Willie Sauerborn (vorne) vergab in der Anfangsphase der Partie gegen den SC Stammheim zwei gute Tormöglichkeiten für den MTV Stuttgart. Foto: Günter Bergmann

Fußball
Der Abstiegskandidat schlägt den TSV Rohr mit 5:1. Der SSV verpasst dagegen eine dicke Überraschung

Stuttgarter Norden - Titelanwärter gegen Abstiegskandidat, das gilt gemeinhin als klare Sache. Doch manchmal tut sich der Favorit auch rechtschaffen schwer, wie es zwei aktuelle Beispiele aus der Fußball-Bezirksliga beweisen. So schrammte Tabellenführer Türkspor Stuttgart mit dem 2:1 beim SSV Zuffenhausen nur knapp an einer Blamage vorbei. Und auch N.A.F.I. Stuttgart hat sich mit dem mühevollen 3:1 beim Schlusslicht FC Stuttgart-Cannstatt wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Wobei N.A.F.I. durch den 2:2-Patzer des SV Bonlanden nun wieder auf Rang zwei vorrückte. Apropos vorrücken: Die Sportvg Feuerbach machte einen Platz im Klassement gut – und dies, obwohl die Feuerbacher beim VfB Obertürkheim verloren hatten.

Ein gut gelaunter Sieger klingt anders als Damir Bosnjak, Trainer von N.A.F.I. Stuttgart: „Das einzig Positive an diesem Spiel ist, dass wir es gewonnen haben.“ Mit 3:1 und viel Mühe hatte sich der Meisterschaftskandidat beim Schlusslicht FC Stuttgart-Cannstatt durchgesetzt. Dessen Coach Ali Souli wiederum erfreute sich beinahe an allem – außer eben dem Resultat: „Wir haben zwar verloren, aber wir haben es wenigstens geschafft, N.A.F.I. richtig zu ärgern.“ Zwar verbuchte der Favorit zu Beginn der Partie gute Chancen, nutzte sie aber nicht. Und danach rannte sich die hochkarätig besetzte Offensive der Gäste immer wieder in dem Abwehrriegel fest, den der FC vor seinem Tor aufgebaut hatte. Souli hatte vor der Viererkette drei defensive Mittelfeldspieler aufgeboten. Etwas mehr als eine Stunde sollte es dauern, bis Denis Berger das Bollwerk knacken konnte und zum 1:0 für N.A.F.I. traf. Es hätte auch das 1:1 sein können, denn kurz zuvor hatte FC-Stürmer Konstantin Junakow eine Großchance zur Führung vergeben. Den Ausgleich für die Platzherren erzielte schließlich Filmon Woldezion, der in der 72. Minute einen indirekten Freistoß im N.A.F.I.-Tor unterbrachte. „Danach mussten wir Gas geben“, sagt Bosnjak. Sein Team tat das auch. Der eingewechselte Neuzugang Erdal Koyuncu und Berger machten binnen zwei Minuten aus dem 1:1 ein 3:1. Dass dann noch Ugur Capar einen Foulelfmeter über das Tor schoss, passte zu der Darbietung des Tabellenzweiten.

Normalerweise sind die Begegnungen zwischen dem MTV Stuttgart und dem SC Stammheim erstens unterhaltsam und zweitens torreich. Drittens könnte noch ergänzt werden, dass auch zumeist der SC gewinnt. Aber beim Aufeinandertreffen am Wochenende hielten sich die beiden Clubs ausnahmsweise einmal nicht an das sonst übliche Drehbuch. „Ein Spiel, das von Nervosität geprägt war“, urteilt SC-Coach Thomas Oesterwinter über die Nullnummer zwischen den beiden Vereinen. Wobei sich der MTV wenigstens als moralischer Sieger fühlen durfte. Denn er hatte etwas mehr vom Spiel und zudem die besseren Tormöglichkeiten gehabt. Schon in der Anfangsphase hatte Willie Sauerborn zwei gute Torgelegenheiten ausgelassen. Die beste Möglichkeit verbuchte jedoch Raphael Hahn in Hälfte zwei. Der Top-Torjäger des MTV steuerte allein auf Stammheims Schlussmann Erik Maier zu. „Bei so einer Szene kann man eigentlich die Augen zumachen und warten, bis man den Ball im Tornetz hört“, schildert MTV-Trainer Francesco Mazzella di Bosco. Ähnlich ging es auch seinem Stammheimer Amtskollegen. „Ich habe nur gedacht: Jetzt klingelt’s“, sagt Oesterwinter. Doch beide Übungsleiter sollten irren, denn Hahn legte den Ball noch einmal quer, statt selbst zu schießen. Die falsche Entscheidung, denn der Angriff verpuffte folgenlos. Und während Mazzella di Bosco noch den vergebenen Chancen nachtrauerte, konnte der SC-Trainer dem 0:0-Remis auch eine positive Seite abgewinnen: „Wir haben zwar zwei Punkte verschenkt, aber wenigstens einen geholt“, sagt Oesterwinter. „Damit bleiben wir noch auf Schlagdistanz zur Spitze.“

