Mit vielen öffentlichen Aktionen setzen die „Omas gegen Rechts“ Zeichen. Foto: Imago/epd

Die Esslinger Gruppe der „Omas gegen Rechts“ hat sich im Herbst 2024 gegründet, um Zeichen zu setzen für Zusammenhalt. Seither zeigen sie immer wieder Flagge.

Sie wenden sich gegen die Ausgrenzung von Menschen mit Migrationsgeschichte, gegen Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und gegen alle Formen von Hass, Hetze und Gewalt. Und sie wollen nicht nur unbemerkt die Faust in der Tasche ballen, sondern sich aktiv für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, für die Vielfalt der Kulturen, für Toleranz und ein respektvolles Miteinander einsetzen. Quer durch die Republik haben sich in den letzten Jahren „Omas gegen Rechts“ zusammengefunden, um Zeichen zu setzen für eine demokratische, tolerante und vielfältige Gesellschaft. In Esslingen hatten ältere Bürgerinnen und Bürger im Herbst 2024 eine solche zivilgesellschaftliche, parteiunabhängige Gruppe gegründet. Am Donnerstag, 22. Januar, feiern sie ab 18 Uhr in der Dieselstraße ihr einjähriges Bestehen.

 

Die europaweit erste Gruppe der „Omas gegen Rechts“ (OGR) wurde 2017 in Wien aus der Taufe gehoben. Nur wenige Monate später machte ihr Beispiel auch hierzulande Schule. „Nein, dachte ich mir, die Rechten sprechen von unwertem Leben, von Omas, die zu alt für die Gesellschaft und nicht nützlich seien – nein. Gerade solche Omas brauchen wir auch in Deutschland“, fand die in Nagold lebende Großmutter Anna Ohnweiler und gründete im Januar 2018 eine Facebook-Gruppe, die zur Keimzelle vieler weiterer OGR-Gruppen werden sollte. Inzwischen gibt es mehr als 300 regionale Bündnisse und selbstständig handelnde Gruppen, in denen sich insgesamt mehr als 30 000 Menschen engagieren. Sie fühlen sich getragen von ihrem gemeinsamen Eintreten für Toleranz und die Achtung der Menschenrechte.

Esslingen soll Haltung zeigen

Vielerorts in der Region machen „Omas gegen Rechts“ auf ihre Anliegen aufmerksam. Foto: Ines Rudel

„Wir freuen uns nicht nur über Omas, die mitmachen wollen, sondern genauso über jeden Opa – man muss nicht mal Enkel haben“, luden die Initiatorinnen um Heidi Großmann damals zum Mitmachen in einer Esslinger OGR-Gruppe ein. Zielgruppe sind alle älteren Menschen, die sich „für die Demokratie einsetzen, im aktuellen politischen Klima Haltung zeigen und sich aktiv für die Werte unserer demokratischen, rechtsstaatlichen, freien Gesellschaft und die Würde aller Menschen einsetzen wollen – unabhängig von ihrer Religion, ihrem Geschlecht, ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung, ihrem Alter und unabhängig von körperlichen, seelischen oder geistigen Handicaps“. so wollen die Omas und Opas erklärtermaßen auch für den Erhalt des von ihrer Generation Erkämpften eintreten.

Die Esslinger Gruppe hat sich im Bundestagswahlkampf 2025 engagiert und war unter anderem mit Infoständen und Bauchladenaktionen in der Stadt präsent. Sie organisierte Gedenkveranstaltungen, um an die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten und an die gewaltsam durch rechtsextremistisch motivierte Gewalt zu Tode gekommenen Opfer zu erinnern. In Kooperation mit dem Kommunalen Kino und der Heinrich-Böll-Stiftung wurde die Reihe „Filme gegen Rechts“ gezeigt, die 2026 fortgeführt wird. Und der eigens gegründete OGR-Chor, der alle zwei Wochen im Komma probt, begleitet die Aktionen mit einem eigens zusammengestellten Liedprogramm, darunter auch einigen Eigenkompositionen.

Starke Stimmen für die Demokratie

Mit Infoständen machen die „Omas gegen Rechts“ auf ihre Anliegen aufmerksam. Foto: privat

Beim Jubiläumsfest im Esslinger Kulturzentrum Dieselstraße wird an diesem Donnerstag auch der OGR-Chor zu hören sein. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr mit einem Sektempfang. Zu Gast ist Anna Ohnweiler, die mit ihrer Facebook-Gruppe das bundesweite Netzwerk auf den Weg gebracht hatte. Zusammen mit ihr wollen die Veranstalter anschauen, was „Omas gegen Rechts“ bereits erreicht haben und welche Ziele sie sich für die Zukunft gesetzt haben. Nähere Infos gibt es unter: www.omas-gegen-rechts-esslingen.ogr-nord.de im Internet.