Der SV Bonlanden bleibt das Team für die Highlight-Spiele. In Echterdingen muss ein Feldspieler ins Tor. Croatia wechselt die Niederlage ein. Und der Kleinste düpiert vier Lulatsche.
Eine Echterdinger Mannschaft mit einem Feldspieler im Tor, ein Cannstatter Trainer mit dickem Hals und in der Tabelle der nächste Führungswechsel – die Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen hat einen turbulenten 19. Spieltag hinter sich. Neuer Erster ist wieder der TV Darmsheim, der davon profitiert, dass ein anderer seinen Ruf als Spitzenreiter-Schreck gefestigt hat. Ja, der SV Bonlanden hat es erneut getan und nun auch den SV Vaihingen gestürzt. Rollen die Filderstädter am Ende etwa noch das Feld von hinten auf?
SV Bonlanden – SV Vaihingen
Carmine Napolitano, das Schlitzohr auf der Trainerbank, hat jedenfalls recht behalten. Augenzwinkernd hatte er es ja schon vor dem Anpfiff gewusst: Diesmal kann für die Seinen nichts schief gehen. Der Tabellenführer als Gegner? Wenn der Spielplan diese Konstellation beschert, dann ist eines mittlerweile fast so sicher wie das Amen in der Kirche: Dann sind Napolitanos Kicker des SV Bonlanden da. An diesem Sonntag waren aller guten Dinge drei. Der Spitzenreiter-Schreck hat zum dritten Mal innerhalb von zwölf Monaten zugeschlagen: Nach dem TSV Plattenhardt (2:1) in der vergangenen und den Darmsheimern (4:2) in dieser Saison war nun der SV Vaihingen als nächstes „Opfer“ an der Reihe. Endstand: 3:1.
„Die Mannschaft hat vor allem in der zweiten Halbzeit gezeigt, dass sie sich etwas vorgenommen hatte“, sagt Napolitano. Nach einem Kontertreffer ausgerechnet ihres Ex-Teamkollegen Rüchan Pehlivan zum Pausenrückstand drehten die Schwarz-Weißen die Begegnung noch. Dabei bestätigte einer seinen aktuellen Torriecher: Dennis Adam stand zweimal an der richtigen Stelle und staubte ab – für den Langzeitverletzten der Hinrunde bereits seine Treffer Nummer vier und fünf seit seinem Wintercomeback. Lob hat Napolitano indes nicht nur für ihn. Auch sein Ersatzmann zwischen den Pfosten machte einen guten Job: Der Youngster Jonas Aisslinger sprang kurzfristig für den kranken Luca Wiedmann ein. Die Leistungsbewertung seines Coachs: „Sensationell, der Junge. Für mich ist er der beste zweite Torwart der Liga.“
Bleibt als einziges Aber: warum nicht immer so? Warum laufen die Bonlandener in solchen Highlight-Spielen zur Glanzform auf, in anderen aber nicht? „ Komisch“ findet dies auch Napolitano und fügt seufzend an: „Gegen Gegner, die hinten stehen, verkacken wir es dann wieder.“ Wo nur könnte sein Team sonst in der Tabelle stehen? So ist es für den ursprünglichen Titelmitfavoriten weiterhin nur Platz sieben – allerdings mit schrumpfendem Abstand nach vorn. Geht bei inzwischen nurmehr sechs Punkten zum Relegationsrang im Aufstiegsrennen doch noch was? Für nächste Saison hat der Ex-Oberligist in seinem Kader jedenfalls schon Nägel mit Köpfen gemacht. Fast alle Stammkräfte bleiben. Die drei, hinter denen noch Fragezeichen stehen, sind: Tobias Scharnreithner (wahrscheinlich Auslandssemester in Österreich), Christian Weiller (eventuell Studium in Konstanz) und der derzeit verletzte Torjäger Agonis Berisha, bei dem es nach seinem Bandscheibenvorfall vom Gesundheitszustand abhängen dürfte.
