Hat eine klare Vision: Tim Schumann vom SV Vaihingen. Foto: Archiv/Günter Bergmann

Tim Schumann ist seit dieser Saison Chefcoach beim SV Vaihingen. Nun wartet auf die Seinen eine brisante Begegnung.

Wenn am Sonntag um 13 Uhr der SV Vaihingen beim TV Echterdingen II antritt, treffen zwei Fußball-Bezirksligisten aufeinander, die eine besondere Rivalität abseits des Platzes verbindet. Der Grund: In der jüngeren Vergangenheit wilderten die Echterdinger immer wieder mal bei ihrem Gegner. Allein in diesem Sommer sind drei Nachwuchstalente vom Schwarzbach in die Goldäcker gewechselt (Wesley Acholonu, Ivan Cosic, Luka Koneski). Und auch der Torjäger Flon Ajvazi hat eine Vaihinger Vorgeschichte. Bittere Verluste für die jetzigen Gäste, deren Philosophie auf einer starken Jugendarbeit und Vereinsidentifikation beruht. Einer, der diesen Weg bei ihnen mitgestalten soll, ist Tim Schumann. Seit Sommer fungiert er als Cheftrainer.

 

Ob er in Anbetracht der Umstände mit einem besonders brisanten Spiel rechnet? „Von meiner Seite wird es da nichts geben“, sagt der 35-Jährige. Nicht umsonst lautet sein Credo: „Kühler Kopf, heißes Herz.“Anfang des Jahres war Schumann als Co-Trainer zum SV Vaihingen gestoßen, im Juli übernahm er nach dem Abgang von Jeremiah Geywitz dessen Cheftrainer-Posten. Die angespannte Stimmung gen Echterdingen ist ihm natürlich nicht verborgen geblieben. „Für den Verein ist es einfach ärgerlich, wenn die jungen Spieler nach so einem langen gemeinsamen Weg plötzlich gehen“, sagt der Coach, der auch Grundsatzkritik übt: „Fair geht’s doch selten zu, gerade bei den Transfers hat der Amateurfußball die Haftung verloren.“ Er weiß aber auch: „Talente abzuwerben ist das Normalste der Welt.“

Aus seiner Zeit als Trainer und Sportlicher Leiter bei den Frauen des VfL Sindelfingen ist er mit dem Geschäft ohnehin bestens vertraut. „Damals haben alle im Umkreis versucht, unsere Jugendspielerinnen abzuwerben“, erinnert sich Schumann. 2018 trat er die Doppelrolle beim damaligen Regionalliga-Team an, seinerzeit eine der Topadressen für Frauenfußball im Großraum Stuttgart. Rund drei Jahre später sollten sich die hiesigen Machtverhältnisse aber verschieben. „Der VfB hat seine Frauenabteilung gegründet, damit war die große Zeit des VfL Sindelfingen vorbei“, weiß Schumann. Unter anderem zog es auch seine Freundin zum großen Nachbarn und heutigen Zweitligisten: Jana Spengler war es, die Schumann einst zum VfL Sindelfingen brachte, später trainierte sie ein Jahr lang unter ihm. „Es ist beeindruckend, mit was für Sportlerinnen ich zusammenarbeiten durfte“, erzählt Schumann. In seinen sieben Jahren in Sindelfingen trainierte er auch Spielerinnen wie Steffi Schmid, die heute beim Erstligisten Carl Zeiss Jena kickt, oder Madeleine Steck, die später für Eintracht Frankfurt und den 1. FC Nürnberg ebenfalls Bundesliga spielte.

Entscheider auf und neben dem Platz

Was auffällt: Schumann fand sich schon in jungen Jahren in Führungspositionen wieder, auf und neben dem Platz. „Ich schreie quasi nach Verantwortung“, sagt er und lacht. Beruflich ist er als Kaufmännischer Leiter bei einem Verlag für Fachzeitschriften tätig, sportlich war seine Karriere auf dem Platz indes gesundheitsbedingt früh beendet. „Ich bin lieber ein Entscheider als ein Mitläufer“, sagt Schumann. „Ich gehe gerne die Extrameile und habe eine Vision.“

Beim SV Vaihingen lautet diese: Mittelfristig soll sich die Mannschaft im oberen Drittel der Liga etablieren, langfristig schielt der Coach auf die nächsthöhere Spielklasse. Aktuell sieht Schumann die Seinen auf einem guten Weg, zudem mache sich seine offensive Handschrift mehr und mehr bemerkbar – auch wenn in Fabijan Krpan das Prunkstück des Angriffs im Sommer verloren gegangen ist. Auch an dem 21-Jährigen baggerten die Echterdinger, in diesem Fall für deren Erste, stattdessen entschied sich Krpan aber für den Landesliga-Aufsteiger TSV Plattenhardt. „So viel Liebe hat Fabijan zum SV Vaihingen, als dass er zu Echterdingen wechselt“, sagt Schumann und lacht erneut.