Tobias Oesterwinter (links) traf im Derby gegen die Sportvg Feuerbach per Kopf zum zwischenzeitlichen und vorentscheidenden 2:0 für den SC Stammheim. Foto: Pressefoto Baumann

Fußball
Die Zuffenhäuser bezwingen den FC Stuttgart-Cannstatt und geben die „rote Laterne“ ab.

Stuttgarter Norden - Na also, es geht doch: Am Sonntag beendete der letzte in der Fußballsaison 2016/2017 noch sieglose Bezirksligaclub seine Negativ-Serie. Die Kicker des SSV Zuffenhausen setzten sich gegen den FC Stuttgart-Cannstatt mit 2:0 durch und verschärften dessen Krise. Zudem gaben die Zuffenhäuser mit diesem Erfolg die „rote Laterne“ des Tabellenschlusslichts wieder an Croatia Stuttgart ab. Im vorderen Tabellendrittel gaben sich die Titelanwärter keine Blöße: N.A.F.I. Stuttgart verteidigte durch ein 6:2 gegen Obertürkheim die Tabellenspitze. Doch auch die Verfolger Türkspor Stuttgart, SC Stammheim, SV Bonlanden und TSVgg Plattenhardt fuhren am elften Spieltag Siege ein. Dagegen wurde die Aufholjagd des MTV Stuttgart erst einmal beendet.

Dass Marcel Avdic ein Stürmer ist, der über eine beträchtliche Menge an Talent verfügt, stand außer Frage. Allerdings zeigte der Angreifer vom Spitzenreiter N.A.F.I. Stuttgart besagtes Talent eher selten. In der Partie gegen den VfB Obertürkheim drehte der Ex-Profi allerdings auf. Beim 6:2 des Spitzenreiters steuerte er vier Tore bei. „Ich habe den Jungs vor dem Spiel gesagt, dass auch mal andere Verantwortung übernehmen müssen“, sagt N.A.F.I.-Spielertrainer Damir Bosnjak. Der erste, der das tat, war Ali Parhizi, der die Gastgeber schon nach sieben Minuten in Front brachte. Dann erhöhte Avdic auf 3:0, ehe den Gästen der Anschlusstreffer glückte. Bezeichnenderweise kam dem Tabellenführer entgegen, dass er nach der 41. Minute nur noch zu zehnt war, weil sich Verteidiger Josip Biljeskovic einen Platzverweis eingehandelt hatte. „Da waren einfach mehr Räume frei, weil Obertürkheim danach offensiver gespielt hat“, sagt Bosnjak. Als Biljeskovic zum zwischenzeitlichen 4:1 traf, kam es zu einem Wortwechsel mit dem VfB-Spieler Patrick Teuber, was schließlich in einer roten Karte für den N.A.F.I.-Kicker mündete. „Er hat ja nur zurückbeleidigt“, nimmt Bosnjak seinen Spieler in Schutz. „Leider hat der Schiedsrichter die Beleidigung von Teuber nicht gehört.“ Doch auch mit einem Mann weniger war N.A.F.I. nicht zu bremsen. Avdic stellte das Resultat kurz nach dem Seitenwechsel auf 5:1 und lieferte in der 85. Minute mit seinem achten Saisontor die Antwort auf das zweite Tor des VfB.

In Sachen Torausbeute ging Verfolger SC Stammheim etwas sparsamer zur Sache. Allerdings nicht ganz so sparsam wie der Lokalrivale Sportvg Feuerbach, bei dem die Mannschaft von Trainer Thomas Oesterwinter gastierte. „Unser Torwart Milan Jurkovic hat in den gesamten 90 Minuten keinen Schuss aufs Tor bekommen“, behauptet Oesterwinter. Und auch sein Feuerbacher Amtskollege Gökhan Dogan räumt ein: „Bei uns ist zurzeit einfach der Wurm drin.“ Allerdings taten sich die Stammheimer trotz eines intensiven Torschusstrainings unter der Woche wieder einmal schwer damit, das Runde ins Eckige zu bugsieren. Erst in der 50. Minute platzte der Knoten: Begünstigt von der schlecht gestaffelten der Feuerbacher Abwehr durfte Marco Schwalb mit seinem schwachen linken Fuß zu Sergio Mavinga flanken. Mavinga wiederum nahm das Zuspiel mit seinem schwachen rechten Fuß an und vollendete den Angriff mit einem Volleyschuss zum 1:0. „Es hat mich sehr für ihn gefreut“, sagt Oesterwinter. „Er hing ja zuletzt ein bisschen durch, aber diesmal hat er gespielt wie aufgedreht.“ Jedenfalls steuerte Mavinga in der 86. Minute noch den Treffer zum 3:0 bei. Das zwischenzeitliche 2:0 hatte Tobias Oesterwinter eine Minute zuvor per Kopf nach einem Freistoß von Christian Schwalb erzielt. Für Sportvg-Coach Dogan blieben nach der Partie zwei Erkenntnisse. Erstens: „Wir bringen uns durch eigene Fehler in Rückstand.“ Zweitens: „Mit den fünf Spitzenteams der Liga können wir nicht mithalten.“

