Erinnerung an längst vergangene Zeiten: Alexander Wellert trifft im März 2023 per Elfmeter zum 4:3 für die SKV Rutesheim gegen den SSV Ehingen-Süd. Foto: Andreas Gorr

Der Ex-Fußballer der SKV Rutesheim schlägt nach dem unfreiwilligen Rücktritt zunächst beim TSV Merklingen den Weg des Trainers ein – doch zuvor steht eine OP an.

David Odonkor. Hansi Flick. Uli Hoeneß. Alexander Wellert. Zugegeben, der letzte Name passt nicht so wirklich in die Liste, weil die drei anderen Profi-Fußballer waren und der Mann aus Rutesheim es lediglich zu Einsätzen bis in die Verbandsliga gebracht hat. Aber sie alle eint, dass sie unter ihre Karrieren gezwungenermaßen einen finalen Strich ziehen mussten, noch bevor sie ihren 30. Geburtstag gefeiert haben.

 

Odonkor, WM-Dritter 2006 mit mit dem deutschen Nationalteam, kapitulierte mit 29 vor seinem Knie, für Ex-Bundestrainer Flick war wegen Dauerblessuren mit 28 Schluss, Hoeneß, der Grande des FC Bayern München, stellte wegen eines Knorpelschaden die Kickschuhe mit 27 beiseite – und Alexander Wellert war knapp 29, als er im Juni 2023 einen Knorpelschaden im Fuß erlitt und deshalb kein Jahr später seinen Spielerpass bei der SKV Rutesheim in den digitalen Papierkorb verschieben ließ.

„Ich konnte mich darauf ja ein Stück weit einstellen, weil ich nach der Verletzung permanent Probleme hatte und sich das Aus ankündigte“, erzählt der einstige Verteidiger, „aber der Anfang war schon sehr hart.“ Plötzlich kein Training, kein Spiel mehr, lieb gewonnene Routinen fehlten; man gehört nicht mehr so ganz zum Team, auch wenn man regelmäßig am Spielfeld als Zuschauer steht oder immer wieder im Training vorbeischaut. Das Kicken fehlte dem Mann, der als Vierjähriger begonnen hat, einen Ball zu treten. „Ich hätte mein Karriereende gerne selbst bestimmt“, sagt er im März 2025.

Spezialist fürs Verteidigen

Der Volksmund weiß: Und wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her. So auch bei Alexander Wellert, der im November das Angebot bekam, als Co-Trainer beim abstiegsbedrohten Bezirksligisten TSV Merklingen einzusteigen und mit seiner Fachkenntnis in Defensivfragen helfen sollte, den brüchigen Abwehrdamm des TSV zu stabilisieren. Bis zu seinem Engagement hatten die Merklinger in zwölf Spielen satte 45 Gegentore kassiert. In fünf Liga-Partien mit Wellert an der Auslinie waren es nur noch fünf – als Wellert anheuerte, waren die Merklinger Schlusslicht, aktuell stehen sie auf Platz neun. „Das ist ein kleiner Erfolg, der mich freut“, sagt er.

Hohe Anspannung als Co-Trainer

Dabei besitzt der Linksfuß keine Erfahrung als Coach – er kann lediglich auf die Erlebnisse zurückgreifen, die er als Spieler der SKV Rutesheim in mehr als zehn Jahren bei verschiedenen Coaches erfahren hat; da waren Rolf Kramer, Jens Eng sowie der aktuelle SKV-Cheftrainer Christopher Baake. „Das sind gute Leute, da habe ich einiges Wertvolles mitgenommen“, berichtet der Co-Trainer-Neuling, „und ich habe mich im Internet entsprechend informiert, da gibt es ausreichend Material.“ Von TSV-Spielertrainer Gianluca Crepaldi holt sich Wellert schließlich auch noch nötigen neuen Input, um eine Trainingseinheit zu planen und sich auf ein Spiel vorzubereiten. Das war ein ordentliches Stück Arbeit, aber „ich hatte schon von jeher vor, einmal als Trainer zu arbeiten“, betont der 1,90-Meter-Mann, „jetzt ist es früher als erwartet so gekommen.“

Die Rolle des Verantwortlichen für ein Team, die passt zum Wesen des 30-Jährigen. Bereits als Kapitän der SKV war Wellert einer, der voranging, der laut wurde, wenn es laut werden musste, für den Verantwortung mehr war als nur ein Substantiv, sondern eine Einstellung. „Mir war immer daran gelegen, ein Spiel zu ordnen“, sagt er. Das wird als Co-Trainer auf dem Spielfeld nicht mehr können, diesen Umstand muss man mental erst mal akzeptieren. „Die Anspannung vor und während eines Spiels ist eine andere, weil man nicht direkt ins Geschehen eingreifen kann“, erzählt Alexander Wellert. Auch das ist ein Lernprozess, den alle Trainer-Novizen durchlaufen.

Sechs Wochen Krücken nach OP

Natürlich will Alexander Wellert die nötigen Trainerscheine machen, bislang war das nicht möglich, weil er wegen des Knorpelschadens viele Übungen nicht leisten konnte – am Dienstag wurde der Rutesheimer in Augsburg am lädierten Fußgelenk operiert, sechs Wochen an Krücken folgen. Wenn alles verheilt ist, sollte Wellert wieder einsatzbereit sein. „Ich werde nicht mehr Fußball im Wettkampf spielen können“, erzählt er, „Übungsformen zu demonstrieren und kleinere Kicks im Training sollten möglich sein.“

Übrigens: David Odonkor (40) hat sich als Trainer kleinerer Clubs versucht, taucht aber heute verstärkt in Spiel- und Promishows im Fernsehen auf, Flick (60) war Bundestrainer und ist aktuell Coach des FC Barcelona, Hoeneß (73) genießt sein Lebenswerk FC Bayern München, das er als Manager entscheidend auf den Weg gebracht hat. Wo die Trainer-Karriere des Alexander Wellert endet, wer weiß? Zunächst führt seine Route zurück zu seinem Heimatverein. Von Sommer an ist der 30-Jährige Co-Trainer der SKV Rutesheim, alles Weitere wird sich zeigen.