SV Bonlanden schenkt dem Tabellenführer erneut vier Stück ein. Vier Spieler landen im Krankenhaus. In Vaihingen und Cannstatt fallen schon Personalentscheidungen für nächste Saison.
Ein lädierter Ellenbogen, zwei befürchtete kaputte Knie, eine Platzwunde am Kopf – gemessen an erlittenen Schrammen war es ein verlustreicher 17. Spieltag. Auf dass dem Ärztepersonal in den umliegenden Krankenhäusern nicht langweilig wird. Nimmt man hingegen die Punkteausbeute zum Maßstab, durften es bei den Stuttgart/Filder-Mannschaften der Fußball-Bezirksliga am Sonntag durchaus lachende Gesichter sein, allen voran aufseiten des SV Bonlanden. Die Filderstädter schenkten dem Tabellenführer Darmsheim zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen vier Tore ein. Derweil verrät der Botnanger Trainer Alexander Schweizer, warum er den Namen seines Dreifachtorschützen am liebsten im Stillen behalten würde.
SV Bonlanden – TV Darmsheim
Der große Gewinner des Wochenendes aber, keine Frage, ist der SV Bonlanden. Und somit auch dessen Coach Carmine Napolitano, der allen Unkenrufern fürs Erste eine lange Nase drehen kann. Wie hatte es ihm in Anbetracht des knüppelharten Auftaktprogramms manch einer prophezeit? Drei Spiele, null Punkte. Tatsächlich sind es zum Jahresstart nun sieben geworden, und aktuell betätigten sich die in der Hinrunde noch so enttäuschenden Schwarz-Weißen gleich ein weiteres Mal als Spitzenreiter-Schreck. Schon zuletzt beim Nachholspiel-4:4 hatten sie den Klassenprimus TV Darmsheim am Rand einer Niederlage gehabt, diesmal beim schnellen Wiedersehen auf eigenem Platz klappte es. Endstand: 4:2.
„Tabellenführer liegen uns immer“, merkt Napolitano mit einem Grinsen an und verweist auf die vergangene Saison. Damals düpierten die Seinen den späteren Meister TSV Plattenhardt (2:1). Offensichtlich ist es so, dass sich die Mannschaft vor allem in solchen Spielen zur Bestform zu pushen vermag. Nachzufragen etwa bei Luca Wiedmann und Dennis Adam. Der Torhüter und der Linksaußen ragten beim jetzigen Kräftevergleich heraus. Der eine hielt mit mehreren Paraden den 2:0-Pausenvorsprung fest, der andere netzte doppelt ein, zuletzt gar volley mit seinem schwächeren rechten Fuß. Weiter geht damit sein starkes Comeback, nachdem der 27-Jährige im alten Jahr monatelang verletzt ausgefallen war.
„Was uns mit ihm gefehlt hat, sieht man jetzt“, sagt Napolitano, für den es schließlich nur einen Wermutstropfen gab: Auf der Ausfallliste steht dafür seit Sonntag ein anderer. Stichwort Lädierte, siehe oben. Für Lukas Tschentscher verlief der Nachmittag blutig. Eine Platzwunde am Kopf. Er wurde mit sieben Stichen genäht.
TSV Dagersheim – SV Vaihingen
Damit befindet er sich freilich in bester Gesellschaft. Auch der Angriffskollege David Hug vom SV Vaihingen erlebte einen abrupten Fußball-Feierabend, in seinem Fall noch ohne Diagnose. Doch beschleicht seinen Trainer Tim Schumann ein mulmiges Gefühl: „Etwas mit dem Knie. Es sah nicht so gut aus.“ Eben wegen einer Knieverletzung, seinerzeit eines Kreuzbandanrisses, hat Hug schon nahezu die komplette Rückrunde des vorigen Spieljahrs verpasst.
So rückte der 4:0-Pflichtsieg beim Tabellenvorletzten TSV Dagersheim ein Stück weit in den Hintergrund, ebenso wie die Tatsache, dass das Schwarzbachteam offenkundig auch so noch über ausreichend Knipserqualität verfügt. Eine Halbzeit lang tat sich der Favorit gegen einen offensiv verteidigenden Gegner schwer. Dann schlug es innerhalb nur einer Viertelstunde viermal in dessen Kasten ein. Als Teilzeitarbeiter glänzte der Youngster Tyron Ferrari, für den es Schumann wegen muskulärer Probleme bei einem 40-Minuten-Einsatz beließ. Ein- und wieder ausgewechselt. Diese Spanne reichte dem Vaihinger Topscorer für seine Saisontore Nummer elf und zwölf. Welcher Treffer schöner war, sein Seitfallzieher oder der 16-Meter-Kracher seines Teamgefährten Maximilian Eisentraut in den Dreiangel, darüber ließ sich streiten.
Im Klassement jedenfalls sind Schumann und die Seinen nun wieder bis auf zwei Punkte am Ersten Darmsheim dran, dies bei einem weniger ausgetragenen Spiel. „Die Crunchtime kommt allerdings erst noch“, weiß der Coach, der seinen Vertrag mittlerweile bis 2027 verlängert hat.
