Die Remstalkellerei wird voraussichtlich von ihrem Sitz in Beutelsbach wegziehen und an einem neuen Standort eine Zentralkelter bauen. Foto: © C) Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel

Die lang ersehnte Zentralkelter im Remstal wird vielleicht endlich wahr: Drei örtliche Weingärtnergenossenschaften liefern ihre Trauben nun direkt an die Remstalkellerei.

Weinstadt - Positive Nachrichten aus der Remstalkellerei waren in den vergangenen Jahren rar, die Genossenschaft machte wegen ihrer schlechten Finanzlage, Austritten von Ortsgenossenschaften, Rücktritten von Vorstand und Aufsichtsrat und einer Goldbarrenaffäre von sich reden: Ein Betrüger soll rund 35 000 Euro Provision für die Anbahnung eines großen Exportgeschäfts erhalten haben, das nie zustande kam.

 

Peter Jung, seit gut drei Jahren Geschäftsführer und seit dem vergangenen Jahr 2020 Vorstandsvorsitzender der Remstalkellerei, hatte also viel Ärger am Hals, sagt aber über seinen Job: „Es macht gerade richtig Spaß.“ Denn nach einer rund anderthalbjährigen Gesprächsphase haben die Weingärtner Remstal eG, die Weingärtnergenossenschaft Schnait und die Weingärtnergenossenschaft Remshalden-Schorndorf beschlossen, rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres mit der Remstalkellerei zu fusionieren.

Dezentrales Konzept hat ausgedient

Konkret bedeutet das, dass die drei Ortsgenossenschaften nicht mehr wie bisher ihre jeweilige Traubenernte in den Ortskeltern anliefern und pressen, um dann den Most in die Remstalkellerei zu transportieren. Stattdessen wird nun der gesamte Traubenertrag aus den Weinbergen direkt an die Remstalkellerei geliefert. „Wir wachsen als Einheit zusammen und sind jetzt als Remstalkellerei von der Traubenannahme bis zur Vermarktung unter einem Dach vereint“, sagt Peter Jung, der diesen Prozess als „einen wichtigen Meilenstein hinsichtlich unserer Neustrukturierung“ bezeichnet.

Die Zentralisierung bringe viele Vorteile mit sich, erläutert der Remstalkellerei-Chef. Sie vereinfache die Steuerung der Warenströme, wirke sich positiv auf die interne Kostenstruktur aus und biete die Möglichkeit, die Direktvermarktung zu optimieren. „Wir können durch den zentralen Anlaufpunkt wesentlich schneller auf die Entwicklungen im dynamischen Markt reagieren und deutlich besser planen“, sagt Peter Jung.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Remstalkellerei wurde Opfer eines Betrügers

Die Ortsgenossenschaften von diesem Schritt zu überzeugen, sei ein längerer Prozess gewesen, sagt Jung, aber die für die Fusion benötigten insgesamt vier Abstimmungen in den drei Ortsgenossenschaften und der Remstalkellerei hätten eine überwältigende Zustimmung gefunden. „Das schlechteste Ergebnis waren 98 Prozent Zustimmung bei einer Ortsgenossenschaft“, sagt der Geschäftsführer der Remstalkellerei, deren Mitglieder den Zusammenschluss mit 99 Prozent Zustimmung abgesegnet hätten.

Ausbau des Weins bleibt in den Händen der Remstalkellerei

Die Idee, dass die Remstalkellerei den Ausbau ihrer Weine komplett an die Württembergische Weingärtner-Zentralgenossenschaft in Möglingen abgeben könnte, ist damit laut Peter Jung vom Tisch. „Das war am Anfang der Plan, weil wir nicht wussten, welche finanziellen Mittel wir zur Verfügung haben.“ Inzwischen sei man da ein Stück weiter: „Wir wissen nun, was wir für unser Grundstück in Beutelsbach bekommen.“ Das rund 1,3 Hektar große Gelände am heutigen Standort soll nach den Plänen der Remstalkellerei an einen Investor verkauft und anderweitig bebaut werden, die Remstalkellerei will an einem anderen Standort eine Zentralkelter nebst Verwaltungsgebäude errichten.

„Unser Fokus liegt nun auf der Identifizierung und Sicherung des neuen Standortes“, sagt Peter Jung, will sich aber weder zur Zahl noch zur Lage der im Rennen befindlichen Standorte äußern. Im Gespräch für eine Zentralkelter waren bisher eine Fläche beim Bürgerpark Grunbach und ein Grundstück zwischen Endersbach und Beutelsbach.