In manchen Teilen der Schwarzwaldgemeinde Wieden ist Telefonieren nur per Festnetz möglich. Die Kommune ist eine von knapp 40 in Baden-Württemberg, die sich bei einer Aktion der Telekom beworben haben. Foto: dpa/Patrick Seeger

„Wir jagen Funklöcher“, verspricht die Telekom in einer Aktion. Es gibt 50 Plätze. Doch mehr als 500 Kommunen haben sich beworben – darunter auch viele aus Baden-Württemberg. Wie geht es jetzt weiter?

Stuttgart - Knapp 600 Menschen leben in dem Örtchen Wieden im Südschwarzwald. In Wieden und der näheren Umgebung gibt es sechs Skilifte, mehr als zehn Gästehäuser und eine eigene Touristeninformation. Was es nicht gibt, ist Handyempfang. Zumindest in manchen Ortsteilen.

„Zum Teil ist die Verbindung so schlecht, dass Telefonieren nur per Festnetz geht“, sagt die Bürgermeisterin Annette Franz. Beim mobilen Internet sei maximal Edge drin – eine sehr langsame Verbindung – und teilweise falle selbst diese monatelang aus. Deshalb hat die Gemeinde Wieden sich beworben, als die Telekom vor einigen Monaten eine Aktion ausschrieb mit dem Versprechen: „Wir jagen Funklöcher“.

Oft dauert es Monate, bis ein neuer Mast steht

Normalerweise ist der Ablauf bei den rund 2000 neuen Standorten, die die Telekom pro Jahr baut, so: Der Netzbetreiber schaut, wo ein Ausbau sinnvoll wäre. Dann geht er auf die entsprechende Gemeinde zu. Es wird besprochen und geplant, wo ein neuer Sendemast hin könnte. Steht keine öffentliche Fläche zur Verfügung, muss die Telekom private Vermieter suchen. Oft gehen Monate ins Land, bis der Mast steht.

Mit der „Funklöcher-Jagd“ will die Telekom den Spieß umdrehen. Die Bedingungen für eine Bewerbung: Der Gemeinderat beschließt die Teilnahme, die Kommune hat keinen LTE-Empfang und kann ein Dach oder eine freie Fläche zur Verfügung stellen. So erhofft sich die Telekom Beschleunigung. Außerdem gibt der Betreiber zu: Manche Gebiete könnten aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht mit Mobilfunk versorgt werden. Sie habe man mit der Aktion im Visier.

Horber OB: Aktion ist eine „Frechheit“

50 Plätze gibt es. Für die Gewinner verspricht die Telekom LTE-Empfang und das Betreiben des Masten auf eigene Kosten. Knapp 540 Kommunen haben sich bundesweit beworben. Doch es gibt auch Kritiker. „Ich finde es ehrlich gesagt eine Frechheit, dass die Telekom jetzt einen locker-flockigen Wettbewerb unter den Kommunen ausruft. Die Telekom muss einfach ihre Hausaufgaben machen“, sagte der Horber Oberbürgermeister im vergangenen Herbst dem „Schwarzwälder Boten“.

Mittlerweile hat die Telekom 19 Gewinner festgelegt. Darunter ist bislang keine Gemeinde aus dem Südwesten – obwohl sich hierzulande 37 Kommunen beworben haben. Sie hoffen nun alle auf einen der verbleibenden Plätze. Zwischen den Bewerbern gibt es große Unterschiede.

Touristenorte: Ohne Netz kein Instagram

Wieden im Schwarzwald ist einer der entlegensten Orte, die sich beworben haben. Weniger groß scheint der Leidensdruck zum Beispiel in Besigheim im Landkreis Ludwigsburg. „Es ist nicht so, dass ich ständig Anrufe bekomme“, sagt Stefan Maier vom Stadtbauamt über den Handyempfang in seiner Gemeinde. Dennoch haben er und seine Kollegen nach eigenen Angaben zwei Funklöcher zu beklagen – in den Ortsteilen Ottmarsheim und Ingersheimer Feld.

Zu den einwohnerstärksten Bewerbern zählt Baden-Baden. Die Stadt hat sich hat sich mit dem Gebiet Geroldsau/Malschbach beworben. Dort liegen mit der Schwarzwaldhochstraße und den Geroldsauer Wasserfällen bei Touristen beliebte Orte. „Ziel unserer Bewerbung ist eine touristische Aufwertung, zum Beispiel bei der Verbreitung über soziale Netzwerke“, sagt Rolf Basse vom Fachbereich Planen und Bauen. Gerade junge Menschen werden auf neue Urlaubsziele durch soziale Medien aufmerksam. Doch wo kein Netz, da kann auch kein Urlauber ein hübsches Foto posten.

Wie wählt die Telekom aus?

Wie die Telekom die Gewinner auswählt, ist unklar. „Es wird nicht nur danach geguckt, wie viele Leute erreicht werden“, sagte ein Telekom-Sprecher unserer Zeitung. Als Beispiel führt er das bayerische Dettelbach an, wo der erste Standort im Rahmen der Aktion gebaut wurde. „Mehrere Ortsteile liegen dort in einer Schneise. Jeder einzelne hat nur etwa 100 Häuser, aber zusammen genommen macht es Sinn“, so der Sprecher. Auf der Telekom-Website heißt es, dass auch das Engagement der Bewerber eine Rolle spiele.

Für die Kommunen aus Baden-Württemberg heißt es nun Daumen drücken. Bis Ende Januar will die Telekom die restlichen Gewinner bekannt geben. Bürgermeisterin Annette Franz fände es schade, wenn ihre kleine Schwarzwaldgemeinde zugunsten anderer leer ausginge. „In größeren Städten ist die Situation immer noch besser als bei uns.“ Doch auch für Ortschaften, die keinen Platz bekommen, sei die Bewerbung nicht umsonst gewesen, so der Telekom-Sprecher. Denn auch in Zukunft sei es für den Betreiber gut zu wissen, wo er mit einem Ausbau schnell vorankommen könnte.

Die vollständige Liste der Bewerber aus Baden-Württemberg (Quelle: Telekom): Biederbach, Wehingen, Stadt Waldenbuch, Geisingen, Enzklösterle, Nusplingen, Stadt Elzach, Eigeltingen, Simmersfeld, Weikersheim, Kandern (Stadtteil Sitzenkirch), Vöhringen, Grenzach-Wyhlen, Dornhan, Stadt Hornberg, Sulz am Neckar, Spaichingen, Waldenburg, Möglingen, Wieden, Empfingen, Bad Schönborn, Bad Liebenzell, Forbach (Ortsteil Hundsbach), Neuenburg am Rhein, Baiersbronn, Besigheim, Baden-Baden, Horb am Neckar, Möckmühl, Lauda-Königshofen, Gemeinde Schwärstadt, Titisee-Neustadt, Unlingen, Dietingen, Illerrieden, Stadt Neckarbischofsheim

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