Demgegenüber ist der SV Vaihingen seine Tabellenführung mit der Niederlage nach nur einer Woche wieder los. Bestätigt sieht sich dessen Trainer Tim Schumann in seiner Einschätzung: „Die Liga ist brutal ausgeglichen. Von den ersten zehn könnte eigentlich jeder ganz oben stehen.“ Hadern lässt ihn weniger das Spielergebnis als dessen Entstehung. „Drei Standards, drei Gegentore – das ist zu billig“, moniert Schumann. Freilich, ins Gewicht fiel auch die angespannte eigene Personalsituation. Außer dem Pechvogel David Hug (wie berichtet Kreuzbandriss) mussten auch die Leistungsträger Max Schilling (muskuläre Probleme) und Nico Breuer (krank) passen.
Dagegen feierte der Winterzugang Marius Kappeler als rechter Verteidiger seine Einsatzpremiere. Der 25-Jährige, bisher beim südbadischen Landesligisten FV Möhringen unter Vertrag, kommt seinerseits aus einer langen Verletzungspause (ebenfalls Kreuzbandriss). Überzeugt ist Schumann: „Geben wir ihm die nötige Zeit, wird er ein Topspieler für den SV Vaihingen."
Spvgg Holzgerlingen – ASV Botnang
Der zweite große Gewinner des Spieltags neben dem SV Bonlanden heißt derweil ASV Botnang. Mit seinem 3:1 beim amtierenden Vizemeister Spvgg Holzgerlingen hat auch der Aufsteiger ein weiteres Ausrufezeichen gesetzt – samt Begleiterscheinung, ob welcher an der Furtwängler Straße manch einem allmählich mulmig wird. Da sind es nur noch zwei Punkte zu Rang eins. „Langsam unheimlich“, sagt der Trainer Alexander Schweizer beim Blick auf die Tabelle und lacht, wissend, dass ihm mehr und mehr die Tiefstapel-Argumente ausgehen.
Die Botnanger haben einen Lauf, nach Schweizers Einschätzung begünstigt durch ihre Ausgangsposition: „Wir haben keinerlei Druck. Wir können frei aufspielen“, weiß der Coach. Gesagt, getan auch an diesem Sonntag wieder. Nachdem Edison Qenaj eine Viertelstunde vor Schluss mit einem schönen Schlenzer der Ausgleichstreffer gelungen war, war an der Seitenlinie ein kurzer Gedankenaustausch angesagt. Nun Ergebnissicherung oder Vollgas auf Sieg? Schweizers „Co“ Tobias Schölzel plädierte für Variante zwei. Also dann. Folge: Mit einem Letzte-Minuten-Doppelschlag tütete die eigene Mannschaft den nächsten Dreier ein. Zum Matchwinner wurde der eingewechselte Daniel Schweizer, der nach zwei Steckpässen jeweils abgezockt einnetzte. Dem Bruder des Trainers war zunächst nur ein Bankplatz geblieben, weil er unter der Woche beruflich bedingt gefehlt hatte.
Auch das hätte bei den Botnangern vor Rundenbeginn wohl keiner für möglich gehalten: dass man sich einmal einen solchen Luxus erlauben kann. Es war somit der Teilverzicht auf den letztjährigen Torschützenkönig der Aufstiegssaison.
VfL Oberjettingen – TSV Jahn Büsnau
Dagegen kehrt beim zweiten lange furiosen Stuttgarter Klassenneuling gerade ein Stück weit Ernüchterung ein. Beim TSV Jahn Büsnau ist man weiter auf der Suche nach der tollen Hinrundenform. Aktueller Stimmungsdämpfer: Im Auswärtsduell mit dem abgeschlagenen Schlusslicht VfL Oberjettingen kam das Lenhardt-Team trotz Überzahl nicht über ein 2:2-Unentschieden hinaus. Nach Gelb-Rot für den Gegner waren die Gäste 40 Minuten lang in Überzahl. Jedoch: Dem Elfmeter-Führungstreffer des Torjägers Marc Hetzel nach Foul an Nahuel Cascia Rica sollte noch ein dickes Ende folgen. Flanke, Kopfball, gegnerischer Ausgleich in der Nachspielzeit.
„Wir hatten viel Ballbesitz und haben viel versucht, gelungen ist uns aber nur wenig“, sagt der verletzt unter den Zuschauern weilende Kapitän Sebastian Lenhardt. Seine Beobachtung: „Die Oberjettinger haben bis zum Umfallen gekämpft – die hatten den größeren Willen als wir.“ Daran änderte sich auch nichts Entscheidendes mehr, als sich das Trainerduo Dominik Lenhardt und Yannik Breuninger erstmals in dieser Saison selbst einwechselte.
