Hoppla, zwei Mann am Boden. Für den TSV Jahn Büsnau galt dies am Ende auch sinnbildlich. Der Tabellenzweite unterlag überraschend gegen den TSV Musberg (rechts dessen Neuzugang Deniz Yesilyurt). Foto: Günter Bergmann

Alle Stuttgarter Teams der Spitzengruppe verlieren. Für den ASV Botnang endet eine tolle Serie, zwei Torhüter glänzen, und ein Leistungsträger sieht eine „äußerst dumme rote Karte“.

Autsch! Das hatten sie sich ganz anders vorgestellt. Erster Spieltag nach der Winterpause, Wiederbeginn-Freude, großer Tatendrang. Und dann das! Alle vier Stuttgarter Verfolger des Tabellenführers TV Darmsheim haben in der Fußball-Bezirksliga einen klassischen Fehlstart hingelegt. TSV Jahn Büsnau, SV Vaihingen, Spvgg Cannstatt, ASV Botnang – viermal Ernüchterung auf der ganzen Linie. In einem Fall endete damit sogar eine zweijährige Serie. Die herausragenden Auftaktgewinner vom Sonntag heißen derweil TSV Musberg und SV Bonlanden, beide nicht zuletzt wegen ihrer als Elfmeterkiller glänzenden Torhüter.

 

TSV Jahn Büsnau – TSV Musberg

Auftaktpleite, Teil eins: TSV Jahn Büsnau. Tja, so kann es also kommen. Oder, um es mit dem Büsnauer Kapitän Sebastian Lenhardt zu sagen: „So brutal bitter kann der Fußball sein.“ Da hatten er und die Seinen eine tolle Vorbereitung gespielt, schienen bestens präpariert. In der aktuellen Begegnung sah der Torjäger „gefühlte 80 Prozent Ballbesitz für uns und in der zweiten Hälfte ein Spiel nur noch auf ein Tor“, nämlich das des Gegners. Aber: Am Ende jubelte nicht Lenhardts Team, sondern eben jener Kontrahent, der TSV Musberg – und das bei seinem 2:1-Auswärtscoup nicht einmal unverdient.

Leidenschaftliche Verteidigungsbereitschaft schlug Angriffswucht. „Die Jungs haben die Basics von der ersten bis zur letzten Minute erfüllt. Wir wussten, dass wir nur eine Chance haben, wenn wir in diesem Bereich an die Leistungsgrenze gehen“, sagt Christopher Eisenhardt, der Trainer der siegreichen Gäste. Egal, was der Favorit Büsnau nach seinem unerwarteten 0:2-Pausenrückstand schließlich versuchte, „irgendwie“, ächzt Lenhardt, „haben die immer noch einen Fuß dazwischen gebracht“. Oder auch eine Hand. Finales Beispiel, als plötzlich doch noch die große Ausgleichschance da war. Letzte Minute, ein Foul vom Musberger Winter-Neuzugang Mal Hasaj an Lenhardt. Elfmeter. Doch selbst der ging dann nicht rein. Büsnaus Schützenkönig-Rückkehrer Cedric Hornung scheiterte bei seinem Comeback-Auftritt am stark reagierenden Keeper Giorgio Alber.

Die Musberger, im Hinspiel im Dezember noch 0:5-Verlierer, hatten damit ihrerseits gleich drei Matchwinner: die Torschützen Al Baraa Al Hariri und Daniel Frenzel Medina – und eben Alber. „Ihm muss ich ein Sonderlob geben“, sagt Eisenhardt. In der ersten Saisonhälfte habe sein Youngster „auch einiges an Kritik einstecken müssen“. Nun habe sich sein Fleiß in der Rückrundenvorbereitung bezahlt gemacht.

Bleibt die Frage: Geht für den inzwischen Tabellenachten die Formkurve überhaupt nach oben? Ist der aktuelle Erfolg womöglich die Initialzündung, schleunigst weg vom Abstiegskampf? Der Gegenüber Lenhardt will einstweilen kein schlechter Verlierer sein, ist sich aber sicher: „Wenn wir dieses Spiel noch zehn weitere Mal spielen, gewinnen wir zehnmal.“ An diesem verflixten Auftakttag war aber offensichtlich der elfte Fall.

