Gökhan Öztürk (r.) erzielte gegen den FC Stuttgart-Cannstatt zwar die 1:0-Führung für Feuerbach. Doch den Vorsprung brachte die Sportvg nicht über die Zeit. Foto: Günter E. Bergmann

Der SSV Zuffenhausen siegt in Sillenbuch. An der Spitze punktet Weilimdorf weiter, N.A.F.I. verliert.

Stuttgarter Norden - Wer immer das Drehbuch für die aktuelle Saison in der Fußball-Bezirksliga geschrieben hat – Hochachtung. Denn auch am 27. Spieltag mangelte es nicht an überraschenden Wendungen im Handlungsverlauf. Da geht der Trudelflug des Titelanwärters N.A.F.I. Stuttgart ungebremst weiter und gipfelt in der fünften Saisonniederlage, was die Kluft zu Spitzenreiter TSV Weilimdorf auf fünf Punkte vergrößert. Da liefert der SSV Zuffenhausen im Abstiegskampf ein 3:1-Paukenschlagergebnis in Sillenbuch ab. Und da wird das Kellerduell zwischen dem TV 89 Zuffenhausen und Croatia Stuttgart in der Nachspielzeit zum Drama. Und in Feuerbach führen Pech und etwas Unvermögen dazu, dass die Sportvg wieder mitten im Kampf um den Klassenverbleib steckt.

Weitgehend problemlos hat der TSV Weilimdorf die Hürde TSVgg Münster gemeistert – eine Hürde, an der Titelrivale N.A.F.I. gescheitert war. „Ich muss meinen Jungs ein Lob aussprechen, weil sie dieses Spiel über 90 Minuten sehr konzentriert und zielstrebig bestritten haben“, sagt TSV-Trainer Marco Scheel. Schnell übernahmen die Weilimdorfer die Feldhoheit, doch es dauerte bis zur 38. Minute, bis sich das auszahlte. Nach einem Foul an Josip Casic entscheid der Unparteiische auf Strafstoß, den Samir Almalla sicher zum 1:0 verwandelte. Auch im zweiten Spielabschnitt ließ es der Tabellenerste nicht schleifen. In der 68. Minute veredelte Andreas Simic eine Flanke von Bojan Nikolic mit dem Treffer zum 2:0. Die Vorentscheidung, zumal die Gastgeber in der gesamten Spielzeit nur auf eine klare Torchancen gekommen waren. Kurz vor Schluss legte schließlich Daniel Baierle noch den dritten Treffer für die Weilimdorfer nach.

116 Treffer haben die Kicker von N.A.F.I. Stuttgart in dieser Saisons schon erzielt. Aber zurzeit hat die Torfabrik ein paar Produktionsstörungen. Denn gegen den MTV Stuttgart setzte es eine 1:2-Niederlage. „Nach unseren Ergebnissen in den vergangenen Wochen wollten wir einfach mal unser Image etwas aufpolieren“, scherzt MTV-Trainer Francesco Mazzella di Bosco. Vielmehr wollte sich die Elf vom Kräherwald für die 1:6-Hinspielklatsche revanchieren. Dass dies glückte, lag daran, dass der MTV seine Lehren aus dem ersten Duell mit N.A.F.I. gezogen hat und im zweiten Vergleich deutlich konsequenter verteidigte. So hatte der Titelanwärter zwar viel Ballbesitz, kam aber nur selten zu Möglichkeiten. Für das 1:0 bedurfte es allerdings einer Standardsituation. Erdem Ürün traf mit einem direkt verwandelten Freistoß nach 22 Minuten zum 1:0. In der 52. Minute hätte Ürün noch einen Treffer nachlegen können, verfehlte sein Ziel aber knapp. Stattdessen holte der MTV, der sich ab Mitte der ersten Hälfte immer besser in die Partie gekämpft hatte, zum Gegenschlag aus. Und der kam schnell, und er kam doppelt: In der 77. Minute schaltete Fadi Odesh nach einer Balleroberung am schnellsten und passte auf Willie Sauerborn. Letzterer legte für Ivan Mitrovic auf, der den Ball zum Ausgleich über die Linie drückte. Eine Minute später legte Sauerborn nach, als er im Anschluss an einen Eckstoß von Tom Kursawe per Kopf das 2:1 besorgte. In der verbleibenden Spielzeit versuchte N.A.F.I. zwar, das Blatt noch zu wenden. Doch Samet Yesil vergab kurz vor Schluss die letzte Chance des Titelanwärters. Entsprechend verärgert war N.A.F.I.-Coach Damir Bosnjak: „Von einer Mannschaft, die so viel Qualität hat wie meine, muss ich mehr erwarten können.“