Der MTV Stuttgart war eigentlich guter Dinge, sich wieder an das Quintett an der Spitze heranzuarbeiten. Doch nach der herben 1:8-Pleite im Bezirkspokalspiel gegen den SV Bonlanden setzte es nun in der Liga den nächsten Nackenschlag. Mit 1:2 verlor der MTV bei der TSVgg Münster und hat damit den Kontakt zu den Führenden im Klassement erst einmal abreißen lassen. „Wir haben eigentlich kein schlechtes Spiel gemacht“, fasst MTV-Trainer Francesco Mazzella di Bosco die Ereignisse zusammen. „Aber der Gegner war deutlich effektiver als wir.“ So reichten der TSVgg drei Torschüsse, um zu zwei Treffern zu kommen. Die Gäste vom Kräherwald zielten deutlich öfter auf das Tor der Münsterer, aber getroffen hat nur einer: Willie Sauerborn krönte in der 79. Minute einen Alleingang mit dem Tor zum 1:2. „Ein schönes Tor, das aber leider zu spät gefallen ist“, sagt Mazzella di Bosco. Daran konnte auch die Einwechslung der zuletzt angeschlagenen Offensivkräfte wie Raphael Hahn und Fadi Odesh nichts ändern.

Eine immense Erleichterung dürfte sich in den Reihen des SSV Zuffenhausen breit gemacht haben. Zehn Spieltag lang waren die Zuffenhäuser ohne Sieg gewesen, ehe sie am Sonntag den Bann mit einem 2:0 über den FC Stuttgart-Cannstatt brachen. „Mir ist eine riesige Last vom Herzen gefallen, obwohl es ein schlechtes Spiel von uns war“, sagt SSV-Trainer Emrah Uyar. Des einen Freud’, des anderen Leid: „Der Frust ist groß“, sagt FC-Coach Steffen Baier, dessen Mannschaft nach einem vielversprechenden Saisonstart nun bereits die sechste Niederlage in Serie kassierte. „So was ist mir in meiner ganzen Trainerlaufbahn noch nicht passiert“, sagt Baier verärgert. Seiner Mannschaft machte wie so oft in den vergangenen Wochen vor allem ein Problem zu schaffen: es schießt keine Tore. Obwohl der SSV in Hälfte eins kaum Zugriff auf das Geschehen hatte, wussten die Gäste diese Überlegenheit nicht in Zählbares umzumünzen. Die beiden besten Chancen vergab Ömer Sahin, der in der 35. Minute zwei SSV-Verteidiger umspielte, dann aber das Tor verfehlte. Die zweite gute Möglichkeit von Sahin vereitelte Zuffenhausens Schlussmann Jan Ertl. Nach knapp einer Stunde ereignete sich die Szene, die den Spielverlauf auf den Kopf stellte: Leandro Ribeiro Diniz, soeben eingewechselt, trat zum Freistoß an und nutzte seinen ersten Ballkontakt, um das Spielgerät zum 1:0 im Tor der Gäste zu versenken. Und in der 81. schloss Lucian Antonesei einen Konter mit dem Treffer zum 2:0 ab. „Endlich hat sich meine Mannschaft mal selbst für ihre Arbeit belohnt“, sagt Uyar.

Davon war das Team von Croatia Stuttgart in seinem Gastspiel bei Türkspor Stuttgart ein gutes Stück entfernt. Zwar hielten die Kroaten zunächst ganz gut mit, aber weder Pero Mamic noch Nikica Seric konnten die sich bieten Tormöglichkeiten verwerten. Als die Gastgeber dann nach einer halben Stunde das 1:0 erzielten, war erlahmte die Gegenwehr des Teams von Trainer Radoslav Kral ziemlich schnell. „Da waren bei allen die Köpfe unten“, wetterte der Coach. Und so taten sich für Türkspor genügend Möglichkeiten auf, um zu einem ungefährdeten 4:0-Sieg zu kommen, der Croatia wieder auf den letzten Tabellenrang abrutschen ließ.

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