An Torgelegenheiten war auch in der Partie der Sportvg Feuerbach beim VfB Obertürkheim kein Mangel. „Es hätte auch 5:5 ausgehen können“, sagt Sportvg-Trainer Gökhan Dogan. Dass dem nicht so war, lag zunächst an dem Umstand, dass beide Torhüter einen ausgesprochen guten Tag erwischt hatten – was von den Offensivreihen beider Mannschaften nicht gerade behauptet werden kann. Beispielsweise scheiterte seitens der Sportvg Mahran Hussein in Hälfte eins frei vor dem VfB-Keeper. Den Nachschuss setzte Harun Sever an den Pfosten. Und in Durchgang zwei verpassten es Vaidas Rocys und Maximilian Eisentraut, die Gäste in Front zu bringen. Die verloren schließlich mit 0:1, weil sie eben einen Abwehrschnitzer mehr erlaubt hatten als die Gastgeber.

Der nächste im Bunde derer, die sich etwas mehr Treffsicherheit von ihrem Team gewünscht hätten, ist Emrah Uyar, Trainer des SSV Zuffenhausen. Dabei hatte die Partie gegen den Spitzenreiter Türkspor Stuttgart ausgesprochen gut für den SSV angefangen. Bereits in der 1. Spielminute landete ein Freistoß von Umut Yürük zum 1:0 für den Abstiegskandidaten im Türkspor-Tor. Allerdings verpassten es die Zuffenhäuser trotz bester Möglichkeiten, die Führung auszubauen. Zweimal verfehlte Dennis Schrenk und zweimal Umut Yürük freistehend ihr Ziel. „Wenn es nach 25 Minuten 4:0 für uns steht, darf sich keiner beschweren“, sagt Uyar. So stand es nur 1:0 – und auch wenn SSV-Torwart Björn Fante in der 28. Minute noch einen Handelfmeter abwehren konnte, musste er sich kurz darauf zum ersten Mal geschlagen geben. Kurz nach der Pause legte Türkspor das 2:1 nach. Die Gastgeber kämpften zwar nach Kräften, aber der Ausgleichstreffer sollte ihnen nicht mehr gelingen.

Für den Knalleffekt im Tabellenkeller sorgte Croatia Stuttgart. „Ich hatte zwar vor dem Spiel gedacht, dass wir den TSV Rohr schlagen können“, sagt Croatia-Coach Branimir Bresic. „Aber ich hätte nicht gedacht, dass es so deutlich wird.“ Am Ende gewannen die Kroaten mit 5:1. Ein Sieg mit vier Toren Unterschied war Croatia zuletzt beim 4:0 über die TSVgg Münster im April vergangenen Jahres gelungen. Seinerzeit hatte Pero Mamic zwei Tore erzielt und Kristijan Cagalj ein Mal getroffen – wie nun auch gegen die Rohrer. Und wie damals erzielte Mamic das 1:0. Die Gäste konterten die Führung zwei Minuten später mit dem Ausgleich. Doch Cagalj stellte in der 23. Minute auf 2:1, ehe Mamic den Vorsprung noch vor der Halbzeit auf 3:1 erhöhte. In der Pause redete Bresic seinem Team ins Gewissen: „Es war wichtig, dass die Jungs das Spiel noch nicht als gewonnen ansehen.“ Das taten sie auch nicht – Haris Vrabac vollendete in der 49. Minute zum 4:1. Tor Nummer fünf war ein Eigentor von Marius Rehm, der den Ball eigentlich vor dem einschussbereiten Stanislav Vrcan klären wollte. Und auch wenn die Rohrer nie aufsteckten – der höchste Sieg der Kroaten nach knapp einem Jahr geriet nicht mehr in Gefahr.

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