Schnurrbärte sind das Markenzeichen der Movember-Bewegung Foto: Shutterstock/Morocko

Der November steht für viele Männer und teilweise auch Frauen im Zeichen des Schnurrbarts. Die karitative „Movember“-Bewegung, die Aufmerksamkeit und Spenden für die Förderung der Männergesundheit sammelt, erfreut sich auch in der Region Stuttgart wachsender Beliebtheit.

Stuttgart - Im Gegensatz zu den 80er-Jahren tragen heutzutage nur noch sehr wenig Männer einen Schnauzer, Schnorres, Pornobalken oder wie man den Oberlippenbart sonst betiteln möchte. Wer sich gerade im jüngeren Alter trotzdem mit einem auf die Straße traut, fällt sofort auf. Genau das ist Sinn und Zweck der Movember-Idee.

In Stuttgart und Umgebung wird man die Schnurrbärte im vorletzten Monat des Jahres wieder vermehrt antreffen und darüber ins Gespräch kommen, was denn dahintersteckt. Die Antwort wird sich in den meisten Fällen um die Bekämpfung von Prostata- und Hodenkrebs sowie von psychischen Problemen bei Männern drehen. Denn genau dafür sammelt die Movember-Stiftung jedes Jahr Geld und zahlreiche Stuttgarter helfen dabei.

Sehen Sie in unserer Bildergalerie: Die berühmtesten Schnurrbart-Träger

Das Ländle ist besonders aktiv dabei

„2018 haben ungefähr 6.000 Mo-Bros und Mo-Sistas in Deutschland teilgenommen“, sagt Michael Fischer, Country Manager Europe bei Movember und betont vor allem das Engagement im Südwesten der Republik: „Baden-Württemberg ist die Schlüsselregion in Deutschland und gerade der Raum Stuttgart ist durch mehrere große teilnehmende Firmen sehr engagiert.“

Unternehmen wie Daimler, Dinkelacker, die Graf-Hardenberg-Gruppe bei Karlsruhe oder der Barber-Vertrieb 1o1 Barbers aus Waiblingen integrieren die Aktion mit ihren Mitarbeitern am Arbeitsplatz und organisieren interne Veranstaltungen. Die Biermarke Wulle stellt beispielsweise Spendendosen in Bars und Kneipen auf und Daimler veranstaltet ein sogenanntes Shave-Down-Event am 4. November, bei dem sich alle teilnehmenden Mitarbeiter zum Start ihre Bärte gemeinsam stutzen.

Sportler aus der Region sammeln spenden

Daneben ist die Movember-Bewegung vor allem in Mannschaftssportarten wie Handball oder Eishockey seit mehreren Jahren fest verankert. Die Handballbundesliga fordert seine Fans jedes Jahr zur Movember-Challenge auf. Auch Clubs aus der Region wie die Bietigheim Steelers (Eishockey), die SG BBM Bietigheim (Handball) oder die Handballer des MTV Stuttgart haben bereits aktiv daran teilgenommen oder nehmen dieses Jahr teil.

Ein besonders engagierter „Mo-Bro“ ist Handballer Florian Smarsli. Bis vergangenes Jahr spielte er in der zweiten Mannschaft der SG BBM Bietigheim im Kreis Ludwigsburg, ließ im November fleißig den Schnauzer sprießen und sammelte mit seinen Mannschaftskameraden Spenden für Movember. 2018 waren es stolze 5408 Euro.

Da sich Nachwuchs ankündigte, wechselte Smarsli dieses Jahr näher an seinen Wohnort und deshalb zum MTV Stuttgart. Dort möchte er die Aktion nun ebenfalls ins Rollen bringen. „Gerade als Sportmannschaft im Herrenbereich betrifft uns das Thema automatisch. Die Statistiken sind erschreckend, demnach müsste es mindestens einen aus der Mannschaft irgendwann mit Prostata- oder Hodenkrebs treffen“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion.

MTV Stuttgart trägt Schnauzer

Deshalb werden die MTV-Handballer an den 30 Novembertagen möglichst geschlossen mit Schnurrbart auftreten und gemeinsam Geld sammeln. Zum einen stehen bei den kommenden Heimspielen Spendenkassen samt Infomaterial in den Hallen. Zum anderen gibt es mannschaftsintern einen besonderen Strafenkatalog, dessen Ertrag ebenfalls direkt aufs Spendenkonto fließt. „Es ist natürlich ein absolutes No-Go, sich irgendwann im November komplett zu rasieren. Außerdem muss jeder Spieler gepflegt zum Spiel kommen, damit der Schnauzer auch entsprechend auffällt“, erklärt Smarsli.

Wer den Movember ohne Besuch eines MTV-Heimspiels unterstützen möchte, kann dies nach einer kurzen Registrierung über die kostenlose App oder die Movember-Homepage tun. Auf der jeweiligen Teamseite kann man dort auch Spenden an die Stuttgarter Handballer tätigen, damit diese im Ranking weiter vorne landen. Ein bisschen Wettbewerb ist schließlich auch dabei.

Laut dem Stuttgarter Sportler hilft die Aktion nicht nur der Movember-Stiftung, sondern auch dem sportlichen Erfolg der Mannschaft. „So etwas schweißt zusammen, es ist witzig und man macht es nicht alleine. Als Team treten wir nicht nur sportlich, sondern auch optisch einheitlich auf. Das macht Eindruck und fördert den Teamgeist. Im Movember haben wir deshalb bisher immer besonders viele Punkte geholt“, sagt Smarsli.

Wohin fließt das Spendengeld?

Wie uns Country Manager Michael Fischer erzählt, konnte der Gesamtspendenbetrag von 2017 auf 2018 um 17 Prozent auf deutschlandweit 530.000 Euro gesteigert werden. Dieses Jahr könnte es demnach in Richtung 600.000 Euro gehen. Dabei ist Movember in Deutschland im Vergleich zu Ländern wie Australien, den USA oder Großbritannien noch eher unbekannt.

Die bisher insgesamt über fünf Millionen Euro an Spenden flossen in über 1250 Projekte auf der ganzen Welt, die die Forschung für die psychische und physische Männergesundheit vorantreiben. In Deutschland unterstützt die Movember-Stiftung 2019 ein besonderes Forschungsprojekt. „Seit diesem Jahr fördern wir ‚GAP4’ von der Sporthochschule Köln. Durch regelmäßigen Sport wird dort die Lebenszeit von Prostata-Krebs-Patienten signifikant verlängert“, erklärt Fischer.

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