Im Frühjahr 2018 sind die Gräber bei Plieningen freigelegt worden. Foto: Archiv Sägesser

Eine Doktorandin der Universität Tübingen möchte die Skelettfunde vom Filderacker bei Stuttgart-Plieningen zusammen mit anderen analysieren. Ob das klappt, wird sich zeitnah herausstellen.

Filder - Wenn alles nach Plan läuft, werden die uralten Skelette, die nahe Plieningen gefunden worden sind, im Rahmen einer Dissertation genauer unter die Lupe genommen. „Die Bearbeiterin steht in den Startlöchern“, berichtet André Spatzier vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg. Zunächst müsse allerdings ein Antrag gestellt und genehmigt werden. Dabei geht es um die Finanzierung. Klappt alles, könnten die Überreste, die auf einem Filderacker gefunden worden sind, nach Tübingen kommen. Denn es handelt sich um ein mögliches Forschungsprojekt in Kooperation mit der Uni Tübingen, wo die Doktorandin tätig ist.

Zur Erinnerung: Im Jahr 2017 sind auf einem Feld bei Plieningen Gräber gefunden worden, darin befanden sich teils auch Knochen von Menschen. Der Fund stammt aus der Frühbronzezeit. Die Grabanlage ist im Zuge des Baus der ICE-Trasse für das Projekt Stuttgart 21 entdeckt worden. Im Frühjahr 2018 sind die Gräber von Mitarbeitern des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg freigelegt und die Überreste gesichert worden. Sie stammen mit hoher Warscheinlichkeit aus der Frühbronzezeit und wären demnach zwischen 2200 und 1600 Jahre vor Christi Geburt dort vergraben worden.

„Bedauerlicher Knochenzustand“ der Funde

In dem Projekt, das die Tübinger Doktorandin anstrebt, soll es allerdings nicht allein um die Plieninger Skelette gehen. Die Funde von der Filderebene wären nur Teil einer viel größer angelegten Analyse. Die Wissenschaftlerin möchte gern – wenn entsprechend das Geld dafür bewilligt wird – mehrere Fundstellen aus dieser Zeit untersuchen; laut André Spatzier handelt es sich um Überreste von rund 60 Fundstellen zwischen Tübingen, dem Neckartal und dem Taubertal. Im Vergleich zu anderen wiesen die Funde aus Plieningen „einen bedauerlichen Knochenzustand“ auf. Das Ziel sei, so André Spatzier, mehr über die Verwandtschaftsbeziehungen, die Ernährungsgewohnheiten, die Herkunft und die Sozialstrukturen der Menschen damals zu erfahren.

Aktuell befinden sich die Funde vom Filderacker in Konstanz. Ihre nächste Station sei das osteologische Archiv in Rastatt. Und wenn das mit der Doktorarbeit klappen sollte, kämen die uralten Skelette mutmaßlich nach Tübingen zur Untersuchung. „Wir haben die Hoffnung, dass wir das in absehbarer Zeit über die Bühne bekommen“, sagt Spatzier. Man hoffe auf einen Start im Frühjahr 2020.

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