Die Gerüchteküche brodelt: Charlene Wittstock soll versucht haben, aus Monaco zu fliehen.

Monaco - Ganz Monaco freut sich darauf, wenn ihr Staatsoberhaupt seiner Verlobten das Jawort gibt. Doch vor der Trauung wird über eine angebliche Trennung spekuliert. Die künftige Fürstin soll sogar versucht haben, zu fliehen.

Monaco lässt sich nichts anmerken. Gerüchte? War da was? Der europäische Boulevard, gestern noch in heller Aufregung, schweigt heute auf breiter Front. Selbst die seriös-konservative französische Zeitung "Figaro" hatte sich an den Spekulationen um die bedrohte Traumhochzeit beteiligt: Ein monegassischer Polizeibeamter habe ausgeplaudert, seine Kollegen hätten Charlene Wittstock am Flughafen Nizza gestoppt, kurz bevor sie das Land verlassen wollte. Ihren Pass habe die Verlobte von Fürst Albert II. abgeben müssen.

Ehrenhof wird zur Freilichtkathedrale

Die Gespräche, ob auf der Terrasse des mondänen Café de Paris oder in der kleinen Brasserie an der Ecke, drehen sich nur um ein Thema - zumindest hinter vorgehaltener Hand. Jeder Taxifahrer, jede Verkäuferin gibt vor, etwas mehr zu wissen als die anderen. Vielleicht dieses winzige pikante Detail, das erklären könnte, warum die hübsche Braut und angehende Fürstin angeblich doch Le Rocher, den berühmten Felsen, verlassen wollte.

Oder ist doch alles grundfalsch, handelt es sich um einen von Fieslingen gezielt eingefädelten Sabotageakt? Egal, in Monaco wird geheiratet: Heute standesamtlich, tags darauf kirchlich. Den Ehrenhof des Fürstenpalastes mit der wunderbaren Treppe aus Carraramarmor verwandeln sie dafür in eine Freiluftkathedrale. Es ist der langersehnte Höhepunkt des dreitägigen Spektakels, die Märchenhochzeit.

"Gerüchte interessieren mich überhaupt nicht", sagt Gilles Goggia, der Chefmanager der Brasserie de Monaco unten am Herkules-Hafen, mit einem barschen, fast schon wütenden Unterton. Wo vor vier Wochen die Formel-1-Boliden vorbeidonnerten, breiten sie jetzt Rollrasen aus. Drinnen brauen sie ein spezielles "Hochzeitsbier", dem sie durch den Zusatz von Preiselbeeren einen schicken Rosé-Ton verpassen. "The Show must go on." Davon verstehen sie in Monaco seit je eine ganze Menge.

Prinz Albert wirkt straffer

Erst recht seit Alberts mythische Mutter, die hübsche Hollywood-Diva Grace Kelly, vor 55 Jahren bei den Grimaldis einheiratete und Glanz und Glamour, Millionäre und Milliardäre ins Fürstentum brachte.

Der winzige Stadtstaat, mit zwei Quadratkilometern Fläche kaum größer als der Berliner Tiergarten, putzt sich für die Traumhochzeit noch mehr heraus als sonst. Überall knattern rot-weiße Monaco-Staatsfähnchen im warmen Sommerwind, hoch oben auf Baukränen und Hochhäusern, auch an Außenspiegeln von Autos und Omnibussen.

Marie-France, eine Französin, die in Nizza lebt und auf der Rue Grimaldi eine kleine Boutique betreibt, hat die Schaufensterpuppen ganz in den Farben Monacos dekoriert, weiße Shirts zu roten Shorts - und der künftigen Fürstin zuliebe eine südafrikanische Flagge aufgestellt. "Das Fürstenpaar soll ein tolles Fest haben", sagt sie. Auf einem der Fähnchen steht auf Monegassisch: "Viva u Principu, sici benvegnüa Principessa, viva Mónegu!" Hoch lebe der Fürst, die Fürstin und Monaco.

Jawort um kurz vor fünf

Charlene Wittstock, die frühere Weltklasse-Schwimmerin, hat sich, obwohl schon immer rank und schlank, in diesen Tagen offenbar eine besonders strenge Diät auferlegt. Dem Vernehmen nach stehen viel Fisch, roh oder gekocht, sowie viel Gemüse und Obst auf dem Speisenplan. Im Schwimmbad Louis II. zieht sie ihre Bahnen, danach wird gejoggt.

Doch anscheinend übertreibt die künftige Première Dame ihr Fitnessprogramm, denn bei genauem Hinsehen sieht sie arg abgemagert aus, fast schon beängstigend dürr. Völlig ausgeschlossen immerhin, dass sie ihren edlen Körper mühevoll ins mit Spannung erwartete prachtvolle Armani-Brautkleid pressen muss.

Apropos Diät: Auf Empfehlung von Modezar Karl Lagerfeld, seit Jahrzehnten ein treuer Freund des Grimaldi-Clans, hat auch Fürst Albert etliche Pfunde gelassen. Das sonst mit vielen weichen Zügen gezeichnete Staatsoberhaupt wirkt jetzt viel straffer.

Heiraten inklusive des monatelangen Vorbereitungsmarathons erweist sich für die frühere Olympia-Schwimmerin und den früheren Olympia-Bobfahrer also als eine Art Hochleistungsdisziplin. Das auf die Sekunde genaue Hofprotokoll weiß auch genau, wann die beiden zum Jawort am Samstag an den Start gehen. Albert betritt die Szene um 16.55 Uhr, Charlene Wittstock um 16.57 Uhr.

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