Der abstiegsbedrohte Bezirksligist erlebt beim TSV Heimsheim einen Krimi und spielt erst in Über-, wenig später in Unterzahl. Der SV Kornwestheim gewinnt souverän beim TSV Münchingen.
„Solch ein Film ist in keinem Kino der Welt zu sehen“, ist Francis Pola, Trainer des SV Pattonville überwältigt vom 1:0-Sieg seiner abstiegsbedrohten Elf am Sonntag beim noch um den Aufstieg spielenden Dritten TSV Heimsheim. Nicht nur wie eine, sondern zwei Ewigkeiten habe es sich angefühlt, bis der Schiedsrichter in der 97. Minute schließlich abpfiff und die drei Punkte gegen den Favoriten im Sack waren.
Dass sich das Geschehen derart dramatisch entwickeln würde, war zunächst nicht abzusehen. Zum einen war Heimsheim ab der 21. Minute nur noch zu zehnt: Ein Stürmer erwischte Baris Akpolat mit ausgestrecktem Bein am Knie, als dieser den Ball wegschlagen wollte, und kassierte Rot. Ein Einwechselspieler stand bereits bereit, doch Akpolat konnte nach großen Schmerzen und langer Behandlungspause weiterspielen. Und zum anderen gelang Pattonville die 1:0-Führung: Grigorios Moissiadis fand im richtigen Moment die Lücke, lieferte sich mit Ball über 15 Meter ein Laufduell mit einem Verteidiger – und traf mit links flach ins kurze Toreck (42.).
Zwei Platzverweise binnen weniger Minuten
Doch die guten Voraussetzungen für einen Auswärtssieg waren bald darauf passé. Denn in der aufgrund der Behandlungspause langen Nachspielzeit kassierte Nabil Abder-Razzag ebenfalls eine Rote Karte. Er ließ sich in einer sehr unruhigen Phase unnötigerweise provozieren und stellte seinem Gegenspieler vor den Augen des Schiedsrichters ein Bein. Die sowieso schon personell umgebaute Abwehr-Dreierkette musste damit nochmals verändert werden. „In der Halbzeit habe ich dann gepredigt, dass auch der Gegner nur noch zu zehnt ist und daher erst einmal kommen muss. Und, dass wir uns auf nichts einlassen sollen“, sagt Francis Pola. Doch nur drei Minuten nach Wiederanpfiff war der SV Pattonville gar nur noch zu neunt, und damit nun selbst in Unterzahl. Denn: Als der Ball über den fallenden Ruslands Purins hinwegflog, streckte er den Arm aus, um den Ball zu bremsen. Die Folge: Gelb-Rot (48.).
Pattonville verteidigte fortan mit Mann und Maus. Was gut funktionierte, denn die Heimmannschaft fand keine Mittel, gefährlich zu werden. Erst tief in der sechsminütigen Nachspielzeit kam Heimsheim von der Strafraumecke per Volley zu einem guten Abschluss. Keeper Karl Birkeneder war aber auf dem Posten und parierte „sensationell“, wie es sein Trainer ausdrückt.
Pattonville holt damit drei wichtige Zähler im Kampf gegen den Abstieg und klettert gleich drei Plätze nach oben auf Tabellenrang elf – und somit aus der Abstiegszone.
Deutlich ruhiger ist es in der Auswärtspartie des SV Kornwestheim beim TSV Münchingen zugegangen. „Es hatte den Charakter eines Freundschaftsspiels. Nach den vielen Spielen inklusive Pokal sind bei uns die Köpfe aber auch leer“, sagt SVK-Coach Roberto Raimondo, dessen Team dennoch relativ souverän mit 3:1 die Oberhand behielt.
Dank der frühen Führung waren die Weichen auch schnell gestellt. Nach einer schönen Ballstafette steckte Issa Mira durch auf den gestarteten Marco Reichert. Der Kapitän lief mit Tempo auf den Keeper zu und behielt die Nerven (8.). Das war es allerdings mit Höhepunkten im ersten Durchgang.
Nico Schürmann trifft aus 40 Metern
In der zweiten Hälfte wollte sich der SVK etwas schwungvoller präsentieren. Das gelang laut Aussage des Trainers aber nicht wirklich. Immerhin: Die Anzahl der Torchancen ging nun deutlich nach oben. So erhöhte Kornwestheim bald auf 2:0 – und zwar sehenswert aus 40 Metern. Nico Schürmann hatte erkannt, dass der Keeper, der den Ball zuvor in Bedrängnis nach vorne geschlagen hatte, zu weit vor dem Tor stand. Schürmann schaltete schnell und überlupfte ihn aus der Ferne (55.).
In der Folge traf Ivan Stange den Innenpfosten, Marco Reichert die Unterlatte. Das Endergebnis hätte also noch höher ausfallen können. Zumindest folgte noch ein drittes Tor: Nach einer scharfen Hereingabe von außen beförderte ein Münchinger den Ball unfreiwillig ins eigene Netz (85.). Der Gegner bekam dann noch einen Elfmeter geschenkt, als ein Stürmer eher über die eigenen Füße gestolpert war (89.). Da die Partie bereits entschieden war, war der Ärger darüber aber schnell verflogen. Mit dem 3:1-Erfolg klettert Kornwestheim auf Rang sechs, bleibt Teil des oberen Tabellenfeldes – und kann sich nun in der Osterpause erholen.