Falls Bosnjak plant, den „Club erzürnter Übungsleiter“ zu gründen – in Gökhan Dogan, dem Coach der Sportvg Feuerbach, hätte er bestimmt ein neues Mitglied. Denn Dogan war nach dem 1:1 gegen den FC Stuttgart-Cannstatt richtig sauer auf sein Team. „Ein Sieg, und wir hätten den Klassenverbleib praktisch sicher gehabt“, zürnte Dogan. Dabei hatte es gegen einen ersatzgeschwächten FC gar nicht so schlecht begonnen. Die Platzherren waren überlegen , hatten schon nach fünf Minuten durch Gökhan Öztürk die erste Großchance und machten nach 21 Minuten und einer mustergültigen Vorarbeit von Achim Besser durch Öztürk auch den 1:0-Führungstreffer. Besser verpasste es wiederum, in der 45. Minute Tor Nummer zwei nachzulegen. Nach dem Seitenwechsel ließen es die Feuerbacher allerdings ein bisschen halbherzig angehen. Das sollte sich rächen. In der 46. Minute hatte Mert Bucan schon mit einem Weitschuss ein Zeichen gesetzt. In der 60. Minute tat er das noch einmal – mit dem wesentlichen Unterschied, dass der Ball diesmal im Tor der Sportvg einschlug. Der Ausgleich weckte die Gastgeber, die im Anschluss allerdings etliche hochkarätige Chancen ausließen. Halit Özcelik verzog freistehend und traf kurz darauf nur den Pfosten. Als sich kurz darauf Tuncay Yildiz aus dem Geschehen verabschiedete, weil der FC-Spieler sich zu einem Schubser gegen Erdinc Bozoglu hatte hinreißen lassen und deshalb die rote Karte sah, verstärkte die Sportvg ihre Bemühungen noch einmal. Allein, es brachte nichts. In der Schlussphase der Begegnung verpassten es sowohl Amir Limani als auch Bozoglu und Maximilian Eisentraut, aus aussichtsreicher Position den Siegtreffer zu erzielen.

Für eine faustdicke Überraschung hat der abstiegsgefährdete SSV Zuffenhausen gesorgt. Denn die Mannschaft von Interimstrainer Manfred Porubek gewann mit 3:1 beim SV Sillenbuch. Allerdings räumt Porubek ein: „Wir hatten eine halbe Stunde lang richtig Probleme mit dem Umschaltspiel der Sillenbucher.“ Doch in den gefährlichen Situationen schaffte es der SSV jedes Mal, ein Bein oder ein anderes Körperteil zwischen Sillenbucher Schützen und dem eigenen Tor zu bringen. Dennoch gingen die Platzherren in der 57. Minute mit 1:0 in Front, ehe der SSV-Coach ein „goldenes Händchen“ bewies: Marc Strohmaier, drei Minuten zuvor eingewechselt, traf in der 61. Minute zum Ausgleich. Fabian Eichner, ebenfalls eingewechselt, verwandelte in der 84. Minute nach Foul an Carmine Pescione den fälligen Strafstoß zum 2:1. Und schließlich beseitigte Pescione mit dem 3:1 in der 89. Minute alle Zweifel am achten Saisonsieg der Zuffenhäuser.

An dramatischen Momenten hat es in der Partie zwischen den Abstiegskandidaten TV 89 Zuffenhausen und Croatia Stuttgart wahrlich nicht gemangelt. Beide benötigten dringend einen Sieg, und so entwickelte sich ein kampfbetontes Spiel, in dem die Zuffenhäuser bereits in der 12. Minute in Führung gingen – durch einen Gegner. Nach Querpass von Moritz Albrecht hatte Branimir Marijanovic vor Kai Prechter klären wollen, den Ball aber dabei ins eigene Tor bugsiert. Der Treffer hatte auf den TV 89 allerdings eine unerwünschte Wirkung. „Danach haben wir das Fußballspielen eingestellt“, kritisierte Zuffenhau-sens Coach Sven Peuckert. Was wiederum zur Folge hatte, dass die Kroaten den Rückstand durch einen Doppelschlag von Anton Zovko und Kristijan Cagalj in der 52. und 58. Minute in eine 2:1-Führung verwandelten. Die letztendlich entscheidende Szene ereignete sich in der Nachspielzeit. Kai Prechter zog ab und traf aus kurzer Distanz den Croatia-Verteidiger Dario Mlikota. Zum Entsetzen der Kroaten entschied der Unparteiische auf Handelfmeter. „Mlikota wird eindeutig am Körper getroffen“, sagt Croatia-Coach Tomislav Babic. Und er bekommt Unterstützung durch seinen Amtskollegen Peuckert. „Ein sehr fragwürdiger Strafstoß.“ Prechter ließ sich die unverhoffte Chance trotzdem nicht entgehen und verwandelte 2:2 – ein Resultat, das dem TV 89 wenig nützt und die Chancen der Kroaten auf den Klassenverbleib weiter schrumpfen lässt.

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