Feuerbachs Torwart Mesumbe Kwene (links) rettete der Sportvg mit seinen Paraden in der Schlussphase des Derbys beim TSV Weilimdorf das 2:2-Remis Foto: Günter E. Bergmann

Der FC siegt trotz Unterzahl, der MTV erobert Rang zwei und Croatia geht wieder einmal unter.

Stuttgarter Norden - Mag auch an der Tabellenspitze der Fußball-Bezirksliga angesichts des erneut siegrechen Spitzenreiters N.AF.I. Stuttgart noch so viel Langeweile herrschen – auf den Rängen dahinter geht es ausgesprochen abwechslungsreich zur Sache. Da wäre etwa der MTV Stuttgart, der es zum ersten Mal seit seinem Aufstieg in die Bezirksliga auf den zweiten Tabellenrang geschafft hat – was er aber auch dem Ausrutscher des SV Sillenbuch verdankte. Der FC Stuttgart-Cannstatt knackte derweil in der Partie gegen Möhringen den Saisonrekord für Platzverweise, während Croatia Stuttgart nach zwei herben Niederlagen nun gegen den SV Ümmet Stuttgart eine noch deutliche Klatsche erlitten hat.

Kennen Sie den? N.A.F.I. Stuttgart verliert ein Spiel. Aber Scherz beiseite – natürlich hat sich der Spitzenreiter weder von dem Umstand beeindrucken lassen, dass einige Leistunsträger wie Adnan Akcan, Murat Öcal, Khaled Almalla oder Filip Anic fehlten. Auch nicht davon, dass der Gegner TSVgg Münster immerhin amtierender Vizemeister ist. Und auch nicht davon, dass sich Ali Parhizi schon nach 35 Minuten eine rote Karte einhandelte. „Er hat nur mit sich selbst gehadert, aber der Schiedsrichter hat das als Beleidigung ausgelegt“, nimmt N.A.F.I.-Coach Damir Bosnjak seinen Spieler in Schutz. Aber das fiel nicht ins Gewicht. Zwar stand es zu diesem Zeitpunkt 1:1, aber der Gast war da schon seinerseits in Unterzahl, weil sich TSVgg-Kapitän Daniel Schuch in der 25. Minute gegen Marcel Avdic nur mit einem Foul zu helfen wusste. Das bedeutete Rot für den Münsterer und Elfmeter für N.A.F.I., den der Gefoulte selbst verwandelte. Geschenkt, dass die konsequent verteidigenden Gäste zwischenzeitlich zum 1:1-Ausleich trafen. „Wir waren teilweise zu fahrlässig, aber es hat gereicht, dass Ugur Capar und Daniel Bosnjak einen guten Tag gehabt haben“, sagt Damir Bosnjak, dessen Bruder die Treffer zum 3:1-Endstand erzielt hatte.

Als der MTV Stuttgart am Sonntag den SV Bonlanden II durch die Tore von Willie Sauerborn und Raphael Hahn mit 2:0 bezwungen hatte und zudem die Resultate der Konkurrenz bekannt waren, musste Francesco Mazzella di Bosco erst einmal nachfragen. Der MTV-Coach erkundigte sich bei Robin Friess, einem der dienstältesten Spieler: „Waren wir eigentlich schon mal Zweiter?“ „Ich kann mich nicht erinnern“, lautete die Antwort. Kein Wunder – seit dem Aufstieg in die Bezirksliga in der Saison 2010/2011 war die bis dahin beste Platzierung der Elf vom Kräherwald Rang drei gewesen. Damit ist der MTV sozusagen doppelt Zweiter – denn da Hahn gegen Bonlanden II nur ein Mal traf, liegt er in der Torjägerliste noch einen Treffer hinter dem Führenden Adnan Akcan.

Der FC Stuttgart-Cannstatt ist auf den vorletzten Tabellenplatz zurückgefallen. Allerdings nur, was die Fairnesstabelle angeht. Im handelsüblichen Klassement rangiert das Team des Spielertrainer-Gespanns Recep Yildiz/Ümit Sahin nach dem 3:2-Erfolg über die Spvgg Möhringen auf Rang fünf. Nach dem Führungstreffer durch Bahar Hasanaj gerieten die Platzherren zwar zwischenzeitlich mit 1:2 in Rückstand, doch kurz vor Schluss glich Resul Eroglu für den zu diesem Zeitpunkt schon um zwei Mann dezimierten FC aus. Der Siegtreffer von Tamer Fara in der fünften Minute der Nachspielzeit zog übrigens wegen des zu ausgelassen Torjubels Gelb-Rot nach sich – der letzte von insgesamt vier Platzverweisen. Ohnehin haderte der FC-Spielertrainer mächtig mit der Leistung des Unparteiischen. „So was habe ich in meiner ganzen Karriere noch nicht erlebt“, zürnt Yildiz. „Wir werden uns beim Verband beschweren.“