SV Nufringen – Spvgg Cannstatt
Während die Büsnauer gleichwohl in der Spitzengruppe verweilen, befindet sich die Spvgg Cannstatt dort auf Abschiedskurs. Für deren Trainer Damian Nagler steht nach dem bitteren 2:3 in Nufringen, der dritten Niederlage im vierten Rückrundenspiel, fest: „Dieser Zug ist abgefahren.“ Zumal die aus seiner Sicht „richtig dicken Bretter“ erst in den nächsten Wochen als Gegner kommen. Und, noch mehr: weil vor allem die eigenen Leistungen von Liga-Topniveau gerade etwa so weit entfernt sind wie der FC St. Pauli vom Einzug in die Champions League.
Nagler, daraus macht er keinen Hehl, hat einen dicken Hals. „Das ist insgesamt gerade einfach zu wenig“, sagt er, „manch einer in der Mannschaft muss sich mal fragen, ob das reicht, was er bringt.“ Dass auch diesmal wieder mehrere Stammkräfte fehlten, verletzt oder urlaubsbedingt, ist dann halt so. „Aber Mindestattribute wie Laufen und Kämpfen“ sollten es aus Sicht des Coachs schon trotzdem sein.
Am Ende kostete ein verkorkster Auftritt mit rekordverdächtigen vier (!) Elfmetern die nächsten Zähler. Je zweimal zeigte der Schiedsrichter hüben und drüben auf den Punkt. Auch unter dieser Rubrik zogen die Cannstatter schließlich den Kürzeren: Während der Gegner durch seinen Dreifach-Torschützen Timo Tropsch beide Male verwandelte, versagten Claudio Caruso am Ende die Nerven. Er scheiterte in der Nachspielzeit am Nufringer Keeper Lukas Schäble. Warum nicht der eigentliche Strafstoß-Mann schoss, der Kapitän Marco Schulz? „Gute Frage, die haben das auf dem Platz unter sich ausgemacht“, sagt Nagler
SV Deckenpfronn – TSV Musberg
Immerhin: In puncto Elfernieten war Caruso nicht allein. Auch der Deckenpfronner Angelos Zervas verschoss. Er fand im Torhüter des TSV Musberg seinen Meister, Giorgio Alber. Das Aber für die Gäste von den Fildern: Sie unterlagen im Duell der beiden bislang besten Rückrundenteams dennoch mit 1:2. „Knapp, aber verdient“, wie der Trainer Christopher Eisenhardt konstatiert. „Wir haben in der entscheidenden Phase des Spiels zwei Fehler gemacht“, sagt er. Diese führten zu den Gegentoren.
Erkennen mussten die Musberger dabei, dass nicht immer zählt, ob man knappe zwei Meter oder eineinhalb Köpfe weniger in den Luftkampf stemmen kann. Auch aufs Stellungsspiel und richtige Timing kommt es an. Bei einem gegnerischen Freistoß von der Mittellinie hatte sich Eisenhardt bereits weggedreht. Was sollte passieren? Antwort Sekunden später: Während seine langen Lulatsche Hasaj, Bubalo, Wiederoder und Manneh nur Zuschauer waren, drückte ausgerechnet Deckenpfronns Kleinster die Kugel mit der Stirn ins Netz. Der Ex-Echterdinger Alexander Wetsch leitete so die erste Musberger Liganiederlage des Kalenderjahrs ein.
TV Echterdingen II – VfL Herrenberg
Ebenso zum ersten Mal erwischte es den TV Echterdingen II, in seinem Fall gleich richtig, nämlich mit einem 0:3 gegen den VfL Herrenberg. Ärgerliche Zugabe dabei: der Keeper Max Winkler sah die rote Karte. Nach einer verunglückten Kopfballrückgabe seines Teamkollegen Emre Celik versuchte er zu retten, was noch zu retten war – checkte dabei aber in bester Eishockey-Manier einen Gästeangreifer um. Elfmeter plus Platzverweis. Da die Echterdinger ihr Wechselkontingent bereits ausgeschöpft hatten, musste für die letzten zehn Minuten ein Feldspieler ins Tor. Die Wahl fiel auf Berkant Caliskan.
