Blick auf die Parikastraße, den Rewe-Markt und das umliegende Wohngebiet: Teile Heumadens liegen im Fokus für ein energetisches Quartierskonzept der Stadt Stuttgart. Foto: Caroline Holowiecki

Stuttgart will alsbald klimaneutral werden. Dafür wird aktuell in knapp 60 Fokusgebieten der Ist-Zustand der Gebäude erhoben. Auch Teile von Heumaden werden beäugt. Für den Herbst ist eine Bürgerveranstaltung geplant.

Heumaden - Für Teile von Heumaden wird derzeit ein energetisches Quartierskonzept erstellt. Laut Jürgen Görres, dem Leiter der Abteilung Energiewirtschaft beim Amt für Umweltschutz, haben im Gebiet Über der Straße sowie in der Gegend nördlich der Bahnlinie, etwa bis zur Kappstraße, in den vergangenen Monaten Experten bei Begehungen die Gebäude in Augenschein genommen. Der Hintergrund: Stuttgart will klimaneutral werden. Spätestens 2050 soll das erreicht sein. Zudem betont Jürgen Görres: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, das Pariser Abkommen sehr ernst zu nehmen.“ Der menschengemachte globale Temperaturanstieg soll auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden. Dafür steht die ganze Landeshauptstadt auf dem Prüfstand. Aktuell werden knapp 60 Fokusgebiete beäugt, und Heumaden ist eines davon.

In manchen Nachbarschaften gibt es viel zu tun

Der Ist-Zustand wird in einem Konzept festgehalten – kombiniert mit Empfehlungen, was wo und wie verändert werden könnte. Zentral ist laut Jürgen Görres zunächst die Ertüchtigung der Gebäude: Dämmungen, effizientere Technik, Energieversorgung. In manchen Nachbarschaften gibt es viel zu tun. Viele der großen Wohnhäuser entlang der Bockelstraße wurden ab den 50ern aus dem Boden gestampft, um nach dem Krieg Wohnraum für Arbeiter zu schaffen. Das Gebiet Über der Straße ist jünger. Es wurde ab Anfang der 80er bis in die 90er besiedelt. „Es ist baujahrtypabhängig“, sagt Jürgen Görres, jedoch müssten nach den Erkenntnissen der Erhebung „sicher im größeren Stil“ Sanierungen vorgenommen werden. Er spricht von „großen Herausforderungen“, gleichwohl müsse man, um eine Wende zu erreichen, die Gebäude „peu à peu anfassen“.

Aktuell wird im untersuchten Gebiet vorwiegend mit Gas geheizt. Der Frage, welche Rolle ein Nahversorgungsnetz spielen könnte und welche Konzepte in Frage kommen, wird ebenfalls nachgegangen. „Wir haben festgestellt, dass wir mit Geothermie viel erreichen können“, sagt der Amtsleiter, Potenzial für Solaranlagen zur Stromerzeugung für Wärmepumpen wäre demnach ebenfalls da. Diese und andere Erkenntnisse sollen den Heumadenern in einer Infoveranstaltung präsentiert werden. Laut Jürgen Görres könnte sie im Herbst sein. Dort sollen den Anwohnern Vorschläge unterbreitet werden, was sie in puncto Energie verbessern können, außerdem soll aufgezeigt werden, welche Fördermittel aus Bundes- und städtischen Zusatzförderprogrammen abgegriffen werden können. „Wenn jemand sehr ambitioniert unterwegs ist, schafft er es, 50 bis 60 Prozent Förderung zu bekommen“, sagt er.

In Heumaden soll ohnehin bald viel gebaut werden

Der Zeitpunkt für Neuerungen ist günstig. In Heumaden soll sich ohnehin in näherer Zukunft viel tun. Die Turn- und Versammlungshalle soll in einigen Monaten einem Neubau weichen, die Grundschule daneben muss saniert werden. Für den Rewe-Markt gegenüber gibt es auch schon lang Planungen. Der Flachbau soll abgebrochen und durch einen neuen, größeren Laden plus Wohnung obendrauf ersetzt werden. Und auch der 2,7 Hektar große Bereich, den die Bockel-, die Paprika-, die Korianderstraße und der Theodor-Schöpfer-Weg einrahmen, soll sein Gesicht verändern. Hier sieht das städtische Referat Städtebau und Umwelt viel Potenzial und will daher das sehr luftig gebaute Gebiet nachverdichten. Entsprechende Pläne wurden dem Bezirksbeirat 2018 präsentiert. Sanierungsbedürftige Gebäude sollen entfernt und durch neue ersetzt werden, außerdem soll enger gebaut werden. Bis zu 120 Wohnungen (Bestand: 60) könnten in den kommenden 20 Jahren entstehen, hieß es seinerzeit.

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