Da gab es aber noch zwei weitere Trainer, die Grund zur Beschwerde hatten: Marco Scheel vom TSV Weilimdorf und Gökhan Dogan von der Sportvg Feuerbach. Scheel Kritik bezog sich darauf, dass sein Team trotz etlicher Tormöglichkeiten in Hälfte eins und den letzten zehn Minuten der Partie nur durch Hector Lara und Cesur Sevimli zu Treffern kam – und zudem zwischen diesen beiden starken Phasen komplett den Faden verloren hatte. Dogan wiederum warf seinem Team vor, die ersten 45 Minuten verschlafen zu haben. Erst durch den 1:2-Anschlusstreffer von Michele Cinque nach Freistoß von Erdinc Bozoglu sowie dem Platzverweis von Ibrahim Durmaz, der Hector Lara nach einem Wortgefecht umgestoßen hatte, weckte den Widerstandswillen der Feuerbacher. Worauf es der Sportvg gelang, die Unterzahl durch verstärkten Einsatzwillen wett zu machen. Das zahlte sich schließlich im 2:2-Ausgleichtreffer aus, den Cinque diesmal nach Freistoß-Vorlage von Mahran Hussein erzielte. Allerdings war dieses Tor wiederum der Weckruf für die Platzherren, die danach eifrig, aber glücklos das Tor der Gäste bestürmten. Die beiden besten Möglichkeiten des TSV vereitelte Sportvg-Schlussmann Mesumbe Kwene.

Dass manchmal auch energische Worte nicht helfen, musste Tomislav Babic, Spielleiter von Croatia Stuttgart, erfahren. Die Funktionärsriege des Clubs hatte die Kicker zur Aussprache gebeten. Grund waren die beiden herben Niederlagen, die das Team um Spielertrainer Ivan Jaric beim FC Stuttgart-Cannstatt und gegen die TSVgg Münster erlitten hatte. Und zunächst sah es so aus, als ob sich die Mannschaft im Spiel gegen den SV Ümmet Stuttgart besser als zuvor präsentieren würde. Die Kroaten verbuchten jedenfalls durch Dragan Zulj und Stanislav Vrcan zwei gute Tormöglichkeiten. Doch dann traf der Gast – und das Croatia-Team bekam in der Folgezeit keinen Zugriff mehr auf das geschehen. „Wir sind total auseinandergefallen“, sagt Babic. Innerhalb von 19 Minuten kassierten die Platzherren fünf Gegentore, darunter ein kurioses Eigentor zum 0:5: Keeper Igor Karacic hatte einen Ball abgewehrt, der im Gesicht von Mirko Plantic landete und von dort ins Netz prallte. Zwei weitere Treffer für den SV folgten nach der Pause, ehe die Gäste einen Gang zurückschalteten und dem kroatischen Club noch ein klein bisschen Ergebniskorrektur durch die Treffer von Pejo Grgic und Dario Mlikota erlaubten. Wobei das den Aufsteiger nicht davon abhielt, ebenfalls noch zweimal zu treffen.

Apropos Aufsteiger: „Ich glaube, dass uns der Sieg gegen Weilimdorf nicht gutgetan hat“, sagte Sven Peuckert, Trainer des TV 89 Zuffenhausen, nach der 0:2-Pleite beim Liga-Neuling VfB Obertürkheim. „Da haben wohl einige gedacht, dass es auch mit ein paar Prozent weniger geht.“ Ging es aber nicht. Die Zuffenhäuser verzeichneten ihre erste einigermaßen ernsthafte Torchance nach etwa 80 Minuten, als Moubaroukou Yakoubou den Ball aus zehn Metern über das Tor drosch. Anders die Gastgeber, die allerdings das Pech hatten, ihre Großchancen gleich im Dutzend zu vergeben. „Wie die Nationalmannschaft“, zog Peuckert den Vergleich. „Wenn wir zur Pause 0:5 hinten liegen, dann dürfen wir uns nicht einmal beschweren.“

In die Rubrik „ein Schritt vor, einer zurück“ reiht sich auch der Lokalrivale SSV Zuffenhausen ein. Vor Wochenfrist noch 4:0-Sieger in Möhringen setzte es nun eine 0:3-Pleite gegen die TSVgg Plattenhardt. „Was wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, war ganz in Ordnung“, sagte SV-Trainer Ingo Ramljak, der in dem Spiel auf Ilker Aybar, Davor Biljeskovic und Bedri Kurt hatte verzichten müssen. Doch spätestens nach dem Gegentreffer zum 0:2 war es mit der Moral der Zuffenhäuser vorbei. „Da haben wir vielleicht ein bisschen zu früh die Köpfe hängen lassen.“

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