Ansonsten? „Kein gutes Spiel von uns, wenn auch mit einem zu hohen Ergebnis“, sagt der Trainer Sascha Blessing. Die einzige klare zwischenzeitliche Ausgleichschance endete am Innenpfosten beziehungsweise in den Wolken. Eban Keskins Schuss klatschte ans Aluminium, und Yannis Kalchschmidt ballerte im Nachsetzen übers Ziel. Letzterer, eigentlicher Erste-Mannschaft-Kicker, sammelte nach Urlaubs- und Krankheitspause im Bezirksliga-Team Einsatzzeit.
Weiter geht es für die Echterdinger bereits am Donnerstag (19.30 Uhr). Dann sind sie im Bezirkspokal-Viertelfinale beim A-Kreisligisten Sportvg Feuerbach zu Gast.
TSV Dagersheim – Croatia Stuttgart
Bleibt noch der Blick in den Tabellenkeller. Von dort kommt der wirkliche Verlierer des Sonntags. Dessen Name: Croatia Stuttgart. Verbal blasen die Kroaten seit Wochen zur erhofften Aufholjagd zum Klassenverbleib. Die hierfür nötige Initialzündung ist allerdings auch diesmal ausgeblieben. Nach der 0:1-Niederlage im Abstiegsduell beim Vorletzten TSV Dagersheim müssen allmählich die Rechenschieber ausgepackt werden. „Noch haben wir elf Partien und sind 33 Punkte zu vergeben“, sagt der Trainer Niki Oroz zwar. Aber auch er weiß: Am nächsten Wochenende zuhause gegen das Schlusslicht Oberjettingen ist nun bereits Endspiel-Feeling. Insgesamt folgen für Croatia nun sieben Heimauftritte in Serie, nachdem Oroz’ Team in der Hinrunde wegen der damaligen Renovierung seines Sportgeländes fast nur auswärts angetreten war.
Einstweilen ging der Schuss nach hinten los. In der Schlussphase setzte Oroz auf Risiko, wechselte offensiv und stellte auf eine Dreierabwehrkette um. Das Ziel: der Sieg. Das Ergebnis: das entscheidende Gegentor. Dumm gelaufen.
Die Statistik zum 19. Spieltag
TV Echterdingen II – VfL Herrenberg 0:3. Tore: 0:1 Egeler (13.), 0:2 Egeler (84., Foulelfmeter), 0:3 Hartmann (87.). Besonderes: rote Karte für Torhüter Winkler (Echterdingen, 83./Notbremse)
VfL Oberjettingen – TSV Jahn Büsnau 2:2. Tore: 1:0 Yannick Ruß (19.), 1:1 Specht (24.), 1:2 Hetzel (77., Foulelfmeter), 2:2 Dengler (90.+2). Besonderes: Gelb-Rot für Seeger (Oberjettingen, 55.)
SV Bonlanden – SV Vaihingen 3:1. Tore: 0:1 Pehlivan (22.), 1:1 Adam (47.), 2:1 Adam (63.), 3:1 Tschentscher (73.). Besonderes: –
Spvgg Holzgerlingen – ASV Botnang 1:3. Tore: 1:0 Hamm (35.), 1:1 Qenaj (79.), 1:2 Daniel Schweizer (89.), 1:3 Daniel Schweizer (90.+3). Besonderes: –
SV Rohrau – TV Darmsheim 0:2. Tore: 0:1 Lang (18.), 0:2 Schneider (83.). Besonderes: rote Karte für Hellmann (Rohrau, 45.+2/grobes Foulspiel)
SV Nufringen – Spvgg Cannstatt 3:2. Tore: 1:0 Tropsch (35., Handelfmeter), 2:0 Tropsch (40.), 2:1 Jordan (43.), 2:2 Schulz (45.+2, Handelfmeter), 3:2 Tropsch (62., Foulelfmeter). Besonderes: Schäble (Nufringen) wehrt Foulelfmeter von Caruso ab (90.+4)
SV Deckenpfronn – TSV Musberg 2:1. Tore: 1:0 Wetsch (77.), 2:0 Gräsle (89.), 2:1 Manneh (90.+1, Foulelfmeter). Besonderes: Alber (Musberg) wehrt Foulelfmeter von Zervas ab (30.)
TSV Dagersheim – Croatia Stuttgart 1:0. Tore: 1:0 Dodoli (79.). Besonderes: –