SV Deckenpfronn – SV Vaihingen

Auftaktpleite, Teil zwei: SV Vaihingen. Vielleicht ein kleiner Trost für die Büsnauer: Den Mitverfolgern erging es wie gesagt nicht besser. Auch der Orts- und Tabellennachbar SV Vaihingen stolperte, wobei dessen Trainer schon eine mulmige Vorahnung gehabt hatte. Zum ersten Mal seit Oktober wieder auf einem Naturrasenplatz, dazu die bekannte Heimstärke des Gegners – „mit diesen Umständen sind wir nie klar gekommen“, konstatiert Tim Schumann, „bei jedem Pass verspringt der Ball weiß ich wohin.“ Am Ende stand in Deckenpfronn ein 1:3, bei dem aus Sicht des Coachs vor allem eines „brutal ärgerlich“ ist: „Wir haben ja eigentlich gewusst, was auf uns zukommt. Und dann laufen wir genau in solche Sachen rein.“ Solche Sachen gleich drei Gegentore nach identischem Strickmuster: Dreimal ließ sich die Vaihinger Abwehr von weit geschlagenen Bällen überrumpeln. Schon nach einer Stunde war die Begegnung praktisch durch.

Insofern ist Meisterliches vom vermeintlichen Meisterschaftsmitfavoriten erst einmal vertagt. Stattdessen gleich „ein kleiner Stimmungskiller“, wie Schumann sagt. Auch wenn sich seine Mannschaft mit der Niederlage an besagter Stätte in guter Gesellschaft befindet: Dort haben in dieser Saison im TV Darmsheim und der Spvgg Cannstatt auch schon andere Spitzenteams verloren.

Spvgg Cannstatt – Spvgg Holzgerlingen

Auftaktpleite, Teil drei: Spvgg Cannstatt . Aktuell hat es die Neckarstädter dagegen auf eigenem Platz erwischt. Das 2:3 gegen die Spvgg Holzgerlingen bedeutet für sie die erste Heimniederlage des Spieljahrs. Eine, die den Trainer Damian Nagler ungläubig den Kopf schütteln lässt. „Maximal unglücklich“, sagt er. „Wir investieren extrem viel, werden aber für Fahrlässigkeiten bestraft.“

Kritikpunkt eins: die Chancenverwertung. Nach den Treffern des Neuzugangs Devrim Azad Sefer per Abstauber und des Kapitäns Marco Schulz per Kopf vergab der Tabellenvierte in einer finalen Sturm- und Drangphase Tormöglichkeiten zuhauf. „Mehr als Hundertprozenter“ sah Nagler in den drei besten von Benjamin Nimigean und Aimar Lizoain Garayoa.

Kritikpunkt zwei: die Defensive. In Abwesenheit des urlaubenden Abwehrchefs Markus Lurz fällt Naglers Urteil deutlich aus: „Bei zwei der drei Gegentore haben wir uns einfach blöd angestellt.“ Im einen Fall vertändelte sein Torschütze Sefer den Ball und trübte damit seine Einstiegsleistung, im anderen schlug es schließlich spielentscheidend im Gastgeber-Kasten ein. Den K. o. kassierten die Cannstatter durch den eingewechselten Linus Kislat in der Nachspielzeit.

ASV Botnang – TSV Dagersheim

Auftaktpleite, Teil vier: ASV Botnang . Die vielleicht größte Überraschung kommt am Favoriten-Pleiten-Pech-und-Pannen-Spieltag derweil aus Botnang. Dort galt: auf der einen Seite ein Aufsteigerteam, das seit ziemlich genau zwei Jahren kein Heimspiel mehr verloren hatte. Auf der anderen Seite ebenfalls ein Aufsteigerteam, das zuletzt vor der Winterpause neunmal nacheinander als Verlierer vom Platz gegangen war. Wie also hätte wohl so ziemlich jeder getippt? Die Antwort: falsch. Mit einem 2:5 gegen den Tabellenvorletzten TSV Dagersheim ging die rekordverdächtige Botnanger Serie krachend futsch. Die bislang letzte Punktspielniederlage in der Festung Furtwängler Straße hatte es für die West-Stuttgarter im März 2024 gegeben gehabt, damals mit einem 1:2 gegen Beograd. Seitdem waren dort 24 Siege und drei Unentschieden gefolgt.

