Beschäftige in den Kliniken müssen sich laut dem Marburger Bund größtenteils selbst um Impftermine kümmern. (Symbolfoto) Foto: dpa/Sven Hoppe

Schlangen vor Impfstellen, knappe Reserven – aber ein überlastetes Krankenhauspersonal mit wenig Zeit. Das passt nicht zusammen, meinen die Ärzte. Das Personal müsse sich in den Kliniken impfen lassen können, fordern sie. Der Gesundheitsminister ist irritiert.

Stuttgart - Den Krankenschwestern, Pflegern und Medizinern in Krankenhäusern sollte nach Ansicht des Ärzteverbands Marburger Bund an ihrem Arbeitsort eine Corona-Impfung angeboten werden. „Die Beschäftigen in den Kliniken, egal ob Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte oder Reinigungskräfte, müssen sich größtenteils selbst um Impftermine kümmern“, kritisierte der baden-württembergische Landesverband am Mittwoch in Freiburg. Die Termine seien aber meist ausgebucht. Außerdem fehle es nach wie vor an Impfstoff.

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Der Impfappell der Politik laufe ins Leere, wenn es keinen niedrigschwelligen Zugang zum Impfstoff gebe. „Wir fordern das Land auf, hier zusätzlich Impfangebote vor Ort in den Kliniken anzubieten, um das Klinikpersonal schnell und unkompliziert durchzuimpfen“, sagte der zweite Landesvorsitzende des Marburger Bundes, Jörg Woll.

Gesundheitsminister Lucha irritiert

Zuständig wäre Gesundheitsminister Manfred Lucha, doch der zeigt sich irritiert: „Die mobilen Impfteams sind direkt an die Krankenhäuser angegliedert, der Impfstoff wird unmittelbar dorthin geliefert“, verteidigt der Grünen-Politiker sein Haus gegen die Kritik. „Es ist schon heute überhaupt kein Problem, mit den Betriebsärztinnen und -ärzten das Klinik-Personal durchzuimpfen.“ Die Kliniken könnten außerdem niedergelassene Ärztinnen und Ärzte mit dem Impfen beauftragen.

Auch die Impfquote ist dem Marburger Bund ein Dorn im Auge: Um sie zu steigern und Wartezeiten zu verhindern, müssten die großen Impfzentren wiedereröffnet werden, die Ende September eigentlich geschlossen worden waren, fordert er. „Unserer Erfahrung nach reichen die aktuellen Impfangebote im Land bei weitem nicht aus, um zeitnah einen Termin für eine Impfung zu bekommen“, kritisierte die Verbandsvorsitzende Sylvia Ottmüller. „Dies gilt sowohl für Erstimpfungen, als auch für Booster-Impfungen.“ Das Schließen der Impfzentren sei kurzsichtig und ein Fehler gewesen. „Es führt kein Weg an einer Wiedereröffnung der Impfzentren vorbei.“

Impfsituation laut SPD „völlig unzureichend“

Die SPD sieht das ähnlich: „Gesundheitsminister Manne Lucha muss seinen Fehler aus dem September endlich korrigieren und jetzt ganz schnell ausreichend stationäre Impfangebote und Impfzentren in allen Stadt- und Landkreisen einrichten“, forderte SPD-Gesundheitsexperte Florian Wahl. Die Impfsituation sei „völlig unzureichend“.

Tatsächlich liegt die Impfquote in Baden-Württemberg nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) derzeit bei 66,8 Prozent (Stand: 1.12., 8.00 Uhr) und damit unter der bundesweiten Quote, die nach Angaben des RKI (Stand: 1.12., 0:08 Uhr) 68,6 Prozent erreicht hat. Im Vergleich der 16 Bundesländer liegt Baden-Württemberg bei der Impfquote auf Platz 12 - hinter Bayern, das 66,9 Prozent erzielte. Bremen ist das Bundesland mit der höchsten Quote von 80,2 Prozent. Darauf folgt das Saarland mit 75,0 Prozent. Schlusslicht ist weiterhin das Bundesland Sachsen mit 58,2 Prozent.

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