SV Deckenpfronn – TSV Jahn Büsnau
Somit sind die Vaihinger in der Trainerfrage ihrem Orts- und Tabellennachbarn TSV Jahn Büsnau knapp voraus. Beim Aufsteiger soll sich, etwas später als ursprünglich gedacht, nun in dieser Woche klären, wer im Sommer die Nachfolge des scheidenden Dominik Lenhardt (wie berichtet zur Spvgg Holzgerlingen) antreten wird. Einstweilen sucht der Überraschungsdritte noch nach dem Flow der Hinserie. „Da gingen uns die Dinge etwas leichter von der Hand. Inzwischen unterschätzt uns halt keiner mehr“, sagt Vater Lenhardt, Vorname Ralf und Fußballchef des Vereins, nach dem 1:1 in Deckenpfronn. Seine Einschätzung zur Partie: „Ein Grottenkick, mit einem glücklichen Ergebnis für uns.“ Am Ende rettete sein Verteidiger Fermin Wences den immerhin einen Punkt. Der US-Boy kratzte den Ball für den bereits geschlagenen Schlussmann Simon Hochschein von der Torlinie.
Letzterer hatte zuvor beim Ausgleichstreffer des Gegners gepatzt, kam damit aber noch glimpflicher davon als zwei andere. Thema Krankenhaus. Der Büsnauer Beitrag lautet: einmal ein ramponierter Ellenbogen, einmal eine Schienbeinprellung. Die Betroffenen sind der Torjäger Sebastian Lenhardt und der Abwehrchef Marc Bauer. Da passt es irgendwie, dass Lenhardt senior nach drei Operationen an der Wirbelsäule gerade an Krücken geht.
SV Rohrau – Spvgg Cannstatt
Wer von den Patienten wie lange ausfällt, bleibt abzuwarten – was, um die Unfallstatistik des Spieltags zu komplettieren, zu schlechter Letzt auch noch für den Spvgg-Cannstatt-Abwehrrecken Alessio Manta gilt. Dessen erstes Untersuchungsergebnis deutet auf einen Innenbandriss im Kniegelenk hin, passiert bei einem Pressschlag. Für Manta war es damit in gleich zweierlei Hinsicht kein guter Spieltag. Zuvor hatte der Youngster in der Begegnung beim Landesliga-Absteiger SV Rohrau bereits einen Foulelfmeter verursacht.
Der für die Cannstatter dann positivere Teil der Geschichte: Der Keeper Rafael Busic wehrte den Strafstoß ab. „Damit hat er uns in dieser Phase den Hintern gerettet. Ein Weckruf für uns“, sagt der Trainer Damian Nagler. In der Folgezeit war es seine Elf, die in einem „Rasenschach-Spiel“ ihre Gelegenheiten nutzte. Claudio Caruso nach feinem Dribbling und Collin Schmidt per 20-Meter-Schlenzer schossen einen 2:1-Auswärtssieg heraus. Damit bleiben auch die Neckarstädter in der Tabelle aussichtsreich vorn dabei. Von Platz eins bis zu ihrem vierten sind es erneut nur noch drei Zähler. Zugleich lässt im Verein aufatmen, dass nach einem Jahr der Turbulenzen auf Funktionärsebene wieder Ruhe eingekehrt scheint. Die gleich drei Trainerwechsel zwischen den Sommern 2024 und 2025? Vergessen und abgehakt. Mit dem aktuellen Coach ist die Hoffnung auf Kontinuität genährt: Nagler hat inzwischen für eine weitere Saison unterschrieben.
TSV Musberg – Croatia Stuttgart
Unterdessen bastelt der Nagler-Amtsvorgänger bei seinem neuen Verein am Rückrunden-Traumstart. Zwei Spiele, sechs Punkte – damit sind Christopher Eisenhardt und der TSV Musberg als einziges Team der Staffel bislang makellos ins neue Jahr gekommen. Zumindest rein rechnerisch. „Das ist das, was zählt. Das Wie interessiert dabei schon morgen keinen mehr“, sagt der Coach. Auch wenn jenes die Zuschauer beim 1:0-Abstiegskampfsieg gegen Croatia Stuttgart auf eine harte Kostprobe stellte.
„Ein mageres Spiel“, räumt Eisenhardt ein. Oder, um es mit seinem Gegenüber Niki Oroz direkter zu sagen: „Not gegen Elend. Das war gar nichts von beiden Mannschaften.“ Das heißt: bis auf eine Ausnahme. Der entscheidende Treffer resultierte, wie auch anders an einem spielerischen Ebbe-Tag, aus einer Standardsituation. Ecke, Kopfball, Tor. Der Innenverteidiger Franc Cagalj avancierte so zum Matchwinner. Während die Musberger daraufhin in den Verwaltungsmodus schalteten, fiel ihrem Gegner nichts für eine Wende ein. Gleichwohl auch eine gute Nachricht für die Gäste: Ihrem vor Wochenfrist mit Rot vom Platz geschickten Spielmacher Mario Mamusa bleibt eine längere Sperre erspart. Er muss lediglich für zwei Begegnungen aussetzen.
