Für Fundtiere in Waiblingen, Weinstadt, Kernen und Korb war bisher der Tierschutzverein Waiblingen zuständig. Das ändert sich 2026. Was sind die Gründe, und wer kümmert sich nun?
Verlorene Geldbeutel oder Schlüssel, entlaufene Meerschweinchen oder Hunde: In Deutschland gelten für Fundsachen und für Fundtiere die gleichen gesetzlichen Bestimmungen. Das heißt, in beiden Fällen muss sich darum die Kommune kümmern, auf deren Markung der Fund gemacht wurde. Für Gegenstände gibt es das städtische Fundbüro. Bei Fundtieren nehmen die Städte und Gemeinden oft die Dienste eines Tierschutzvereins in Anspruch, der gegen Bezahlung gefundene oder polizeilich beschlagnahmte Tiere unterbringt und versorgt.
Für die Städte Waiblingen und Weinstadt sowie die Gemeinden Korb und Kernen (Rems-Murr-Kreis) hat das in den vergangenen zehn Jahren der Tierschutzverein Waiblingen und Umgebung übernommen. Damit ist nun aber Schluss: Der Verein hat die Kooperation zum Ende des Jahres 2025 aufgekündigt.
Fundtiere werden auf privaten Pflegestellen versorgt
„Wir haben den Fundtiervertrag fristgerecht gekündigt, weil uns die Möglichkeiten für eine tier- und artgerechte Unterbringung fehlen“, sagt die Vereinsvorsitzende Annemarie Werner. Zu dem bereits vor längerer Zeit gegenüber den Kommunen angekündigten Schritt habe sich der Verein schweren Herzens entschlossen, ergänzt ihre Stellvertreterin Tatjana Lauster: „Aber wir sind am Rand unserer Kapazitäten.“ Der Tierschutzverein Waiblingen hat im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen dieser Art kein Tierheim. Die Fundtiere werden stattdessen auf privaten Pflegestellen versorgt.
Dieses Konzept ist mittlerweile ein Teil des Problems. Denn die zur Verfügung stehenden Pflegestellen reichen nicht mehr aus. Während der Coronapandemie seien einige weggefallen, sagt Annemarie Werner. Gleichzeitig legten sich in dieser Zeit viele Menschen ein Haustier zu. Manch einer stellte nach Ende der Pandemie fest, dass ihm, zurück im normalen Alltag, die Zeit dafür fehlt.
Höhere Tierarztgebühren, der Verlust des Arbeitsplatzes oder ein Umzug seien weitere Gründe, wieso Tiere abgegeben werden, sagt Werner: „Hinter jedem Tier steht ein menschliches Schicksal.“ Die Folge: Es braucht immer mehr Pflegestellen, doch immer weniger Menschen können und wollen das oft sehr zeitaufwendige Ehrenamt übernehmen. „Wir mussten in der Wurfzeit beispielsweise in drei Wochen fast 30 ausgesetzte Kätzchen unterbringen, denen man alle zwei Stunden das Fläschchen geben musste“, erzählt Tatjana Lauster, die sich mit ihrem Verein für eine Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen ausspricht.
Streunerfreunde und Tierschutzverein Winnenden als neue Partner
Diese Kastrationsverordnung gibt es in Waiblingen bislang ebenso wenig wie ein Tierheim. Letzteres sei nach wie vor ein Wunsch, sagt Annemarie Werner. Es habe in den vergangenen Jahren dazu diverse Gespräche gegeben, doch die Stadt Waiblingen habe dafür wohl kein passendes Grundstück. Als der Tierschutzverein Waiblingen zu Beginn des Jahres 2016 die Betreuung aller Fundtiere in Waiblingen, Weinstadt, Kernen und Korb übernahm – zuvor war der Tierschutzverein Ludwigsburg zuständig –, hatte Werner gegenüber unserer Zeitung gesagt: „Wir brauchen einen Platz, auf den wir eine Auffangstation stellen können.“ Dass der Verein den Kooperationsvertrag ohne vorhandenes Tierheim abschloss, sorgte damals auch innerhalb des Vereins für einige Kritik.
Neue Partner für Fundtiere: Winnenden und Streunerfreunde helfen
Für die Versorgung von gefundenen und beschlagnahmten Tieren haben die Kommunen Waiblingen, Kernen, Korb und Weinstadt sich nun neue Vertragspartner gesucht. Von 1. Januar 2026 an ist für den Bereich Korb der Tierschutzverein Winnenden zuständig, der seit 2012 ein Tierheim im Zipfelbachtal betreibt. Diese Kooperation biete sich schon aufgrund der geografischen Nähe an, sagt Bürgermeister Markus Motschenbacher, der froh ist, dass der Verein die Aufgabe übernimmt. Die anderen drei Kommunen kooperieren künftig mit dem Verein Streunerfreunde-Lugoj Romania mit Sitz in Fellbach. „Der Verein engagiert sich seit vielen Jahren im Tierschutz, betreibt umfangreiche lokale Aktivitäten und nimmt bereits regelmäßig Fundtiere auf. Die Unterbringung der Tiere erfolgt über private Pflegeplätze und Kooperationspartner“, heißt es dazu in einer Mitteilung.
Den Tierschutzverein Waiblingen und Umgebung werde es weiterhin geben, und er werde im Rahmen seiner Möglichkeiten weiterhin helfen, betont die Vereinsvorsitzende Annemarie Werner: „Wir lösen uns nicht auf. Wir sind nach wie vor präsent und machen unser Geschäft.“