An ihm gab es nur ein Mal ein Vorbeikommen: Torwart Milan Jurkovic hatte im Spiel gegen den MTV maßgeblichen Anteil am 2:1-Erfolg des SC Stammheim. Foto: Günter E. Bergmann

Fußball
Im Spitzenspiel macht der MTV Stuttgart mächtig Druck. Aber gewonnen hat der SC Stammheim.

Stuttgarter Norden - Die Club sin der Fußball-Bezirksliga ließen es am letzten Spieltag noch einmal richtig krachen: 39 Tore in acht Begegnungen, das macht im Schnitt 4,8 Treffer pro Partie. Was rein statistisch wiederum 0, 6 Tore mehr als der bislang erreichte Ligadurchschnitt ist. Maßgeblich dazu beigetragen haben die Titelanwärter N.A.F.I. und Türkspor, die jeweils siebenmal einnetzten. Die Sportvg Feuerbach traf zwar nur fünfmal und feierte damit nicht nur ihren höchsten Saisonsieg, sondern auch eine vielversprechende Premiere zweier Zugänge. Das wohl spannendste Spiel des Wochenendes lieferten sich der SC Stammheim und der MTV Stuttgart, in dem die Elf vom Kräherwald zahlreiche Chancen verbuchte, am Ende aber doch unterlag. Und sogar das Tabellenschlusslicht punktete: Croatia spielte beim TSV Rohr remis und holte damit den sechsten Punkt in der laufenden Runde.

Falls es noch Zweifel daran gegeben hat, ob der Meisterschaftsanwärter N.A.F.I. Stuttgart aus seiner Krise finden würde, dann dürften sie seit Sonntag ausgeräumt sein. Mit 7:0 deklassierte die Mannschaft um Spielertrainer Damir Bosnjak den FC Stuttgart-Cannstatt, der seine Pleitenserie damit auf rekordverdächtige zehn Niederlagen in Folge ausbaute. Schon in der 8. Minute knackte der zuletzt gesperrte und schmerzlich vermisste N.A.F.I.-Spielgestalter Danijel Bosnjak das Abwehrbollwerk, das der FC vor seinem Tor errichtet hatte. Vier Minuten später verwandelte Admir Osmanovic den nach Foul an Ugur Capar verhängten Elfmeter zum 2:0. Als Erdem Ürün und Capar noch vor der Pause auf 4:0 erhöht hatten, war die Sache eigentlich erledigt. Ali Parhizi, Danijel Bosnjak und Emre Yildizeli schraubten in Durchgang zwei das Resultat auf 7:0 hoch, womit N.A.F.I. bei nun 49 Saisontoren den treffsichersten Angriff der Liga stellt. „Ich bin mit der Vorrunde ganz zufrieden“, sagt Coach Damir Bosnjak, dessen Team durch den Kantersieg Tabellenplatz zwei verteidigte. „Nur die Niederlage gegen den SSV Zuffenhausen ist mir ein Dorn im Auge.“

Erst recht, weil der SSV Zuffenhausen nicht auch für N.A.F.I.s Titelrivalen Türkspor Stuttgart zum Stolperstein wurde. Mit 7:3 behielt der Favorit die Oberhand. „Wir haben es dem Gegner durch die Summe unserer individuellen Fehler einfach gemacht“, sagt SSV-Trainer Emrah Uyar. Das frühe Führungstor der Gastgeber konnten die Zuffenhäuser durch die gütige Mithilfe von Türkspor-Verteidiger Savas Kara, der beim Laufduell mit Martin Mataija ein Eigentor erzielte, zwar noch egalisieren. Doch bis zur Pause waren die Platzherren schon auf 3:1 davongezogen und legten zu Beginn des zweiten Spielabschnitts noch zwei weitere Tore nach. Martin Mataija verkürzte zwar zwischenzeitlich auf 2:5 und hatte zudem noch das Pech, dass ihm danach ein Tor wegen Abseitsstellung aberkannt wurde. „Aber der Treffer hätte auch nichts mehr geändert“, vermutet Uyar. Immerhin kamen die Zuffenhäuser noch durch Dennis Schrenk zum zwischenzeitlichen 3:6. Die letzten zehn Minuten der Partie musste der SSV zu zehnt bestreiten. Marc Strohmaier hatte sich verletzt, Coach Uyar das Wechselkontingent aber schon ausgeschöpft. Ein Umstand, den Türkspor für das Tor zum 7:3 nützte.

