Die Stadt Böblingen freut sich über üppige Zinsen auf ihr Sparbuch Foto: Archiv/Bischof

Die Stadt Böblingen nimmt im Jahr 2024 überraschend fünf Millionen Euro mehr an Zinsen ein als geplant. Woher kommt das Geld?

Während andere Gemeinden im Kreis Böblingen jeden Euro zweimal umdrehen müssen, hatte der Böblinger Kämmerer Sascha Schneider in der jüngsten Gemeinderatssitzung ganz anderes zu berichten. „Heute habe ich mal gute Nachrichten zu verkünden, das macht umso mehr Spaß“, sagte er. Für das zurückliegende Jahr hatte er mit 110 000 Euro an Zinseinnahmen kalkuliert, tatsächlich erzielt aber hat die Stadt knapp über fünf Millionen, exakt: 5 034 057,67 Euro. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa dem halben Haushaltsvolumen einer Gemeinde wie Deckenpfronn. Doch, woher kommt der warme Geldregen?

 

„Durch höhere Liquidität konnten mehr Geldanlagen getätigt werden“, sagt Schneider. Der städtische Sparstrumpf hatte zum Jahresende 2024 eine Dicke von 93,26 Millionen Euro, hinzu kamen liquide Mittel auf Giro- und Tagesgeldkonten und Handvorschüssen, die einen Kassenbestand zu Silvester von 160,19 Millionen ergaben. Zum einen nahm Böblingen mehr Gewerbesteuern ein, zum anderen wurde teilweise Geld für geplante Baumaßnahmen nicht abgerufen.

Musste die Stadt für die Mittel auf der hohen Kante während der Nullzins-Phase sogar Negativzinsen entrichten, zahlen die Banken seit Mitte 2022 wieder schöne Habenzinsen, was Böblingen zu nutzen wusste. „Wir haben die Gelder ausschließlich bei lokalen Banken und Sparkassen sowie bei der Landesbank angelegt, wo wir im Schnitt 3,8 Prozent Zins erhalten haben“, sagt der Kämmerer.

Warum die öffentliche Hand mehr rausholen könne als ein Privatanleger liege schlicht an den stattlichen Anlagesummen in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe: Hier gewähren die Institute einen Zinszuschlag. Heraus kamen zum Ende 2024 durch insgesamt 27 einzelne Anlagegeschäft besagte 5,03 Millionen Euro an Zinseinnahmen. Etwaigen Begehrlichkeiten erteilte Sascha Schneider allerdings eine Absage: Das Geld werde dringend gebraucht, da sowohl große Investitionen anstehen und man beim Steueraufkommen mit Rückgängen rechnet.

Dickes Sparbuch auch in Sindelfingen

Eine ähnliche Situation zeigt sich in Sindelfingen, wo die Gewerbesteuern 2023 neue Rekordhöhen erreichte und das städtische Finanzpolster sogar noch mal ein gehöriges Stück dicker ist. So ließ der Sindelfinger Finanzbürgermeister Christian Gangl bei der Pressekonferenz zum städtischen Haushalt zuletzt in einem Nebensatz fallen, dass man auf Geldreserven von rund einer halben Milliarde Euro sitze. Doch auch hier sehe man schwierigeren Zeiten entgegen: Große Investitionen stünden bevor – und auf stattliche Mercedes-Gewerbesteuern könne man sich ebenfalls nicht verlassen.