Warum es nun schief gegangen ist? Der Trainer Alexander Schweizer formuliert es kurz und knapp: „Wegen eines schrecklichen Auftritts von uns.“ Haben die Seinen den Gegner unterschätzt? Vielleicht. „Gute Vorbereitung, gutes Wetter, guter Kader. Und dann setzen wir von dem, was wir uns vorgenommen haben, gar nichts um“, beklagt Schweizer. Auch die jeweiligen Ausgleichstreffer von Edison Qenaj und Rick Hachenbruch brachten seine Elf nicht auf Kurs. Am Ende symptomatisch: Während die Gäste dreimal mit Volleyschüssen trafen, rums und drin, klappten beim eigenen Team selbst die einfachen Dinge nicht. So schoss Felix Dieringer den Ball beim Stand von 2:2 unbedrängt übers leere Tor.

VfL Herrenberg – SV Bonlanden

Zu den großen Gewinnern des Sonntags mussten somit andere avancieren. Stichwort TSV Musberg, siehe oben. Oder Stichwort Tabellenprimus TV Darmsheim, der nun mit vier Punkten Vorsprung führt. Oder auch Stichwort SV Bonlanden. Den Filderstädtern gelang nach dem turbulenten Nachholspiel-4:4 der Vorwoche eben in Darmsheim ein nächster Schritt aus der Hinrunden-Malaise. Aktuell siegten sie beim VfL Herrenberg mit 2:1. Wer wollte sich bei ihnen da noch daran stören, dass es selbst aus Sicht des eigenen Trainers Carmine Napolitano eher ein Duselerfolg war. „Zwei Tore aus eineinhalb Chancen – wir haben das nötige Spielglück gehabt“, sagt er.

Letzteres traf dann auch in Bezug auf zwei seiner Kicker zu. Just zwei eigentliche Sorgenkinder legten vor: Treffer eins markierten Agonis Berisha und Dennis Adam im Duett. Und Treffer zwei erzwang Adam mit energischem Einsatz zum gegnerisches Eigentor. Jener Berisha, um den Napolitano vor Kurzem noch wegen eines angeblichen Bandscheibenvorfalls das vorzeitige Saisonaus befürchtet hatte. Und jener Adam, der knielädiert monatelang nur Zuschauer gewesen war.

Haben die Bonlandener geblufft? „Einspruch“, sagt Napolitano. Berisha sprang als Nothilfe quasi aus dem Krankenbett ein, nachdem dort in Christian Weiller (Gehirnerschütterung bei Skiunfall) inzwischen noch ein anderer gelandet ist. Er ist laut Coach am Ende „wie ein alter Mann vom Platz gegangen“. Aber als zufriedener Mann, für dessen Mannschaft der Torhüter Luca Wiedmann dann mit einer Elfmeterparade den Sieg vollends eintütete.

Croatia Stuttgart – SV Nufringen

Zur Abstiegszone bleibt es mit vier Punkten Polster dennoch eng. Denn auch das nun auf dem Relegationsrang stehende Team von Croatia Stuttgart startete gut. Im Kellerduell mit dem SV Nufringen fuhren die Gastgeber ihren pflichtgemäßen dritten Saisonsieg ein, ein 3:0. Für sie machte schließlich ein Joker von der Bank alles klar. Der eingewechselte Robert Maric traf doppelt. Die beiden einzigen Wermutstropfen: Zum einen „musste es deutlich höher ausgehen“, moniert der Trainer Niki Oroz. Zum anderen, was deutlich trübender in den Freudenkelch fällt: In den nächsten Wochen wird der Coach wohl auf seinen Spielmacher Mario Mamusa verzichten müssen. Der Grund: ein später Aussetzer. Oder, wie Oroz es ausdrückt: „Eine äußerst dumme rote Karte.“

Nach einer eigentlich unbedeutenden Entscheidung um einen Ball im Seitenaus beschwerte Mamusa sich erst lautstark, dann kroatisch fluchend. Sein Pech: Der Schiedsrichter beherrschte die Sprache, verstand jedes Wort und schickte ihn vom Platz.