Der SC Stammheim hätte ebenfalls nichts gegen einen Ausrutscher von Türkspor oder N.A.F.I. einzuwenden gehabt. Denn schließlich wäre die Mannschaft von Trainer Thomas Oesterwinter bei Patzern der Konkurrenz und dem 2:1-Erfolg über den MTV Stuttgart auf Tabellenrang zwei geklettert. So konnten sich die Stammheimer eben „nur“ an dem Sieg freuen – was aber schon ein sehr guter Grund zur Freude war. Denn verdient war er nicht. „Es tut mir ein bisschen leid für den MTV“, sagt SC-Coach Oesterwinter. „Er hat alles in die Waagschale geworfen.“ Entsprechend zerknirscht war Oesterwinters Amtskollege Francesco Mazzella di Bosco. „Wir sind am eigenen Unvermögen, dem Mangel an Glück und an SC-Torwart Milan Jurkovic gescheitert“, urteilt Mazzella di Bosco. „Es war unglaublich, was der gehalten hat.“ Nur ein einziges Mal musste sich Jurkovic geschlagen geben: In der 89. Minute traf Raphael Hahn zum 1:2-Anschluss. Die Stammheimer hatten in der 61. Minute ihre erste ernsthafte Torchance durch Christian Schwalb zum 1:0 genutzt. Und sie hatten ihre zweite und letzte Möglichkeit des Spiels in der 85. Minute durch Sergio Mavinga zum 2:0 verwertet, während der MTV schon in Hälfte eins vier Chancen der Kategorie „hochkarätig“ verballert hatte. Und selbst nach dem 1:2 hatte das Team von Trainer di Bosco noch genügend Gelegenheiten, um die Partie sogar noch zu seinen Gunsten zu entscheiden. So traf Hahn in der Nachspielzeit nur die Latte. Und Moritz Helmes, der allein auf SC-Keeper Jurkovic zusteuerte, traf die falsche Entscheidung. Er legte auf den nachrückenden Willie Sauerborn quer, statt selbst zu schießen – und das Zuspiel missglückte. Nach dem Schlusspfiff konnte SC-Trainer Thomas Oesterwinter erst einmal durchatmen: „Ein dreckiger Sieg“, sagte er. „Wir waren nicht in der Lage, so zu spielen, wie es der MTV getan hat. Aber wir haben wenigstens die Tore gemacht.“

Reichlich Tore machte auch die Sportvg Feuerbach – und zwar deren fünf. Wobei die beiden Gegentreffer, welche die Sportvg vom VfB Obertürkheim kassierte, die sehenswerteren waren. „Das war ein Tor des Monats und ein Tor des Jahres“, sagt Sportvg-Trainer Gökhan Dogan. Das ließ sich von Feuerbacher Seite her leicht verschmerzen – zu groß war die Freude über den wichtigen Erfolg, für den Amir Limani und Ali Karsli mit ihren Treffern in der 25. und 27. Minute den Grundstein gelegt hatten. Karsli, zuletzt beim badischen Landesligisten SV Königshofen am Ball, war aus beruflichen Gründen nach Stuttgart gekommen und hatte bei der Sportvg angeheuert. Beim SV hatte Karsli in der aktuellen Runde in 16 Spielen 23 Treffer erzielt. Zugang Nummer zwei ist allerdings kein Unbekannter: Vaidas Rocys hatte mit seinen Toren in der Saison 2014/2015 maßgeblichen Anteil daran gehabt, dass die Feuerbacher in der Bezirksliga geblieben waren. Nun kehrte er – ebenfalls aus beruflichen Gründen – vom Westfalenligisten Mengede 08/20 nach Stuttgart und zu den Feuerbachern zurück. Wie Karsli absolvierte er seine Premiere mit einem Treffer, und zwar dem zum zwischenzeitlichen 4:1. Das 3:1 erzielte Harun Halilovic, für das 5:2 zeichnete Gökhan Öztürk verantwortlich.

Beinahe hätte Tabellenschlusslicht Croatia Stuttgart beim TSV Rohr den zweiten Saisonsieg feiern können. „Wir waren ganz nah dran an einem Dreier“, sagt Marko Benakovic, zusammen mit Mio Cagalj Interims-Trainer. Doch am Ende wurde es doch nur das dritte Unentschieden in der laufenden Runde. Denn zehn Minuten, nachdem Pero Mamic nach rund einer Stunde Spielzeit eine Freistoßflanke von Tomislav Lovric zum 1:0 für die Kroaten ins Tor geköpft hatte, kassierte das Team den 1:1-Ausgleich. Doch unzufrieden wollte Benakovic nicht sein: „Das war das bisher beste Spiel unter unserer Regie.“

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