Margot Kemmler im Sportpark Weil, der auch dank ihres Engagements zum Schmuckstück des Esslinger Sports wurde. Foto: Michael Treutner

Die Esslingerin Margot Kemmler engagiert sich seit Jahren in unterschiedlichen Positionen, jetzt will sie als Vizepräsidentin des Württembergischen Landessportbundes mitgestalten.

Wer Margot Kemmler besucht, muss einigermaßen sportlich sein. Zur Eingangstür ihres Hauses im Norden Esslingens führen viele Stufen. Auch sie hält das fit. Und Ausdauer ist für das, was sie macht, nötig. Kemmlers Herzensanliegen ist es seit vielen Jahren, den Sport nach oben zu bringen, explizit den Sport für alle. Und das geht am besten, wenn man Spitzenämter bekleidet. Alle Posten aufzuschreiben, die sie in den vergangenen Jahren – nicht nur im Sport – inne hatte und zum Teil noch inne hat, füllt zwei DIN-A-4-Seiten. Seit diesem Mai ist ein neues Amt dazugekommen, in das sie sich – wie immer – mit vollem Elan stürzt: Kemmler ist Vizepräsidentin Bildung des Württembergischen Landessportbundes (WLSB).

 

Kemmler will etwas bewegen, sie will mitgestalten, will Einfluss haben, um das, was sie für richtig hält, umzusetzen. Sie will ihren Beitrag leisten. Deshalb nutzt sie ihre Kontakte, die sie in den verschiedensten Bereichen aufgebaut hat, immer weiter. Netzwerk ist das Zauberwort. Netzwerk beherrscht sie. Und deshalb sagt sie auch deutlich: „Der Vorteil ist, dass ich relativ weit oben angesiedelt bin. Der WLSB hat eine Aussagekraft, die hat man woanders nicht so sehr, er ist nahe an der Politik.“ Dazu kommt: „Ich habe Unterstützung von hauptamtlich Tätigen. Wir arbeiten sehr zielführend, es sind gute Leute.“ Jürgen Heimbach und Astrid Moser nennt sie vor allem. Wobei es durchaus auch die repräsentativen Aufgaben sind, die ihr Spaß machen: „Rauszufahren und etwa bei einem Verein eine Laudatio für die Auszeichnung eines verdienten Mitglieds zu halten, das mache ich unheimlich gerne.“

Um den Posten beim WLSB bemühte sich Kemmler „proaktiv“, wie sie erzählt: „Ich bin 69 Jahre alt geworden, ich habe mich so gefühlt, dass ich etwas Neues machen wollte. Es war eine ganz bewusste Entscheidung.“ Es war auch eine bewusste Entscheidung, sich sportpolitisch außerhalb von Esslingen zu bewegen. Präsidentin des Sportkreises bleibt sie, aber einen anderen Posten, mit dem sie viele verbanden, gab sie im September ab: den der Vorsitzenden der SV 1845 Esslingen. „Nach 15 Jahren ist auch mal genug“, erklärt sie dazu und fügt lächelnd hinzu: „Man muss gehen, wenn die Leute noch sagen: Bleib doch.“ Das war ganz offensichtlich so. Zum Abschied bekam sie ein Buch, in dem alle Abteilungen sie auf ganz unterschiedliche Weise würdigten. „Das hat mich schon gefreut“, sagt sie und man merkt ihr die Rührung an.

Auch hier handelte Kemmler klar: Sie wartete nicht, bis ein Nachfolger feststand, sondern kündigte frühzeitig ihren Abschied an. Nun führt ein vierköpfiges Gremium den Verein, Sprecher ist Kemmlers bisheriger Stellvertreter Hartmut Riegert. Um das umzusetzen, musste sogar die Satzung geändert werden. Kemmler ist mit der Lösung zufrieden. „Ganz weg bin ich ja nicht“, sagt sie.

Sportpark Weil und „Mehr als Sport“

Fragt man sie nach den größten Erfolgen ihrer Zeit als SV-1845-Chefin, nennt sie zwei Punkte – einen wenig und einen etwas mehr überraschenden: Zum einen die Umgestaltung des Sportparks Weil zum Schmuckstück des Esslinger Sports. „Die Zusammenarbeit im Gemeinderat war gut und wir hatten einen sportaffinen Oberbürgermeister“, sagt sie, die langjährige CDU-Kreis- und Stadträtin, über den damaligen SPD-OB Jürgen Zieger. Die andere Sache, die Kemmler nennt: Die Änderung des Logos der SV 1845. Statt „der Sportverein mit Tradition und Zukunft“ heißt es nun: „Mehr als Sport“.

Wenn man sich mit Kemmler unterhält, merkt man, warum ihr das wichtig ist. Ebenso, warum sie über ihre Nachfolge im Verein sagt: „Es müssen nicht unbedingt jüngere Leute nachkommen, aber andere Leute.“ Neben dem Thema Bildung ist ihr die soziale Funktion des Sports unheimlich wichtig. Und die integrative. Alter, Geschlecht, Herkunft, Gesundheitszustand – Sport ist für alle da und gerade für die, die in der Gesellschaft Nachteile haben. Womit man schnell bei den Gestaltungsmöglichkeiten in ihrer neuen Aufgabe ist. „Wir brauchen eine andere Form der Fortbildung für Frauen“, sagt sie etwa. Und einen Begriff verwendet sie häufig: „Gafög“, also das Ganztagsförderungsgesetz, also die Ganztagsbetreuung für Kinder. „Das kommt im nächsten Jahr und es ist nicht viel passiert“, sagt sie – und krempelt im übertragenen Sinne die Ärmel hoch.

Funktionärs-Spätstarterin

Es gibt also viel zu tun für die Funktionärs-Spätstarterin. Nachdem sich Kemmler schon viele Jahre ehrenamtlich etwa an der Schule ihrer Tochter engagiert hatte, legte sie mit rund 50 Jahren so richtig los, als die Tochter aus dem Haus war und ihr Mann Hans-Jürgen in den Ruhestand ging. „Ohne seine Unterstützung würde das gar nicht gehen“, sagt sie. Die gemeinsamen Stunden werden mittlerweile oft von Enkel Felix bereichert.

Es sind nicht die einfachsten Zeiten, um ein – weiteres – Amt zu übernehmen. Leere Kassen, der demografische Wandel, Veränderung des politischen Klimas. Für Margot Kemmler, die Sport-Netzwerkerin, ist das kein Grund zu resignieren, sondern einer, sich erst recht und noch mehr zu engagieren. Am besten in einer Position, in der die Möglichkeiten groß sind, etwas zu bewegen. Gut, dass sie eine Menge Ausdauer hat.