Sechs auf einen Streich. Auch Tyron Ferrari war beim furiosen Auftritt gegen den Tabellenführer unter den Vaihinger Torschützen. Foto: Eibner-Pressefoto/Carsten Schwer

Der SV Vaihingen setzt mit einem 6:3 gegen den Tabellenführer das Ausrufezeichen des Tages. Derweil baut ein Nachbar eine tolle Serie aus und gibt es in Bonlanden Lob für den Längsten.

Vielleicht sollte sich der SV Vaihingen die Nummer für den Apothekenschrank patentieren lassen. Eine bessere Medizin war jedenfalls kaum möglich. Da liegt der Trainer zuhause krank im Bett. Und was macht seine Mannschaft? Schickt als Genesungswunsch sechs Tore gegen den Tabellenführer. 6:3 gegen den TV Darmsheim! Es ist dies das balkengroße Ausrufezeichen des achten Spieltags der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen. Eines, das in den Hintergrund rücken lässt, dass der Kickersonntag durchaus auch sonst noch etwas zu bieten hatte. Zum Beispiel eine allmählich rekordverdächtige Serie des Aufsteigers ASV Botnang. Oder den guten Einstand des neuen Trainers bei Croatia Stuttgart.

 

SV Vaihingen – TV Darmsheim

Freilich, sechs auf einen Streich, damit vermochte nur der SV Vaihingen aufzuwarten. Und das zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit. Vor zwei Wochen hatte sich schon der Vorjahresdritte Spvgg Cannstatt am Schwarzbach ein halbes Dutzend Gegentore eingefangen (2:6). Nun musste auch der Spitzenreiter Darmsheim erkennen: Wehe, wenn diese Vaihinger Mannschaft in Fahrt kommt. Dem ersten Statement ist mithin ein zweites gefolgt. Und auch wenn die Verantwortlichen des Filderclubs daraus nach wie vor nichts für eine etwaige Rolle im Aufstiegsrennen ableiten wollen, so wagt der Co-Trainer Marco Eichler immerhin diese Aussage: „Unser Ziel ist es, das eigene Stadion überhaupt zu einer Festung zu machen.“

Eichler kam unverhofft zu seinem Debüt als Chef an der Seitenlinie. Den eigentlichen Coach Tim Schumann setzte ein Magen-Darm-Infekt matt. Ihm blieb nur der Liveticker. Doch ließen sich die Seinen weder durch diesen Ausfall noch weitere namhafte Verluste stoppen.

Der letztjährige Toptorjäger Fabijan Krpan ja inzwischen weg nach Plattenhardt, dazu kein David Hug (Ohrenentzündung), dazu kein Rüchan Pehlivan (starke Erkältung) – wer gedacht hatte, spätestens damit müsste die Mannschaft nun aber doch wirklich ein Sturmproblem haben, der wurde furios eines Besseren belehrt. „Wir haben unseren Matchplan durchgezogen. Darmsheim war allerdings auch ein bisschen neben der Spur“, sagt Eichler. Mit einem energischen Pressing erzwangen die Gastgeber Ballgewinne zuhauf und nutzten zudem die Fehler ihres Kontrahenten aus. Als Toredoppelpacker glänzte der Älteste des Aufgebots: Maximilian Eisentraut erlebt gerade seinen zweiten Frühling. In der vergangenen Saison hatte der mittlerweile 36-Jährige insgesamt dreimal getroffen, nun steht der Zähler für ihn bereits bei fünf.

Sinnbildlich für das Geschehen der Begegnung stand schließlich Eisentrauts aktuell erster Streich: Ein Rückpass der Gäste hoppelte an deren verdutztem Keeper vorbei an den Pfosten des eigenen Tors, der Vaihinger Oldie staubte ab.

TSV Jahn Büsnau – VfL Herrenberg

In der Tabelle ist es für das Schumann’sche Trainerpatient-Team damit nun schon Platz drei, nur noch drei Punkte hinter dem aktuellen Kontrahenten – und einen hinter der bisherigen Überraschungsmannschaft der Runde. Der TSV Jahn Büsnau weiterhin Zweiter? Auch das passt in die Kategorie „Staunen ist erlaubt“. Mit einem 2:1 gegen den VfL Herrenberg wahrte der Klassenneuling seine makellose Heimbilanz. Viertes Saisonspiel am Adolf-Engster-Weg, vierter Sieg. Nebensache dabei, dass es diesmal keiner mit dem Prädikat „spektakelträchtig“ war, sondern ein eher solide erarbeiteter. „Wir sind defensiv gut gestanden und haben unsere Chancen in den richtigen Momenten verwertet“, konstatiert der sportliche Leiter Ralf Lenhardt.

