Fiat Chrysler verliert in Europa massiv an Boden. Foto: AFP/Marco Bertorello

Ob eine Allianz von Renault und Fiat die Mängel auf beiden Seiten beseitigt, ist fraglich. Die geplante Fusion erinnert ein bisschen an das Bündnis eines Blinden mit einem Lahmen, meint Gerhard Bläske.

Mailand - Es geht drunter und drüber in der Autobranche. Die Umwälzungen in der Branche sorgen innerhalb kürzester Zeit für Veränderungen, die lange nicht denkbar waren. Nachdem Opel von Peugeot Citroën übernommen wurde, planen nun Renault und Fiat Chrysler einen Zusammenschluss. Die beiden Konzerne erhoffen sich Einsparungen in Höhe von fünf Milliarden Euro, etwa durch einen gemeinsamen Einkauf oder die Nutzung gemeinsamer Plattformen.

Fiat Chrysler ist bei Elektroautos schwach

Für den italoamerikanischen Konzern ist vor allem das Know-how der Franzosen bei den Elektroautos interessant. Da fährt Fiat Chrysler hoffnungslos hinterher. Umgekehrt ist Fiat Chrysler für Renault interessant, weil der Konzern in den USA stark ist, wo die Franzosen gar nicht präsent sind. Und Fiat Chrysler hat Mittel- und Oberklassefahrzeuge der Marken Maserati und Alfa Romeo im Sortiment, an denen es Renault mangelt. Fiat Chrysler wiederum hofft auf einen besseren Zugang zum asiatischen Markt, denn dort ist das Unternehmen nur marginal präsent.

Die Rechnung geht nur auf dem Papier auf

Doch die Rechnung geht nur auf dem Papier so schön auf. Eigentlich ist das Bündnis eher aus der Not geboren und weist viele Schwächen auf. Fiat Chrysler verliert in Europa massiv an Boden. Die italienischen Werke sind von Schließung bedroht. Die Zahlen im ersten Quartal waren schlecht. Selbst das US-Geschäft, das mehr als 90 Prozent zum Gewinn beisteuert, geht zurück. Maserati und Alfa Romeo verzeichnen massive Absatzrückgänge. Die beiden Marken sind nur durch riesige Investitionen zu beleben.

Nissan und Mitsubishi wehren sich gegen eine Übernahme durch die Franzosen

Die Hoffnungen von Fiat Chrysler auf Asien hängen aber davon ab, ob der Renault-Partner Nissan-Mitsubishi bei dem Bündnis mitmacht. Danach sieht es derzeit nicht aus. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Allianz Renault-Nissan sogar zerbrechen könnte. Die Japaner wehren sich gegen die Übernahme durch die Franzosen, und vieles deutet auf ein Ende dieses Bündnisses hin.

Der geplante Zusammenschluss von Renault und Fiat Chrysler ist für die Franzosen womöglich nur ein Plan B, weil Nissan und Mitsubishi aus dem bestehenden Bündnis mit den Franzosen aussteigen wollen. Die nun geplante Fusion erscheint ein bisschen wie die Allianz zwischen einem Lahmen und einem Blinden. Der Zusammenschluss wirft auf jeden Fall viele Fragen auf.

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