Nun geöffnet: das Corona-Testzentrum am Hauptbahnhof. Foto: Lg/Christoph Schmidt

Reiserückkehrer erhalten immer häufiger die Gelegenheit, sich auf das Coronavirus testen zu lassen. Was in Bayern mit vielen Pannen lief, gilt vielen Experten dennoch als extrem wichtig. Nun ist ein Testzentrum am Stuttgarter Hauptbahnhof eröffnet worden.

Stuttgart - Hinweispfeile zeigen dem Reisenden in der Halle des Stuttgarter Hauptbahnhofs den Weg zur Bahnhofsmission und zum Infoschalter. Gerade ist ein Herr damit beschäftigt ein weiteres Schild an die Wand zu schrauben. Es gibt eine neue wichtige Anlaufstelle: die sogenannte Corona Teststation im Schlossgarten. Ab sofort ist der Untersuchungscontainer täglich von 9 Uhr bis 1 Uhr nachts geöffnet. Er sei eine wichtige Ergänzung zur Station am Flughafen, betont Verkehrsminister Winfried Hermann anlässlich der Eröffnung am Donnerstag.

Minister lobt gute Zusammenarbeit

Nur ein kleiner Teil der Reiserückkehrer komme per Flieger. Während am Hauptbahnhof Heimkehrer aus Risikogebieten getestet werden, die den Schienenweg genutzt haben, steht Autofahrern ab Freitag eine Teststation an der A 5 bei Neuenburg-Ost zur Verfügung. „Wir werden nicht zusehen, wie die Leute zurückkommen und das Virus mitbringen“, sagt Hermann, der darauf verweist, dass es vom Beschluss der Testpflicht für Reiserückkehrer bis zur Inbetriebnahme der neuen Station nur wenige Tage gedauert habe. Die Zusammenarbeit zwischen Bahn, Ärzten, Ministerien, Technischem Hilfswerk und Rotem Kreuz habe bestens funktioniert. Die neue Test-Anlaufstelle ist darauf ausgelegt, täglich 400 bis 1400 Tests durchzuführen. Sie ist als zusätzliches Angebot zu bestehenden Corona-Abstrichzentren und Schwerpunktpraxen gedacht.

Von kritischer Marke noch entfernt

„Ich bin mir nicht sicher, ob sich die Leute genügend bewusst machen, was es bedeutet aus einem Risikogebiet zurückzukommen“, gibt Norbert Metke, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg zu bedenken. „Zwei Abstriche, Quarantäne und kein Gehalt für diese Zeit: Da sollte man schon überlegen, ob es das wert ist.“ Gesundheitsminister Manne Lucha warnt insbesondere vor Partyurlauben am Mittelmeer. Er vermutet, dass auch Kroatien wie andere Balkanländer als Risikogebiete eingestuft werden könnte. „Wir selber haben es in der Hand, wie sich die Infektionszahlen entwickeln“, sagt Lucha. Zwar würden die Zahlen im Südwesten steigen, aber selbst der mit neun Neuinfektionen am Mittwoch am stärksten betroffene Main-Tauber-Kreis sei noch weit von der kritischen Marke von 35 entfernt.

Appell für das Tragen von Masken

Metke warnt eindringlich vor der Verharmlosung des Virus. „In zwanzig Prozent der Fälle führt eine Erkrankung zur menschlichen Katastrophe“, sagt der Mediziner. Sein Fazit: „Der wichtigste Baustein in der Pandemie-Bekämpfung bleibt die Einhaltung der Hygieneregeln, insbesondere das Tragen von Masken.“ Wer nicht aus einem Risikogebiet zurückgekehrt ist, aber den Verdacht hat, erkrankt zu sein, kann die neue Teststation am Bahnhof ebenfalls in Anspruch nehmen. Ohne Symptome dauert es bis zu vier Tage, ehe ein Ergebnis vorliegt. Wer typische Symptome zeigt, darf hoffen, schon nach vier Stunden Bescheid zu bekommen.

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