Antje Rietz übernimmt die Rolle der Hildegard Knef. Foto: Volker Beinhorn

1975 ist die gefeierte Sängerin und Schauspielerin Hildegard Knef gerade dem Krebs entronnen und von ihrem Mann verlassen worden. In „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ in der Komödie im Marquardt in der Stuttgarter Innenstadt blickt sie nun auf ihr Leben zurück. Ihre Rolle übernimmt die Schauspielerin, Sängerin und Musikerin Antje Rietz.

Frau Rietz, was fasziniert Sie an Hildegard Knef?

Zuerst bin ich auf ihr tiefes Timbre und ihre Texte angesprungen. Sie sind so poetisch, pfiffig und humorvoll. Ich habe Hildegard Knef schon oft gesungen, als ich in Berlin mit dem Konzertprogramm „Vom Singen im Regen“ im Schlosspark Theater aufgetreten bin. Da freue ich mich natürlich, dass ich mich in dem Theaterstück ihr noch weiter nähern kann.

Im Stück begegnet Knef ihrem jüngeren Selbst. Sie spielen zu dritt, wie teilen Sie die Rollen auf?

Das Stück beginnt 1975, und ich verkörpere die 50-jährige Knef. Sie begegnet ihrem 20-jährigen Alter Ego, das von Sophia Euskirchen übernommen wird. Wir schlüpfen außerdem in andere Rollen wie Produzenten oder Agenten – auch unser Pianist Horst Maria Merz.

Der Verfasser James Edward Lyons nennt sein Stück ein „musikalisch-seelisches Porträt“. Aus welchen Quellen speist es sich?

Sie hat Tagebücher und mehrere autobiografische Bücher hinterlassen, aus denen wir zitieren. Auch ihre Chansons und Gedichte erzählen sehr viel von ihr selbst. Hildegard Knef war eine Frau, die sehr tief blicken ließ, sehr mutig, offen und ehrlich auftrat. Sie hat zum Beispiel in ihren Liedern thematisiert, dass ihre Eltern lieber einen Sohn gehabt hätten und sie ihre Tochter nie hübsch fanden. Auch dass sie über ihre Krebserkrankung sprach, war ein Novum in der damaligen Zeit.

Im Stück kommt Hildegard Knef „sich selbst abhanden“. Wie ging sie mit den Höhen und Tiefen ihres Lebens um?

Sie hängt am Leben und hat viel Zuversichtliches, aber auch etwas Abgeklärtes und Pragmatisches. Über das Schreiben findet sie wieder zu sich. Hildegard Knef schreibt sich schonungslos die Erinnerungen von der Seele und nimmt sich aber dabei auch selbst auf die Schippe, was schlimme Geschichten für die Zuhörer erträglicher macht. Ihre Wortwahl ist gehaltvoll und regt stark meine Fantasie an.

„Für mich soll’s rote Rosen regnen“: Premiere 18. Januar, 20 Uhr, weitere Termine bis März, Komödie im Marquardt, Tickets 07 11 / 22 77 00

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