Ob es mit ihm an diesem Sonntag anders gelaufen wäre? Schlechter sicher nicht. Das war kaum möglich, wenn man Oroz glauben darf.
VfL Oberjettingen – ASV Botnang
Das torreiche Kontrastprogramm dazu lieferte der ASV Botnang. Die West-Stuttgarter ließen nach ihrer Heimpanne der Vorwoche diesmal nichts anbrennen. Auf ein 2:5 folgte ein 5:2. „Der Unterschied: Anders als zuletzt haben wir den Kampf angenommen“, sagt der Trainer Alexander Schweizer zum letztlich souveränen Auftritt beim abgeschlagenen Schlusslicht VfL Oberjettingen. Auf einem schwer bespielbaren Holperrasen verbuchten die Gäste obendrein zwei Pfostentreffer.
Für die wahren Treffer des Tages zeichnete indes der Außenangreifer Ari Ilhan verantwortlich. Der 21-Jährige erhöhte sein persönliches Konto mit einem Dreierpack auf nun sieben Saisontore, darunter ein krönender akrobatischer Schlusspunkt. Per Seitfallzieher wuchtete er den Ball ins Netz und ließ auch seinen Coach jubilieren – allerdings nur innerlich. Dass Letzterer mit Lob geizt, hat einen Grund. „Ari ist einer, dem so etwas schnell mal zu Kopf steigen kann. Wenn ich das hier jetzt alles ausführlich schildere, tanzt er mir unter der Woche auf der Nase herum“, sagt der Coach halb lachend, halb tatsächlich sorgenvoll. So viel dann aber doch: „Er ist auf dem Platz eine brutale Maschine. Super gemacht von ihm.“ So super, dass der Aufsteiger unter sein ursprüngliches Ziel Klassenverbleib praktisch schon jetzt einen endgültigen Haken machen kann. Der Abstand zur Gefahrenzone beträgt mittlerweile zehn Punkte.
SV Nufringen – TV Echterdingen II
Vorbeigezogen sind die Botnanger als neuer Fünfter am TV Echterdingen II, der seinerseits noch auf den ersten Sieg seit der Winterpause wartet. Mit einem 2:2 beim Drittletzten Nufringen spielten die Gelb-Schwarzen am Sonntag erneut unentschieden. Patrik Sapina und Berkant Caliskan, der nach einem Lattentreffer von Felix Steyer abstaubte, machten einen zweimaligen Rückstand wett. „Wir hatten zwar mehr Ballbesitz, ansonsten hat uns aber die Durchschlagskraft gefehlt“, moniert der Trainer Sascha Blessing. Echterdinger Glück, dass der Gegner kurz vor Schluss freistehend die Großchance zur Entscheidung vergab. Raffaele Ciuffreda schob die Kugel am Tor vorbei.
Es hätte also auch schlechter laufen können, auch wenn man auf die Konkurrenz so schaut. Knochenbrüche, Bänderrisse, Platzwunden – in dieser Hinsicht blieben Blessing und die Seinen ebenfalls verschont.
Die Statistik zum 17. Spieltag
SV Deckenpfronn – TSV Jahn Büsnau 1:1. Tore: 0:1 Hetzel (28.), 1:1 Marquardt (41.). Besonderes: –
TSV Dagersheim – SV Vaihingen 0:4. Tore: 0:1 Ferrari (49.), 0:2 Eisentraut (55.), 0:3 Haug (56.), 0:4 Ferrari (64., Foulelfmeter). Besonderes: –
VfL Oberjettingen – ASV Botnang 2:5. Tore: 1:0 Haag (14.), 1:1 Kamberi (18.), 1:2 Ilhan (41.), 1:3 Ilhan (50.), 2:3 Yannick Ruß (55., Foulelfmeter), 2:4 Qenaj (57.), 2:5 Ilhan (75.). Besonderes: rote Karte für Torhüter Nicolas Ruß (Oberjettingen, 45.+2/Notbremse)
SV Bonlanden – TV Darmsheim 4:2. Tore: 1:0 Kaligiannidis (23.), 2:0 Lebkuchen (38.), 3:0 Adam (50.), 3:1 Schneider (70.), 4:1 Adam (81.), 4:2 Lindner (85.). Besonderes: –
Spvgg Holzgerlingen – VfL Herrenberg 1:2. Tore: 1:0 Quaranta (25.), 1:1 Franke (35.), 1:2 Hartmann (89.). Besonderes: –
SV Rohrau – Spvgg Cannstatt 1:2. Tore: 0:1 Caruso (30.), 0:2 Schmidt (43.), 1:2 Holz (74.). Besonderes: Busic (Cannstatt) wehrt Foulelfmeter von Simon Kamm ab (15.)
SV Nufringen – TV Echterdingen II 2:2. Tore: 1:0 Ludolph (4.), 1:1 Sapina (11.), 2:1 Müller (26.), 2:2 Caliskan (60.). Besonderes: –
TSV Musberg – Croatia Stuttgart 1:0. Tore: 1:0 Franc Cagalj (32.). Besonderes: –