Der Hospizdienst begleitet Sterbende und ist zugleich Ansprechpartner für Angehörige. Das fünfjährige Bestehen wird mit einem Liederabend begangen.
Was Georg Brenner widerfahren ist, ist einem Bürgermeister, ob amtierend oder ehemalig, eher fremd: die Bürger winkten ab, wenn er sie ansprach, auf sie zuging, sie versuchte, für das Thema zu interessieren. Georg Brenner nimmt im Nachhinein leicht, was ihm bei den Aktionen auf dem Marktplatz widerfuhr, wenn er gemeinsam mit anderen über die Hospizarbeit im Ort informieren wollte. Heute sei diese ablehnende Haltung deutlich geringer. Mehr noch: „Wir sind angekommen“, sagt Birgit Priemer.
Priemer ist die Vorsitzende des Gerlinger Hospizdienstes, der in wenigen Tagen mit einer großen Veranstaltung sein fünfjähriges Bestehen feiert. War mit dem Begriff Hospiz lange ausschließlich eine stationäre Einrichtung verbunden – die es in Gerlingen nicht gibt, wohl aber im benachbarten Leonberg – ist mit dem Begriff heute die Grundhaltung der Hospizidee verbunden. Das heißt: Sterben, Tod und Trauer gehören zum Leben und werden in Medizin und Pflege, aber eben auch in den gesellschaftlichen Alltag integriert.
Der frühere Rathauschef erhielt ungewohnte Reaktionen
So sehr sie selbst der Einrichtung eines stationären Hospizes zugewandt sind, so sehr forderte die Einrichtung im nahen Leonberg zunächst die Ehrenamtlichen des Gerlinger Hospizvereins. Zu Beginn seien sie häufig damit in Verbindung gebracht worden. „Geh mir bloß weg damit“ – diese Worte habe auch er zu hören bekommen, sagt Brenner. Die Menschen machten plötzlich einen weiten Bogen um ihren ehemaligen Bürgermeister, mit dem sie doch gerne das Gespräch suchten, als er in seiner Funktion des amtierenden Rathauschefs am selben Ort im Winter zum Glühweingespräch einlud. Als Vorsitzender der Fördergemeinschaft Pflege war er in den Vorstand des Hospizvereins gewählt worden.
Rund 500 Einsätze registrierte die hauptamtliche Hospiz-Koordinatorin Christina Kutz im vergangenen Jahr. 24 Begleitungen wurden beendet. 25 Hospizhelfer wurden seit Beginn ausgebildet. Die Sollstärke in der Größenordnung einer Stadt wie Gerlingen liegt bei 20 Aktiven. „Unser Ziel ist es, 20 Ehrenamtliche zu halten“, sagt Priemer. Der nächste Ausbildungskurs ist bereits geplant.
Just die Intensität der Ausbildung habe ihn am Anfang skeptisch gemacht, sagt Brenner. 100 Ausbildungseinheiten müssen die Ehrenamtlichen absolvieren. Wer würde diesen Zeitaufwand leisten können? „Ich war skeptisch, ob wie 30 Ehrenamtliche gewinnen.“ 30 lautete damals das Ziel, es ist nicht aus dem Blick geraten, aber Priemer blickt auf „ein gesundes Wachstum“. Es sei schließlich zu Beginn auch nicht zielführend, viele Ehrenamtliche auszubilden, wenn der Dienst noch nicht angenommen wird. Wie lange es gedauert hat, die Hospizarbeit in der Bevölkerung aber auch in Fachkreisen zu etablieren, konstatieren die Verantwortlichen mit einem gewissen Erstaunen, gleichwohl: Sie werten nicht. Weder in diesem Fall noch im Umgang mit Angehörigen und Sterbenden.
Bis der letzte Ton verklungen ist
Der Hospizdienst versteht sich als Begleitung, in der Vernetzung mit der Sozialstation als Netzwerk der Hilfen, will aber auch ein Plattform sein, die von allen Beteiligten akzeptiert wird, auch dann, wenn es Spannungen gibt zwischen der sterbenden Person und den Angehörigen zum Beispiel. Das richtige Maß an Nähe in der letzten Lebensphase und professioneller Distanz zu finden, ist die Aufgabe der Ehrenamtlichen. Bisweilen hilft auch die Musik ob Kirchenlieder oder Gitarrenklänge, auch dann, wenn das Sprechen und Sehen nicht mehr möglich ist. „Das Gehör geht als letztes“, sagt Christina Kutz.
Sterbende und die Musik ihres Lebens, darum geht es in einem Bühnenprogramm in der Jahnhalle Gerlingen am 30. Januar, Beginn 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. In Kooperation mit der Stadtbücherei wurde anlässlich des Jubiläums ein Liederabend mit Stefan Weiller organisiert. „ Von welchem Lied werden Sie am Ende Ihres Lebens sagen: Das war mein Lied?“ Stefan Weiller ist mit dieser Frage zu sterbenden Menschen gegangen. Sie sind Grundlage eines heiter-melancholischer Abend über das Sterben und die Frage, was am Ende wichtig ist.