TV Echterdingen II – SV Rohrau

Bleibt aus Stuttgart/Filder-Sicht noch der Blick auf den TV Echterdingen II . In welcher Kategorie der sich einordnet? Fehlstart? Topstart? Für die Gelb-Schwarzen war es nach ihrem 1:1 gegen den SV Rohrau die goldene Mitte, auch vom Spielverlauf her. Nach einem „Sonntagsschuss aus dem Nichts im Rückstand“, wie der Trainer Sascha Blessing sagt, reichte es durch einen Treffer von Patrik Sapina wenigstens noch zum Remis. Die beiden großen Siegchancen vergab in der Endphase der eingewechselte Julien Boll.

Dass bei den Echterdingern dennoch keiner wirklich meckern will, mag auch mit den anderen Ergebnissen zu tun haben. Siehe Büsnau, Vaihingen, Cannstatt und Botnang – es hätte an diesem irgendwie seltsamen Liga-Auftakt 2026 ja auch anders, mithin schlechter kommen können. So waren die Echterdinger immerhin einer von nur zwei Vertretern aus den Top sechs der Tabelle, die nicht gleich auf der Nase gelandet sind.

Die Statistik zum Spieltag

TV Echterdingen II – SV Rohrau 1:1. Tore: 0:1 Holz (33.), 1:1 Sapina (55.). Besonderes: –

Croatia Stuttgart – SV Nufringen 3:0. Tore: 1:0 Stevanovic (10.), 2:0 Maric (85.), 3:0 Maric (90.+1). Besonderes: rote Karte für Mamusa (Croatia, 90./Schiedsrichterbeleidigung)

Spvgg Cannstatt – Spvgg Holzgerlingen 2:3. Tore: 1:0 Sefer (28.), 1:1 Horn (30.), 1:2 Mayer (32.), 2:2 Schulz (53.), 2:3 Kislat (90.+1). Besonderes: –

TV Darmsheim – VfL Oberjettingen 6:2. Tore: 1:0 Zweigle (15.), 1:1 Flister (30.), 2:1 Lindner (40.), 3:1 Schneider (52.), 3:2 Seeger (58.), 4:2 Schneider (69.), 5:2 Schneider (73.), 6:2 Lindner (78.). Besonderes: –

ASV Botnang – TSV Dagersheim 2:5. Tore: 0:1 Molodovski (15.), 1:1 Qenaj (23.), 1:2 Kristoffersen (45.+1), 2:2 Hachenbruch (48.), 2:3 Yesilirmak (55.), 2:4 Wichert (82.), 2:5 Mika Lehmann (90.). Besonderes: –

SV Deckenpfronn – SV Vaihingen 3:1. Tore: 1:0 Zervas (4.), 2:0 Wunsch (47.), 3:0 Schwarz (58.), 3:1 Mehl (90., Eigentor). Besonderes: –

TSV Jahn Büsnau – TSV Musberg 1:2. Tore: 0:1 Al Hariri (21.), 0:2 Frenzel Medina (44.), 1:2 Hetzel (68.). Besonderes: Alber (Musberg) wehrt Foulelfmeter von Hornung ab (89.); Gelb-Rot für Kristijan Cagalj (Musberg, 90.+2)

VfL Herrenberg – SV Bonlanden 1:2. Tore: 0:1 Adam (46.), 0:2 Böttinger (84., Eigentor), 1:2 Abalioglu (87., Foulelfmeter). Besonderes: Wiedmann (Bonlanden) wehrt Foulelfmeter von Franguere ab (73.)