Vorne richteten es Johannes Schneider und Marc Hetzel im Duett. Beide trafen je einmal und legten je einmal für den anderen auf. Krachend Hetzels 2:0: Er hämmerte den Ball aus zwölf Metern unter die Latte. Hinten kam derweil das nötige Glück hinzu. Weitaus weniger Dampf war hinter einem Elfmeter der Gäste, den deren Torjäger Steven Franguere vergleichsweise kläglich vergab.

Dass für die Büsnauer hiernach nun gar ein Gipfelduell folgt, am nächsten Sonntag auswärts beim Immer-noch-Ersten Darmsheim? „Um Gottes Willen, hätte uns das vor Saisonbeginn einer gesagt. . .“, kann es Lenhardt kaum fassen. Alle bitte selbst einmal zwicken. Aber: die Vorfreude sei „natürlich groß“, obgleich dann erneut einer der wichtigsten Spieler fehlen wird. Der Verteidiger Fermin Wences hat sich für sechs Wochen in seine Heimat USA verabschiedet.

ASV Botnang – SV Nufringen

Aktuell war es für die Stuttgarter Aufsteiger dann überhaupt ein guter Tag. Auch der ASV Botnang konnte jubeln, in seinem Fall über den zweiten Saisonsieg, ein 5:2 gegen den SV Nufringen. Und auch die Mannschaft des Trainers Alexander Schweizer baute damit eine Erfolgsserie aus: Sie ist an der heimischen Furtwängler Straße in Punktspielen gar seit 19 Monaten ungeschlagen. Die dort bislang letzte Niederlage datiert vom März 2024, damals noch in der Kreisliga A gegen Beograd (1:2). Seitdem haben die Botnanger zuhause 20 Siege und drei Unentschieden eingefahren. „Wahnsinn“, findet Schweizer.

Der Unterschied zu den vorherigen Comeback-Auftritten in der Bezirksliga: Diesmal präsentierten sich die Seinen offensiv kaltschnäuzig. Für den nötigen Flow sorgte der Trainerbruder Daniel Schweizer mit einem früh verwandelten Elfmeter nach Foulspiel an Madi Ceesay. Danach Lob vom Coach unter anderem für „den Mann, der bei uns die Birne hinhält“ sowie „unseren kroatischen Bomber“. Rick Hachenbruch erhöhte in der zweiten Hälfte per Kopf, und Mateo Prajo legte mit einem Gewaltschuss nach. Vom linken Strafraum-Eck mit Karacho in den Winkel. Für den Gästetorhüter hieß es: Ohren anlegen. „Ich glaube, er hat den Ball nur noch rauschen gehört“, sagt Schweizer, der nun etwas bange auf das Ergebnis einer MRT-Untersuchung wartet. An diesem Dienstag soll sich klären, wie schwerwiegend die Knöchelverletzung seines Leistungsträgers Marouan Abarriche ist.

Spvgg Cannstatt – Croatia Stuttgart

In dieser Hinsicht sind die Botnanger und die Spvgg Cannstatt Schicksalsgenossen. Die Neckarstädter harren ihrerseits einer Diagnose für den im Training umgeknickten Angreifer Claudio Caruso. Einstweilen musste der Trainer Damian Nagler im insgesamt ausfallgeplagten Kader erneut improvisieren – und kam am Schluss nicht um eine schulterzuckende Erkenntnis umhin: nichts zu machen. Der gegnerische Strafraum war vernagelt, erst gar nicht zu reden vom Tor. Gegen den Tabellen-14. Croatia Stuttgart reichte es nur zu einem 0:0. „Der Gegner hat sehr gut verteidigt“, bescheinigt Nagler. „Wir selbst hatten gefühlt 80 Prozent Ballbesitz, aber Ballbesitz allein schießt halt keine Tore.“ Die beste von ganz wenigen Chancen endete nach einem Lupfer des eingewechselten Jeffrey Frimpong am Pfosten.

