin die Reise geht.“ Eigentlich sieht er die Seinen in dieser Saison „noch zu weit weg, um sich bereits wirklich mit dem Thema Landesliga zu beschäftigen“. Eigentlich. Wer weiß schon, was tatsächlich passiert.

Einstweilen hofft Geywitz „auf eine gute Rückrunde und dass wir danach den Kader beisammen halten können – dann könnte man den nächsten Step angehen“. Mittelfristig, keine Frage, wollen die Vaihinger wieder ein Kandidat für Höheres sein. Die Landesliga-Aufstiegsjahre 2005 und 2011 sollen nicht die einzigen in den Vereinsannalen bleiben.

Sportvg Feuerbach

Zumindest in einem Punkt hat der wichtigste Neue schon einmal Eindruck gemacht. Was bringt man als Präsent zum eigenen Einstieg mit? Einmal Pizza für alle? Oder den obligatorischen Kasten Bier? Ioannis Potsou verblüffte seine neuen Teamkollegen mit zwei selbst gebackenen Torten. Der Mann wartet auf diesem Gebiet mit der nötigen Expertise auf. Schließlich ist er im Beruf Konditormeister.

Dass Potsou sich auch aufs Kicken versteht, soll sich nun in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Mit Verbandsliga-Erfahrung von seinen vorherigen Stationen VfL Pfullingen und Calcio Leinfelden-Echterdingen nährt vor allem der 24-jährige Mittelfeldallrounder die Feuerbacher Hoffnungen auf eine bessere Rück- als Hinrunde. In ihren vergangenen sechs Bezirksliga-Jahren waren die Nord-Stuttgarter fünfmal Abschlussfünfter. Fast immer oberes Tabellendrittel also. Streckenweise stießen sie sogar in den Kreis der Aufstiegskandidaten vor. Nun, in Saison Nummer eins nach der Bezirksreform, stehen sie auf Rang 14, Abstiegszone. „Die Tabelle lügt nicht“, sagt der Trainer Rocco Cesarano, „gewinnen wir unsere beiden Nachholspiele, sind wir noch einigermaßen im Soll. Ansonsten, mit den bisherigen 17 Punkten, ist es für unsere Ansprüche definitiv zu wenig.“

Fordert mehr Gegenwehr von seinem Team: der Feuerbacher Trainer Rocco Cesarano. Foto: Günter Bergmann

Zu spüren bekamen die Feuerbacher, dass das Leistungsniveau in der Staffel mit der neuen Konkurrenz aus dem Kreis Böblingen gestiegen ist. Auch wirkt der Ausstieg des Torjägers Ali Karsli, der vor Jahresfrist zurück in seine Heimat im Main-Tauber-Kreis gezogen ist, weiterhin nach. Diesen Verlust vermochten Cesarano und die Seinen seither nicht zu kompensieren. Hinzu kommt schließlich, dass manch einer im Aufgebot den neuen sportlichen Ernst der Lage zuletzt offenbar noch nicht erkannt hat. Jene kämpferische Leidenschaft, die die Mannschaft bei ihrem überraschenden 2:1-Highlightsieg gegen den Spitzenreiter TSV Plattenhardt demonstrierte, ließ sie gegen andere Gegner zu oft vermissen.

„Es wird jetzt darauf ankommen, wie wir uns wehren“, sagt Cesarano, „wie die Spieler das Thema Abstiegskampf annehmen.“ Betonung auf der Silbe „Kampf“. Eine Schlüsselpartie ist für ihn dabei gleich die erste am Sonntag zuhause gegen den SV Vaihingen, ungeachtet der Tatsache, dass die Vorbereitung aufgrund einer Grippewelle, die die eigenen Reihen arg lichtete, schwierig geriet. Cesaranos Rechnung: „Siege in unseren Heimspielen, dann werden wir nicht absteigen.“ Andernfalls? Könnte ein böses Erwachen drohen. Auch den Neuen. Außer Potsou ist Tim Verborg (29, bisher SG Karlsruhe) als Wintereinsteiger dabei. Er fungiert bis auf Weiteres als zweiter Torhüter hinter Rafael Busic. Dessen eigentlicher interner Widersacher Raphael Kugel fehlt wegen einer Achillessehnenreizung auf unbestimmte Zeit.

Aufgehört hat der Co-Trainer Stefan Ohneseit (gesundheitliche Gründe). An seiner Stelle steigt der bisherige Spieler Deniz Kumas zum Cesarano-Assistenten auf.

ABV Stuttgart

War’s das im Prinzip schon? Zwölf Punkte Abstand zum definitiv rettenden zehnten Platz. Und kaum weniger, nämlich elf Zähler, zum bestenfalls zur Relegationsteilnahme berechtigenden zwölften Rang. Können die Degerlocher nach im Sommer dann drei Jahren Bezirksliga also bereits wieder für die Kreisklasse planen? Der Mannschaftskapitän Leon Pachonick formuliert es so: „Wir sind realistisch genug, zu wissen, dass unsere Ausgangslage alles andere als gut ist.“ Aber: „Wir sehen noch eine Chance. Wir haben nichts mehr zu verlieren und hauen jetzt noch einmal alles rein.“

Unter diesem Aspekt ist auch der aktuelle Transfernachschlag für den Angriff zu sehen. Familiäre Bande haben die Verpflichtung des ehemaligen slowenischen Zweitliga-Profis Alen Neskic begünstigt. Bisher kickte der 33-Jährige für den TSV Bernhausen – wo Thomas Otto, der Sohn des ABV-Fußballbosses Günther Otto, als Spielleiter wirkt. Nun, am Guts-Muths-Weg, steigt Neskic zudem als Co-Trainer ein. In dieser Rolle ersetzt er Alexander Schreck, der sich im Rahmen eines Sabbatjahrs auf Weltreise begeben hat.

Außer Neskic verstärkt Benedict Baumgartner (20, Angriff, bereits im Oktober vom PTSV Jahn Freiburg) den Kader. Und, nicht zu vergessen: In Dominik Heinrich kommt ein gefühlter Neuzugang aus den eigenen Reihen hinzu. Der Abwehrchef hat verletzungsbedingt weite Teile der Hinrunde verpasst. Seit September war er raus.

In den vergangenen Wochen hat der Trainer Milos Pojic mit seinem Ensemble vor allem in den Bereichen Fitness und Spielaufbau gearbeitet. „Im letzten Drittel, Richtung Tor, müssen wir zielstrebiger werden“, weiß Pachonick. Vielleicht ein Vorteil für ihn und die Seinen: Während auf manchem Gegner im Tabellenkeller bleischwer der Erfolgsdruck lastet, gehen die Waldau-Kicker die Sache vergleichsweise gelassen an. Was es bedeuten würde, wenn es am Ende eben nicht mehr reicht? „Dann geht hier auch nichts unter“, sagt Pachonick vor dem Auftakt-Nachholspiel am Sonntag (14 Uhr) zuhause gegen den VfL Herrenberg. Denn: „Wir sind eine gewachsene Freundesgruppe mit einem stabilen Fundament.“ Klar, lieber in der Bezirks- als in der Kreisliga, „aber etwas ligaunabhängiger als andernorts“.

Nachholspiele

Sonntag, 23. Februar
Sportvg Feuerbach – SV Vaihingen, ABV Stuttgart – VfL Herrenberg (beide 14 Uhr); Türkischer SV Herrenberg – SV Oberjesingen (15 Uhr)