Chemie auf dem Acker soll weniger werden. Foto: picture alliance / Patrick Pleul

Das Land Baden-Württemberg hat eine Strategie zur Reduktion des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft um die Hälfte bis zum Jahr 2030. Das jährlich vier Millionen Euro teure Programm setzt auf Anreize.

Stuttgart - Zwei Jahre nachdem der Naturschutzbund Baden-Württemberg (Nabu) eine Strategie zur Verminderung des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft von der Landesregierung verlangt hat, reagiert jetzt die Politik. Das CDU-geführte Landwirtschaftsministerium sowie das von den Grünen geleitete Umweltministerium einigten sich auf eine Kabinettsvorlage, die den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln vermindern soll. Auch soll über die Pestizidmengen berichtet werden, allerdings nicht sehr aktuell, ein langer Erhebungszeitraum von zehn Jahren ist geplant. Laut der federführend aus dem Agrarministerium stammenden Vorlage, die unserer Zeitung vorliegt, stellt das Land neue Ziele auf: Bis 2030 soll der Anteil des Ökolandbaus an der Fläche von heute 14 Prozent auf 30 bis 40 Prozent steigen. Bis 2030 soll auch der Einsatz von Pestiziden um 40 bis 50 Prozent vermindert werden.

Ihre Ziele will die Regierung in „einem kooperativen Ansatz mit der Landwirtschaft“ erreichen, mit Agrarinvestitionsförderung, der Förderung des ökologischen Landbaus sowie gezielter Beratung. Bei landeseigenen Flächen will das Land Vorbild sein, bei Neuverpachtungen sollen vorrangig Biobauern zum Zuge kommen. Die Berater des Landes sollen darauf hinwirken, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmittel minimiert wird und sie so eingesetzt werden, „dass Bienenschäden verhindert werden“. Die Vorlage geht davon aus, dass vier Stellen für die Datenerhebung und acht Stellen in der Beratung neu geschaffen werden müssen.

Gesucht wird nach alternativen Mitteln

Gefördert werden soll auch die Anschaffung moderner Geräte, mit denen der Einsatz von Pestiziden noch gezielter möglich ist sowie die Erforschung von alternativen Kampfmitteln gegen Krankheiten und Schädlinge in der Landwirtschaft. Schon jetzt gibt es biotechnische Verfahren im Pflanzenschutz, etwa den Einsatz von Schlupfwespen gegen den Maiszünsler oder die sogenannte Pheromon-Verwirrmethode gegen den Traubenwickler im Weinbau. Diese Verfahren reichen aber noch nicht aus.

Die Kosten der gesamten zunächst auf vier Jahre angelegten Strategie werden auf vier Millionen Euro im Jahr beziffert, davon entfallen zwei Millionen auf die Geräteförderung und je eine Million auf die Personalkosten beziehungsweise die Förderung der Forschung und Entwicklung von neuen Bekämpfungsmethoden. Über Mittel und Stellen soll bei den Beratungen für den Etat 2020/2021 entschieden werden. Schon im ersten Vierteljahr des nächsten Jahres sollen Landwirtschafts- und Umweltministerium gemeinsam Details für die Umsetzung der Pestizidstrategie erarbeiten.

Lob vom Naturschutzbund

Der Nabu-Vorsitzende Johannes Enssle lobte das Papier des Landwirtschaftsministeriums als Schritt in die richtige Richtung, auch wenn Aussagen über Pestizideinsätze in Schutzgebieten fehlten: „Das Volksbegehren Rettet die Bienen hat Bewegung in die Sache gebracht. Es wurde dadurch Druck aufgebaut“, sagte Enssle unserer Zeitung. Die im Mai 2019 gestartete Aktion Pro Biene hat in einem Volksbegehren eine Pestizidreduktion um die Hälfte bis 2025 verlangt sowie einen Anteil des Ökolandbaus von 50 Prozent bis 2035 gefordert. Für das Volksbegehren sind bereits 35 000 Unterschriften gesammelt worden, der Antrag dafür wird derzeit vom Landesinnenministerium geprüft. Enssle hält das Festhalten am Volksbegehren nach wie vor für sinnvoll, da noch nicht alle Forderungen erfüllt seien. Eine Sprecherin der Grünen-Fraktion sagte, man kenne die Kabinettsvorlage noch nicht. Es sei möglich, dass sie eventuell „nachgeschärft“ werden müsse.

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