Demgegenüber ging die Croatia-Taktik auf. Jene lautete eben: erst einmal dicht machen. „Wir hatten zuletzt zu viele Gegentore gekriegt. Diesmal wollten wir auf Biegen und Brechen die Null halten“, sagt Niki Oroz zu seinem Rückkehr-Auftritt im Trainerjob. Wie berichtet soll der eigentliche Spielleiter nach der Trennung von Josip Radeljic zumindest bis zur Winterpause in einer Doppelrolle fungieren. Mit dem Remis sind die Kroaten zwar auch nach dem achten Spieltag noch ohne Sieg. Doch sieht Oroz im Ergebnis „in unserer jetzigen Phase einen Punktgewinn“, mit der Überzeugung: „Wir werden nicht lange im Tabellenkeller bleiben.“

VfL Oberjettingen – SV Bonlanden

Freilich, mit Tipps und Prognosen ist es in dieser Liga so eine Sache. Auf den untersten Stufen des Klassements hätte wohl auch keiner den VfL Oberjettingen erwartet. Der war zum gleichen Saisonzeitpunkt vor einem Jahr noch Zweiter, nun ist er Letzter. Da half auch alle aktuelle Gegenwehr nichts. „Die haben in der Endphase die Brechstange ausgepackt“, berichtet ein schwitzender Carmine Napolitano, Trainer des SV Bonlanden. Letztlich zitterte er mit den Seinen eine 2:1-Führung über die Zeit.

Zwei Standards verhalfen zu den mühsam erkämpften Auswärtspunkten. Zweimal Ecke, Kopfball, Tor. Yannic Poet und Agonis Berisha waren die Schützen. Napolitanos Lob geht indes an Julian Schock. Der gefiel in ungewohnter Rolle als Rechtsverteidiger. „Wahrscheinlich der längste Außenverteidiger, den ich jemals im Einsatz hatte“, sagt Napolitano lachend über seinen 1,96-Meter-Mann. Aber: „Er hat es super gemacht.“

Eine Auszeichnung, zu der für die Bonlandener insgesamt immer noch viel Luft nach oben ist. Die Ausrufezeichen setzen in dieser Saison nach wie vor andere. Doch auch anno 24/25 haben Napolitano und seine Kicker das Feld dann ja irgendwann von hinten aufgerollt.

TSV Musberg – TV Echterdingen II

Das Spiel hat wegen des Krautfests bereits in der vergangenen Woche am Donnerstag stattgefunden. Spielbericht siehe hier.

Die Statistik zum 8. Spieltag

TSV Dagersheim – Spvgg Holzgerlingen 0:1. Tore: 0:1 Horn (66.). Besonderes: –

TSV Musberg – TV Echterdingen II 1:2. Tore: 0:1 Kienzle (21.), 1:1 Kappeler (36.), 1:2 Ajvazi (61.). Besonderes: –

SV Deckenpfronn – SV Rohrau 1:3. Tore: 0:1 Müsel (5., Foul-elfmeter), 1:1 Kevin Wolf (35.), 1:2 Holz (56.), 1:3 Marvin Wolf (61., Eigentor). Besonderes: –

TSV Jahn Büsnau – VfL Herrenberg 2:1. Tore: 1:0 Schneider (30.), 2:0 Hetzel (62.), 2:1 Diederichs (66.). Besonderes: Hochschein (Büsnau) wehrt Foulelfmeter von Franguere ab (25.)

ASV Botnang – SV Nufringen 5:2. Tore: 1:0 Daniel Schweizer (5., Foulelfmeter), 2:0 Hachenbruch (35.), 2:1 Berner (45.+1), 3:1 Hachenbruch (69.), 3:2 Schmolla (75.), 4:2 Prajo (78.), 5:2 Daniel Schweizer (90.). Besonderes: –

VfL Oberjettingen – SV Bonlanden 1:2. Tore: 0:1 Poet (3.), 0:2 Berisha (76.), 1:2 Karakum (85.). Besonderes: –

Spvgg Cannstatt – Croatia Stuttgart 0:0. Tore: – . Besonderes: –

SV Vaihingen – TV Darmsheim 6:3. Tore: 0:1 Hirth (2.), 1:1 Dreher-Adenuga (11.), 2:1 Eisentraut (29.), 3:1 Ferrari (45.), 4:1 Dürr (45.+1), 4:2 Lindner (50.), 5:2 Eisentraut (78.), 5:3 Lindner (84.), 6:3 Müller (85.). Besonderes: Gelb-Rot für Hirth (Darmsheim, 56.)