Nationalspieler Lukas Podolski beschäftigt die australische Hintermannschaft Foto: Bongarts

Zum Jahresauftakt reicht es für die Fußball-Nationalelf gegen Australien nur zu einem 2:2. Eine Niederlage verhindert ausgerechnet das Tor des zuletzt viel gescholtenen Lukas Podolski.

Kaiserslautern - Am Ende war dann doch noch was los auf dem Lauterer Betzenberg, an jenem Ort also, wo die Emotionen im Normalfall hochkochen, wenn das Flutlicht angeht und die Stimmung auf den Rängen seit Jahrzehnten hitzig und heißblütig ist. Am Mittwochabend war das anders. Es herrschte Stille auf den Rängen. Es war nix los, es gab kaum Gesänge – bis der eingewechselte Lukas Podolski kurz vor Schluss zum 2:2 gegen die Australier traf und für den versöhnlichen Abschluss eines verkorksten Länderspiels sorgte.

Die Ruhe auf den Rängen zuvor kam nicht von ungefähr – das Team von Joachim Löw enttäuschte auf allen Ebenen. Hinten unsicher und ohne Biss, vorne meist harmlos und uninspiriert, das war der Auftritt des Weltmeisters im Test gegen die Australier. Klar, Löw experimentierte, Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger etwa saßen nur auf der Bank, Shkodran Mustafi und der Kölner Jonas Hector bekamen eine Chance von Beginn an.

Löw schickte sein Team zudem mit einer ungewohnten Dreier-Abwehrkette ins Rennen – es stand aber immer noch eine Elf auf dem Platz, von der man mehr erwarten konnte als am Mittwoch. „Das war nicht das, was wir uns vorgestellt haben“, sagte Kapitän Sami Khedira, der bestätigte, dass er Real Madrid im Sommer verlassen wird.

Auch Bundestrainer Joachim Löw war nicht zufrieden mit dem Auftritt seiner Nationalelf. „Das Spiel war ein bisschen hektisch“, sagte er, „wir hatten keine Klarheit im Spiel und haben die Dinge, die wir umsetzen wollten, nicht immer umgesetzt.“

Kaum Struktur und Kreativität, wenig Wille

Das deutsche Team wechselte gegen die Australier vom Weltmeistermodus in den Freundschaftsspiel-Betrieb. Kaum Struktur und Kreativität, wenig Wille, das war der Auftritt gegen eine Mannschaft, die mit ihrer Zweikampfstärke Schottland und Irland kopieren sollte – auf diese Gegner trifft die Nationalelf noch in der EM-Qualifikation, in der eine klare Leistungssteigerung nötig sein wird.

Dabei ging gegen Australien alles gut los, Marco Reus spitzelte den Ball nach feiner Vorarbeit von Sami Khedira zum 1:0 ins Tor (17.) – allein: Der Treffer brachte keine Sicherheit. Zwar gab es noch einige Möglichkeiten, allerdings kamen auch die Australier zu vielen guten Chancen. Fünf Minuten vor der Pause war es dann so weit. Zum wiederholten Male kamen die Gäste zu leicht zum Flanken.

Nach der Hereingabe von Nathan Burns setzte sich James Troisi im Kopfballduell mit Jonas Hector durch und traf. Kurz nach der Pause dann schlenzte Australiens Kapitän Mile Jedinak (50.) einen Freistoß aus halbrechter Position mit Schnitt über die Mauer. Torhüter Ron-Robert Zieler sah nicht gut aus – 1:2. Wenig später fiel dann fast das 1:3. Troisi konnte ungehindert bis an die Strafraumgrenze laufen, sein Aufsetzer ging aber knapp rechts am Tor vorbei.

Der Spielfluss des deutschen Teams kam durch viele Wechsel nun noch mehr ins Stocken – zwei Joker aber sorgten doch noch für ein gutes Ende. André Schürrle setzte sich auf der linken Seite durch, Lukas Podolski verwertete die Hereingabe auf der rechten Seite (81.) und rechtfertigte das Vertrauen des Bundestrainers. Der hatte den Offensivmann wieder nominiert, obwohl er seit Wochen in der Formkrise steckt und bei Inter Mailand kaum noch zum Zug kommt.

Vor dem Anpfiff hatte es eine Gedenkminute für die Opfer des Flugzeug-Absturzes in Frankreich gegeben. Die Spieler trugen Trauerflor. Abwehrmann Benedikt Höwedes hielt bei der Nationalhymne ein schwarzes Schild mit der Aufschrift „Haltern trauert“ vor sich. Der Profi des FC Schalke kommt aus der Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen, die viele Opfer zu beklagen hat.

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